DFB-Niederlage gegen Portugal: Cristiano Ronaldo, 40, lässt Deutschland alt aussehen - DER SPIEGEL
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Nations-League-Aus gegen Portugal Ronaldo, 40, lässt Deutschland alt aussehen

Cristiano Ronaldos Karriere-Spätherbst reicht für das DFB-Team: Gegen Portugal offenbarte sich ein Qualitätsproblem bei einer geschwächten Elf. Und Florian Wirtz erhielt einen Vorgeschmack auf die unfeine englische Art.
Waldemar Anton (Nr. 2) und Robin Gosens (Nr. 21) gucken hinterher, während Cristiano Ronaldo (r.) den Ball einschiebt
Waldemar Anton (Nr. 2) und Robin Gosens (Nr. 21) gucken hinterher, während Cristiano Ronaldo (r.) den Ball einschiebt

Waldemar Anton (Nr. 2) und Robin Gosens (Nr. 21) gucken hinterher, während Cristiano Ronaldo (r.) den Ball einschiebt

Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Jenseits von Raum und Zeit: Es ist leicht, auf Cristiano Ronaldo als jemanden zu blicken, der den perfekten Zeitpunkt für das Karriereende verpasst hat. Zu fragen: Was will dieser 40 Jahre alte Mann noch auf dem Fußballplatz? Zuletzt schrieb Ronaldo selbst, das Kapitel beim saudischen Al-Nassr FC sei »abgeschlossen«, ein WM-Titel 2026 mit dann 41 Jahren scheint illusorisch. Der Mann, der erstmals gegen Deutschland spielte, als Oliver Kahn noch im Tor stand, ist einer der Größten aller Zeiten – aber auch doppelt so alt wie die Spieler, die heutzutage Champions-League-Finalspiele entscheiden.

Doch Cristiano Ronaldo ist eben immer noch: Cristiano Ronaldo. Die Athletik von einst ist fast weg, ein bisschen Sprungkraft ist noch da, ansonsten schleicht er über den Platz. Presst kaum, pirscht durchs Abseits wie ein alter Löwe. Auf Torejagd ist er aber noch immer. Vor Nuno Mendes Vorlage zum Siegtreffer gegen Deutschland (67. Minute) war Ronaldo nur Sekundenbruchteile nicht in der Abseitszone, aber das reichte dem Altmeister, der sich insgesamt sieben Abschlüsse nahm. Ganz Deutschland kam nur auf neun. Es war Ronaldos fünftes Spiel gegen Deutschland – und sein erster Sieg.

Das Ergebnis: 1:2 (0:0) unterliegt die deutsche Nationalmannschaft Gegner Portugal. Am Donnerstag spielen Spanien und Frankreich den portugiesischen Finalgegner in der Nations League aus (21 Uhr, TV: ARD/DAZN) – und den deutschen Gegner im Spiel um Platz drei. Zur Spielmeldung geht es hier.

Die Hagelsmänner: Angepfiffen werden sollte die Partie in München um 21 Uhr – doch daraus wurde nichts. Zwar hatten die Greenkeeper das Grün nach den Pariser Feierlichkeiten nach dem Champions-League-Finale am Samstag wieder rechtzeitig hergerichtet. Bedroht wurde der Zeitplan aber ohnehin nicht von unten, sondern von oben: Sturmtief »Tim« bedachte die Arena mit dicken Hagelkörnern, die Torhüter um Rückkehrer Marc-André ter Stegen mussten ihr Aufwärmprogramm abbrechen. Schiedsrichter Slavko Vinčić pfiff die Partie mit zehn Minuten Verspätung an.

Kleine Nackenschläge: Marc-André ter Stegen im Hagel von München

Kleine Nackenschläge: Marc-André ter Stegen im Hagel von München

Foto: Alexandra Beier / AFP

Vaterfiguren: Joshua Kimmich erlebte vor seinem 100. Länderspieleinsatz einen besonderen Moment: Der DFB-Kapitän betrat nicht etwa an der Seite eines zufällig ausgewählten Einlaufkindes den Platz, sondern wurde von einem seiner vier Kinder begleitet. 50 Einsätze fehlen Kimmich noch auf den deutschen Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, das scheint machbar. Sein Kapitäns-Pendant Ronaldo wird Kimmich wohl nicht mehr einholen: Der 40-Jährige machte bereits sein Länderspiel Nummer 220. Auch Ronaldo Sohn ist schon weiter: Der Junior wurde zuletzt erstmals für Portugals U15 nominiert.

Höherer berufen: Nick Woltemade ist mit seinen 1,98 Metern nicht nur für gewöhnlich die höchste Erhebung auf dem Fußballplatz, der Stuttgarter feierte auch hinsichtlich seiner Frühjahrs- und Sommer-Highlights Bergfest: erst der DFB-Pokalsieg, nun das Länderspieldebüt, später dann die U21-Europameisterschaft in der Slowakei. »Die komplette Rückrunde hat er extremst gute Leistungen gebracht«, lobte Rudi Völler vor Anpfiff. Der Auftritt gegen Portugal reihte sich da nur bedingt ein: Woltemade hatte eine gute Chance (19.), irritierte Rúben Dias vor Wirtz' Führungstreffer entscheidend (48.), war aber sonst nur selten am Ball.

Woltemade in Germany: Der Bundesliga-Senkrechtstarter lief erstmals für die deutsche A-Nationalmannschaft auf

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Foto: Martin Meissner / AP

Dominanz sieht anders aus: Trotz zahlreicher fehlender Startelfspieler wie Kai Havertz und Jamal Musiala war die deutsche Mannschaft selbstbewusst angereist. Mancher war womöglich gar etwas zu optimistisch, ZDF-Experte Christoph Kramer etwa konnte sich nicht vorstellen, »dass es knapp wird«. Die »knappe« erste Hälfte war dann aus deutscher Sicht aber doch die gute Nachricht: Leon Goretzka (4./21.) und Woltemade hielten Diogo Costa im portugiesischen Tor auf Trab. Gleichzeitig wurden die Konter der Gäste immer wieder gefährlich, Pedro Neto etwa konnte von Verteidiger Robin Koch nur in höchster Not noch verteidigt werden (33.).

Am Ende gewinnt die Bank: Ein seltener Kopfball von Florian Wirtz nach schönem Kimmich-Lupfer ließ Deutschland dann jubeln (48.), doch dieser Jubel hielt nicht lange. Nach etwa einer Stunde wechselten beide Nationaltrainer dreifach. Portugals Roberto Martínez brachte etwa Francisco Conceição, der sogleich per Solo ausglich (63.), und Vitinha, Lenker von Paris Saint-Germain, der jüngst die Gala im Champions-League-Finale zu verantworten hatte. Julian Nagelsmann brachte Niclas Füllkrug nach dessen Drei-Tore-Saison für West Ham, und Robin Gosens, der sich von Conceição sogleich vernaschen ließ. Beim DFB wird hoffen, dass sich das Qualitätsproblem im Direktvergleich durch die Rückkehr der zahlreichen Verletzten beheben lässt.

Vitinha ist einer der wichtigsten Spieler bei PSG, Portugal kann es sich leisten, ihn von der Bank zu bringen

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Foto: Tobias Schwarz / AFP

Vorgeschmack auf England: Torschütze Wirtz ging in der Schlussphase schließlich mit unter – stand aber trotzdem noch einmal im Mittelpunkt: Bernardo Silva verpasste dem wahrscheinlichen Neu-Liverpooler zunächst einen Bodycheck, geriet dann noch einmal mit Wirtz aneinander und schließlich theatralisch zu Boden. Auch Rúben Dias und Bruno Fernandes mischten in der folgenden Rudelbildung gehörig mit, am Ende gab es dreimal Gelb, unter anderem für Wirtz und Dias. Wirtz wird sich an diese Art Provokation gewöhnen müssen: Silva und Dias spielen für Liverpools Titelkonkurrenten Manchester City, Bruno Fernandes für den Erzrivalen Manchester United.