Großer Preis von Bahrain Ecclestone will Wüstenrennen verlegen
Formel-1-Chef Ecclestone: Teams in einem Brief zum Protest aufgefordert
Foto: OSMAN ORSAL/ REUTERSHamburg - Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will entgegen seiner ursprünglichen Ansage das umstrittene Bahrain-Rennen nun doch wieder verschieben. Nach der heftigen Kritik an der Neuansetzung des Wüsten-Grand-Prix für den 30. Oktober habe der Brite die Teams in einem Brief zum Protest gegen den Beschluss des Motorsport-Weltrats des Internationalen Automobil-Verbands Fia aufgefordert und ein neuerliches Votum angeregt, berichtet der "Daily Telegraph". "Am besten schieben wir Bahrain auf das Ende der Saison. Wenn es sicher und in Ordnung ist, dann gehen wir hin. Wenn nicht, dann gehen wir nicht, und es gibt keine Probleme", sagte Ecclestone.
Erst am Freitag hatte das Gremium, in dem auch Ecclestone sitzt, einen Nachholtermin für das wegen blutiger Unruhen in Bahrain im Februar abgesagte Rennen abgesegnet und die Indien-Premiere dafür auf den 11. Dezember verlegt. Damit würde die Formel-1-Saison so spät enden wie seit 48 Jahren nicht mehr. Nach der Entscheidung gab es jedoch massive Kritik. Der ehemalige Fia-Chef Max Mosley warf den Funktionären moralisches Versagen vor und erwartet eine erneute Absage. "Ich wäre sehr überrascht, wenn das Rennen stattfindet. Ich denke nicht, dass es dazu kommt", sagte Mosley.
Mosleys Nachfolger Jean Todt kündigte eine weitere Prüfung der Lage im Golfstaat an. "Wenn wir klare Beweise haben, dass die Situation dort gefährlich ist, werden wir das natürlich in unsere Überlegungen einbeziehen", sagte der Franzose der britischen BBC. Er verteidigte allerdings die Entscheidung. Ein Gesandter habe zuvor die Lage in Bahrain erkundet. "Er fand eine stabile und ruhige Situation vor, deshalb waren wir alle einverstanden", erklärte Todt.
Menschen in Bahrain haben für das Rennen zum Tag des Zorns aufgerufen
Das Kampagnen-Netzwerk Avaaz widersprach der Lage-Einschätzung vehement. "Behauptungen, dass die Ruhe in Bahrain wiederhergestellt und das Leben wieder normal ist, sind komplett unwahr", sagte Avaaz-Chef Alex Wilks. Zuvor hatte der Präsident des Zentrums für Menschenrechte in Bahrain, Nabeel Rajab, vor Aufruhr im Falle einer Austragung des Rennens gewarnt. "Die Menschen sind erschüttert und haben am Renntag zum Tag des Zorns aufgerufen, um in jeder Stadt Bahrains ihren Ärger über die Regierung darüber kundzutun, wie sie mit ihrem eigenen Volk umgeht", sagte Rajab.
Nach der Fia-Entscheidung hatten Teams und Fahrer heftig gegen die Neuansetzung protestiert. Prominente Fahrer wie Sebastian Vettels Red-Bull-Teamkollege Mark Webber und Rubens Barrichello äußerten schwere Bedenken. Der britische Sportminister Hugh Robertson warnte die Formel 1 vor einem "Desaster".
Ecclestone zeigte sich beeindruckt von der Welle der Kritik. Auch er habe dem Fia-Bericht geglaubt. "Aber das ist nicht das, was ich jetzt höre und ich denke", sagte der Formel-1-Geschäftsführer.