Viertelfinal-Hinspiel: Großer Fußball in London
Champions League Barcelona verschenkt den Sieg
Hamburg - Auch der Champions-League-Top-Favorit ist verwundbar. Der FC Barcelona kam im Hinspiel des Viertelfinals beim FC Arsenal nur zu einem 2:2, wobei der spanische Meister dabei eine sichere Zwei-Tore-Führung vergab. Der überragende Schwede Zlatan Ibrahimovic hatte die Gäste 2:0 in Führung gebracht. Theo Walcott und Kapitän Cesc Fabregas per Foulelfmeter schafften den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich.
Geschickter stellte sich in einem weiteren Viertelfinale der italienische Meister Inter Mailand an. Er brachte einen 1:0-Vorsprung gegen ZSKA Moskau sicher über die Zeit. Der Argentinier Diego Milito erzielte das Tor des Tages. Die Sieger beider Viertelfinals treffen anschließend im Halbfinale aufeinander.
Nach einem Unentschieden hatte es in London über den Großteil der Spielzeit überhaupt nicht ausgesehen, zu überlegen hatte sich der FC Barcelona präsentiert. Schon nach drei Minuten hatten die Spanier zwei Großchancen herausgespielt, die allerdings vom starken Arsenal-Schlussmann Manuel Almunia zunichtegemacht wurden. In der fünften Minute wäre aber auch er geschlagen gewesen, doch Ibrahimovic schoss aus kurzer Entfernung über das Tor.
In der Folge beherrschte der Gast das Spiel nach Belieben und arbeitete sich zahlreiche Möglichkeiten heraus - wenn auch ohne Torerfolg. Arsenal-Coach Arsène Wenger reagierte und nahm schon nach 25 Minuten seinen russischen Stürmer Andrej Arschavin vom Feld, um die Defensive zu verstärken. Erst danach durften auch die Londoner am Spiel teilnehmen und hatten durch Nasri sogar eine gute Möglichkeit.
Doppelpack von Ibrahimovic nach dem Wechsel
Arsenal rettete sich in die Pause - nach Wiederanpfiff ging es allerdings gleich im Rhythmus der ersten Hälfte weiter. Ibrahimovic nahm nur 22 Sekunden nach dem Wechsel einen Pass auf und lupfte den Ball über Almunia zum 1:0 aus Sicht der Gäste ins Netz. Arsenal wäre im Gegenzug zwar fast der Ausgleich durch den Dänen Nicklas Bendtner gelungen, aber das brachte Barcelona überhaupt nicht aus dem Konzept. Wieder war es Ibrahimovic, der in der 59. Minute vor dem Strafraum freistehend angespielt wurde. Arsenal hatte auf Abseits gespielt - der Schwede, der an diesem Abend auch Barca-Superstar Lionel Messi in den Schatten stellte, bedankte sich dafür und schoss an Almunia vorbei zum hochverdienten 2:0 für Barça ein.
Das Anschlusstor durch den eingewechselten Theo Walcott in der 69. Minute fiel denn auch komplett überraschend und markierte die Wende im Spiel. Plötzlich zeigte Barcelona im Aufbauspiel Unsicherheiten, Arsenal kam mehrfach über die Flügel, die Flanken waren allerdings zu unpräzise, um die nicht immer sichere Abwehr der Spanier ernsthaft zu gefährden.
Rot für Puyol, Ausgleich für Arsenal
Fünf Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wurden die Bemühungen der Londoner durch das Elfmetertor von Fabregas doch noch belohnt. Nach einem Foul von Barcelonas Kapitän Carles Puyol an Fabregas hatte Schiedsrichter Massimo Busacca aus der Schweiz sofort auf Strafstoß entschieden. Zum Unglück der Spanier interpretierte er die Foulsituation auch noch als Verhinderung einer klaren Torchance und zeigte Puyol die Rote Karte. Er wird im Rückspiel ebenso fehlen wie der dann gelbgesperrte Verteidigerkollege Gerard Pique. Allerdings muss Arsenal ebenfalls wegen einer Gelbsperre im Rückspiel auf Fabregas verzichten.
Zuvor hatte es im Arsenal-Stadion noch einen magischen Moment gegeben, als Barcelonas Trainer Pep Guardiola Stürmer Thierry Henry eingewechselt hatte. Henry hatte viele Jahre für den FC Arsenal gespielt - und war von Fans zum Arsenal-Spieler des Jahrhunderts gewählt worden. Bei der Einwechslung des Franzosen erhoben sich alle Zuschauer im Stadion.
Inter Mailand besiegt ZSKA Moskau
Im Giuseppe-Meazza-Stadion fand der klare Favorit Inter Mailand gegen den in der Defensive gut organisierten Armeeclub ZSKA Moskau lange Zeit keine Mittel. Erst der argentinische Torjäger Diego Milito erlöste in der 65. Minute die Fans der "Nerazzuri", als er mit seinem dritten Champions-League-Treffer zum 1:0 erfolgreich war. Kurz zuvor hatten für das Team von Trainer José Mourinho Dejan Stankovic und Goran Pandev gute Gelegenheiten ausgelassen.
Die Gäste, die wegen des Terroranschlages in der Moskauer U-Bahn mit Trauerflor spielten, müssen im Rückspiel auf ihre Stammkräfte Milo Krasic und Jewgeni Aldonin verzichten, die nach ihren jeweiligen dritten Gelben Karten nicht mitwirken dürfen.
Insgesamt war es eine schwache Partie, die gegenüber den anderen drei Viertelfinalbegegnungen deutlich abfiel. Mourinho, dem es bei seinem Team mehr auf Effektivität als auf Attraktivität ankommt, wird das vermutlich gleichgültig sein. Hauptsache, seine Elf hat sich eine günstige Ausgangsposition verschafft, wenn es am Mittwoch zum Rückspiel in Moskau kommt.
Bereits am Dienstag treffen Manchester United und der FC Bayern zum Rückspiel aufeinander und spielen in Old Trafford nach dem 2:1 der Münchner im Hinspiel ebenso einen Halbfinalisten aus wie parallel im französischen Duell die Clubs Girondins Bordeaux und Olympique Lyon. Die jeweiligen Sieger treffen in der Vorschlussrunde aufeinander.