Fußball-EM 2021: Kasper Dolberg schießt Dänemark ins Viertelfinale - DER SPIEGEL
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Dolberg schießt Dänemark ins EM-Viertelfinale Babyface mit Torinstinkt

Hunderte dänische Fans nutzten ein Quarantäne-Schlupfloch, um beim EM-Achtelfinale gegen Wales dabei sein zu können. Dafür sahen sie in Amsterdam Back-up-Stürmer Kasper Dolberg, der in seinem alten Stadion auftrumpfte.
Kasper Dolberg feiert in Amsterdam
Kasper Dolberg feiert in Amsterdam

Kasper Dolberg feiert in Amsterdam

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Olaf Kraak - Pool / Getty Images

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Kasperletheater: Kasper Dolberg gilt seit Jahren als eines der größten Mittelstürmertalente Europas, er vereint technische Klasse mit einem massiven Körper und einem herausragenden Abschluss. Das Problem des 23-Jährigen, der bei Ajax Amsterdam den Durchbruch schaffte und inzwischen bei der OGC Nizza in Frankreich spielt, ist, dass die Erwartungen an seine Entwicklung seit Jahren so hoch sind, dass er ihnen immer wieder hinterherläuft – auch deswegen startete er in die Fußball-EM nur als Back-up des Leipzigers Yussuf Poulsen. Weil Poulsen gegen Wales verletzungsbedingt fehlte, durfte Dolberg ausgerechnet in seinem alten Stadion in Amsterdam starten. Und mit zwei Toren zeigte er, dass hinter dem Babyface ein Stürmer gewachsen ist, der Dänemark in diesem Turnier noch die eine oder andere Runde weiter schießen kann.

Das Ergebnis: Dänemark gewann 4:0 (1:0) gegen Wales, neben Dolberg (27., 48. Spielminute) trafen auch Joakim Mæhle (89.) und Martin Braithwaite (90.+5.). Im Viertelfinale treffen die Dänen am kommenden Samstag (18 Uhr) auf die Niederlande oder Tschechien. Hier geht es zum Spielbericht.

Zwölf Stunden: Die Durchführung des paneuropäischen Turniers in der Coronakrise dürfte durch dieses Achtelfinale in Amsterdam einige Kritiker hinzugewonnen haben. Weil Dänen nach der Heimkehr aus den Niederlanden in Quarantäne müssen, wenn ihr Aufenthalt mehr als zwölf Stunden dauert, takteten viele Fans offenbar ihren Aufenthalt stundengenau. Busse mit dänischen Anhängern warteten deswegen an der deutsch-niederländischen Grenze, um ihre Einreise möglichst weit hinauszuzögern. Das bestätigte ein Reiseveranstalter der Nachrichtenagentur Reuters. Nach den Infektionen beim Spiel gegen Russland in Kopenhagen dürfte die Aktion dänischer Fans erneut für Kopfschütteln sorgen.

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Erste Hälfte: Abgesehen von einem Schuss von Gareth Bale (10.) ging kaum etwas nach vorn. Bis Mikkel Damsgaard, den sie in Dänemark aufgrund seiner wundersamen Bewegungen inzwischen »Damsinho« nennen, den Ball an der linken Strafraumkante der Waliser bekam, zwei Spieler auf sich zog und im perfekten Moment für Dolberg auflegte, der ins lange Eck schlenzte (27.). Den Erfolg des zweiten Teils der dänischen Koproduktion, abgeschlossen von Dolberg mit der Hacke, verhinderte der walisische Keeper Danny Ward, der sich mit Kasper Schmeichel auf der Gegenseite ein ungewöhnliches Torhüterduell bei einem großen Turnier lieferte, beide spielen nämlich für Leicester City.

Wieder ein Heimspiel: Dass Amsterdam nach den Gruppenspielen in Kopenhagen für die Dänen auch eher ein Heimspiel sein wird, war neben den vielen Sehrkurzurlaubern auch der Tatsache geschuldet, dass ein gewisser Christian Eriksen zwischen 2009 und 2013 für Ajax spielte und hier den Durchbruch schaffte. Deswegen waren in der Johan-Cruyff-Arena nicht nur dänische Trikots mit der Nummer zehn zu sehen, sondern auch Trikots von Ajax mit Eriksen auf dem Rücken. Nach seinem Herzstillstand befindet sich Eriksen auf dem Wege der Besserung, vor der Partie übergab der walisische Kapitän Bale ein Trikot mit Eriksens Namen und Nummer sowie der Aufschrift »Brysia Wella«, Walisisch für »gute Besserung«.

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Zweite Hälfte: Wales' Hoffnungen auf einen frühen Ausgleich hielten kaum drei Minuten: Nach einer Hereingabe von Braithwaite schlug der Waliser Neco Williams unglücklich zu Dolberg quer, der das tat, was Mittelstürmer nun einmal tun, wenn sie gut sind (48.). In der Folge wechselte Dänemark durch, Trainer Kasper Hjulmand nahm mit Damsgaard, Thomas Delaney (beide 60.), Dolberg (69.) und Kapitän Simon Kjaer (77.) gleich vier zentrale Spieler heraus. Wales nutzte das aber nicht als Chance, sondern fiel in sich zusammen: Zwischen dem 3:0 durch Mæhle (89.) und Braithwaite (90.) kassierte Harry Wilson für ein grobes Foulspiel die Rote Karte. Eine harte Entscheidung des deutschen Schiedsrichters Daniel Siebert.

Einwürfe sind Chefsache: Es war bezeichnend, dass der walisische Superstar Bale in der 63. Minute auch noch zum Einwurf trabte. Der 31 Jahre alte Ausnahmespieler ist so viel besser als seine Mitspieler, dass ihm im Spiel der Waliser nahezu alles zugemutet wird – selbst Einwürfe. Dabei dürfte er neben Kieffer Moore einer der besten Abnehmer ebendieser sein. Bales Teamdienlichkeit ging zulasten der allgemeinen Torgefahr. Nach der Partie auf seine Zukunft im Trikot der walisischen Nationalmannschaft gefragt, ging Bale einfach weg und würdigte den Fragesteller keines Blickes mehr. Womöglich war es sein letztes Länderspiel,

Der Ausblick: Dänemark darf weiter vom Titel träumen. Das liegt auch an der Breite des Kaders, der ohne größeren Leistungsabfall die Ausfälle von Poulsen und Daniel Wass kompensierte. Auch nach den Auswechslungen in der Zentrale blieben die Dänen spielbestimmend. Niederlande/Tschechien und Deutschland/England – darüber führt der Weg ins Finale. Es gibt schwierigere Turnierbäume.