DFB-Elf gewinnt gegen Ecuador - DER SPIEGEL
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Ecuador vs. DFB: Gelungener Testlauf

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

DFB-Sieg gegen Ecuador Warnschuss aus der zweiten Reihe

Vier Tore in 24 Minuten, ganz ohne die Stars aus München, Dortmund oder Madrid: Die B-Nationalmannschaft hat gegen Ecuador überzeugt - und es damit allen Kritikern der USA-Reise gezeigt. Joachim Löws Reserve lieferte den Beweis für die eigene Relevanz.
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Hamburg - Was ist im Vorfeld dieses Ausflugs diskutiert worden: Welchen Sinn hat der Trip der deutschen Nationalmannschaft in die USA, wenn dem Bundestrainer beinahe alle Stammspieler fehlen? Was will Joachim Löw vor der Weltmeisterschaft 2014 überhaupt testen, wenn kaum einer der mitgereisten Spieler im kommenden Jahr zum Einsatz kommen wird? Wirkliche Antworten auf diese Fragen lieferte die Partie gegen Ecuador zwar nicht, doch sie zeigte: Löw und seine Spieler fassen diese Reise nicht als Sommerurlaub auf. Sie ist ihnen bitterernst.

4:2 (4:1) gewann das Team gegen die Südamerikaner, es trotzte dabei der schwülen Hitze von Boca Raton ebenso wie den verächtlichen Stimmen von der anderen Seite des Atlantiks. Von Beginn an trat die DFB-Auswahl auf, als habe sie sich fest vorgenommen, auch den letzten Beobachter von der Ernsthaftigkeit dieser Partie zu überzeugen. "Es war für uns ein wichtiges Spiel", sagte Heiko Westermann, "jeder von uns wollte sich zeigen." Immerhin habe es sich mit Ecuador um einen internationalen Gegner gehandelt, das dürfe man nicht außer Acht lassen.

Bemüht man einen Blick auf die Weltrangliste, überrascht dieser Gegner sogar. Auf Rang zehn bewegt sich das Team von Trainer Reinaldo Rueda, im Februar besiegte es Portugal im Freundschaftsspiel 2:3. Dass seine erst vor wenigen Tagen zusammengewürfelte Mannschaft Ecuador in der Anfangsphase derart überrennen würde, überraschte selbst Löw. "Wir wollten von Beginn an ein Zeichen setzen, das hat die Mannschaft gut umgesetzt", sagte der Bundestrainer nach dem Spiel.

Die DFB-Elf ist nicht nur Bayern und Dortmund

Ein Zeichen setzen: Vor allem darum ging es Löw und seinen Profis, und das nicht nur aus sportlicher Sicht. Die DFB-Delegation - sprich Löw und Teammanager Oliver Bierhoff - wollte auch zeigen, dass sie ohne die guten Ratschläge aus der Fußballnation Deutschland zurechtkommt, dass sie hinter ihren Entscheidungen steht, gern mit den Konsequenzen lebt und arbeitet. Und dass sie nicht abhängig ist vom Hype, der in den vergangenen Monaten um die derzeit beiden besten deutschen Vereine, Bayern München und Borussia Dortmund, entstanden ist. Der gerade so hochgelobte deutsche Fußball, das sollte dieses Spiel auch zeigen, ist nicht nur den Bundesliga-Clubs vorbehalten.

Klar, hätten Profis wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Götze oder Marco Reus in Löws Auswahl gestanden, wäre das Spiel gegen Ecuador vermutlich ein anderes gewesen. Doch gerade weil die Stars fehlten, die sonst den Ton angeben, konnten Spieler wie der Startelfdebütant Max Kruse, Sidney Sam, Lars Bender oder Julian Draxler die Vorgaben des Bundestrainers nach ihren Vorstellungen interpretieren.

Das gelang ihnen vor allem in den ersten 30 Minuten außerordentlich gut. In der zweiten Hälfte mangelte es an Konzentration und Kombinationsstärke, die Hitze schien den DFB-Spielern zu schaffen zu machen und auch die sechs eingewechselten Akteure konnten nicht mehr flüssig eingebaut werden. Doch Löws Gradmesser dieser Partie war die erste Halbzeit: "Vor allem die Spieler, die erstmals dabei waren, haben das sehr gut gemacht", sagte der Bundestrainer.

Es geht um die letzten Plätze für das WM-Aufgebot

Auch diejenigen, die zuletzt in Anbetracht der geballten Kraft aus Dortmund und München etwas ins Hintertreffen geraten waren, durften in Boca Raton Werbung in eigener Sache machen. So spielte sich Lukas Podolski, der sich von Bierhoff kürzlich sportlichen Stillstand hatte vorwerfen lassen müssen, schon nach wenigen Sekunden in einen kleinen Rausch, sein historisch schneller Treffer schien den Rest des Teams weiter anzustacheln. Auch Westermann oder Torhüter René Adler nutzten ihre Präsentations-Chance.

Denn immerhin geht es noch um einiges: die letzten Plätze des Aufgebots für die WM in Brasilien. Dass Löw bei der Besetzung dieser aus einem breiten und zugleich hochwertigen Fundus schöpfen möchte, machte er an diesem Abend noch einmal deutlich: "Ich habe immer gesagt, dass wir bei der Nationalmannschaft nicht nur 20 oder 25 Spieler brauchen, sondern einen Kreis von 30 Spielern." Eine Taktik, die vor allem bei Bayern München in dieser Saison bestens funktioniert hat. Ein bisschen schaut Joachim Löw dann doch auf die Bundesliga, und er tut gerade sicher nicht schlecht daran.