Strafe in der Formel 1 Herr Alonso, Sie starten in Aachen!
McLaren-Honda-Pilot Alonso: ICE, TC, MGU mit H und K getauscht
Foto: AP/dpa182 Jahre Haft oder 36-mal lebenslänglich: Sie kennen wahrscheinlich diese Urteile, von denen man immer mal wieder liest. Sie sind unsinnig, sollen aber vermutlich die Schwere der Tat dokumentieren, was natürlich eine entsprechende Strafe nach sich ziehen muss. Die Formel 1 hat jetzt auch ihren ersten Schwerverbrecher.
Fernando Alonso, 34 Jahre alt, Spanier, geschieden, keine Kinder, Hobby-Zauberer und Fahrer beim Rennstall McLaren-Honda, wurde nachgewiesen, gleich fünfmal gegen die Regeln verstoßen zu haben - und die kommen in der Formel-1-Welt bekanntlich geltendem Gesetz gleich.
Die Vergehen stehen aufgelistet im offiziellen Dokument Nummer 12 des Belgien-Grand-Prix, ausgestellt am 21. August 2015 um 14:44 Uhr von den Stewards des Automobil-Weltverbandes Fia, den obersten Richtern also. Demnach hat Alonso Artikel 28.4 (a) der sportlichen Fia-Regularien verletzt, weshalb er 30 Startpositionen zurückversetzt wird. Zehn dafür, dass er die siebte ICE-Einheit benutzt hat, und jeweils fünf, weil die Stewards im McLaren des Spaniers die siebte TC-Einheit, die siebte MGU-H-Einheit, die sechste MGU-K-Einheit und die sechste CE-Einheit fanden.
ICE, TC, MGU mit H und K: Wundert sich noch jemand, dass kaum ein Mensch mehr die Formel 1 versteht?
Ohne ins Detail gehen zu wollen: Das alles sind Bestandteile der hochkomplexen Antriebseinheit, mit der die Formel-1-Autos heutzutage ausgestattet sind. Ein einfacher Motor tut es nicht mehr. Diese Antriebseinheit jedenfalls besteht aus vielen Teilen, ICE, TC und MGU halt. Pro Saison dürfen die Teams nur eine bestimmte Anzahl von den jeweiligen Teilen tauschen, ansonsten gibt es eine Strafe, wie im Fall Alonso.
Kurve Eau Rouge: Der Mythos von Spa
So weit, so komplex, aber zumindest noch halbwegs nachvollziehbar. Wenn Alonso nun also im Qualifying, sagen wir mal, Platz eins holt, wird er nicht von Platz eins starten, sondern von Platz 31, denn er wird ja 30 Startplätze zurückversetzt. Platz eins in der Qualifikation ist für McLaren-Honda aber so wahrscheinlich wie die Teilnahme des HSV an der Fußball-Champions-League kommende Saison.
Beim vergangenen Rennen in Ungarn beendete Alonso das Qualifying auf Platz 15, das ist auch für Spa realistisch. Addiert man diesem fiktiven Ergebnis - das Spa-Qualifying kommt ja erst noch - die 30 Plätze Strafversetzung hinzu, müsste der Spanier also von Platz 45 starten. Das Problem: In dieser Saison gibt es in der Formel 1 nur 20 Startplätze.
Das sind, wenn wir wieder das Beispiel mit Startplatz 15 nehmen, aber nur fünf Plätze Rückstufung. Bleiben also noch 25 Startplätze Strafe, die Alonso eigentlich später verbüßen müsste. Sein persönliches Startplatz-Strafkonto sozusagen. Aber nicht mit der Fia!
Weil Alonso die ganzen Komponenten NUR vor dem Rennen in Belgien tauschte, gilt die Strafe auch NUR für das Rennen in Belgien. Dort ist ihm Platz 20 also gewiss, weiter hinten als ganz hinten geht schließlich nicht. Ein Journalistenkollege im Medienzentrum in Spa sagte, dann wäre es nur gerecht, wenn Alonso von Aachen aus starten müsste, kurz vor der belgischen Grenze.
Alonso, das sei fairerweise erwähnt, befindet sich in bester krimineller Gesellschaft. Jenson Button, sein Kollege bei McLaren-Honda (ja, dieses Team scheint ein paar Probleme zu haben), wurde auch mit neuen ICE-, TC- und MGU-Teilen auffällig. Allerdings nicht mit einem getauschten CE-Teil, weshalb er nur 25 Startplätze strafversetzt wird.
Wenn Button nun 20. in der Qualifikation wird und Alonso, wie schon durchgespielt, Platz 15 belegt, Button in Wahrheit, addiert man die Strafe hinzu, aber von Platz 45 starten müsste, ebenso wie Alonso, weil 15 plus 30 ja auch 45 ergibt: Wer steht dann am Sonntag eigentlich ganz hinten?