Fußball in Nordamerika MLS will durchstarten
Was waren sie aufgeregt. Die Berichterstattung über die Major League Soccer (MLS) 2007 prägte der Name David Beckham und die mit seinem Wechsel von Real Madrid zur LA Galaxy verbundenen Hoffnungen auf einen Aufschwung im Fußball Nordamerikas.
Galaxy-Profi Beckham (r.): Vorzeigespieler der Liga
Foto: APFast jeder in den USA verfasste Artikel zu diesem Thema wirft die Analogie zu Pelé und dessen Zeit bei Cosmos New York Mitte der siebziger Jahre auf. Der Brasilianer verhalf der damaligen North American Soccer League (NASL) zu kurzzeitigem Weltruhm. Nach seinem Abschied aus den USA schwand das Fußballinteresse der Amerikaner und die Liga ging bankrott.
Der Vergleich hinkt jedoch. "Als Pelé nach Amerika kam, war Fußball ein totales Exotikum, heute ist er das, eben dank Pelé, nicht mehr", sagt Andrei Markovits, Professor an der University of Michigan und Autor mehrerer Bücher über den US-Fußball.
Auch Don Garber, Commissioner der MLS, sieht den Rundledersport heute auf einem anderen Niveau. "Dem Fußball geht es hier gut. Beckham wird einfach dabei helfen, dass es ihm noch ein bisschen besser geht", so Garber kurz nach der Verpflichtung des Fußball-Popstars.
Beim Blick auf die bisherigen Betriebsergebnisse der MLS-Clubs wird klar, dass der MLS-Chef mit seinen Aussagen nicht die finanzielle Lage der Teams gemeint haben kann. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die 1993 gegründete und seit 1996 spielende Liga bislang eher als Fiasko zu werten.
Zwar veröffentlichen weder die Liga noch die Clubs offizielle Wirtschaftszahlen. Glaubt man aber der amerikanischen Fachpresse, hat die MLS in ihren ersten elf Spielzeiten zwischen 1996 und 2006 einen Verlust von insgesamt rund 350 Millionen Dollar (250 Millionen Euro) angehäuft.
Lediglich zwei Clubs, LA Galaxy und dem FC Dallas, ist es in dieser Zeit überhaupt gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben. Der Club aus Kalifornien wirtschaftet seit 2003 profitabel, Dallas gelingt dies seit 2006. Dass die MLS angesichts dieser wirtschaftlichen Bilanz überhaupt noch existiert, hat sie wohl in erster Linie Phil Anschutz und Lamar Hunt zu verdanken.
Mit ihren Unternehmen Anschutz Entertainment Group (AEG) und Hunt Sports Group (HSG) waren sie bis vor einigen Jahren bei neun von damals zehn MLS-Clubs als sogenannte "Investor-Operator" aktiv und trugen die Verluste der Liga damit fast im Alleingang. "Investor-Operator" sind die entscheidenden Akteure für die finanzielle Ausstattung der MLS.
Durch den Erwerb einer MLS-Franchise erhalten die Investoren das Recht, ein MLS-Team in einem bestimmten Gebiet ("Home Territory") betreiben und vermarkten zu dürfen. Im Unterschied zu den anderen großen nordamerikanischen Major-Leagues im Profisport (NFL, MLB, NBA und NHL), können Firmen wie AEG in der MLS nicht Eigentümer, sondern lediglich Betreiber eines Teams werden. Eigentümerin der Mannschaften bleibt immer die MLS selbst, die sogar die Arbeitsverträge mit den Spielern aushandelt und die Spielergehälter auszahlt.
Die Tatsache, dass AEG und HSG aktuell nur noch vier Clubs betreiben und im Gegenzug neue Investoren dazu gewonnen werden konnten, darf indes als Indiz für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in der MLS gewertet werden. Und in der Tat war das Beckham-Jahr 2007 ein Jahr des Umschwungs für die MLS.
Sieben der aktuell 14 MLS-Clubs spielen mittlerweile in schmucken Fußballstadien mit einem adäquaten Fassungsvermögen von 18.000 bis 27.000 Zuschauern anstatt wie zuvor in riesigen, unwirtschaftlichen American-Football-Arenen. Ein Trend, der sich zu lohnen scheint. Nach Aussage von MLS-Chef Garber haben im vergangenen Jahr fünf von 13 MLS-Clubs profitabel gewirtschaftet. Allesamt Clubs mit sogenannten "Soccer specific Stadiums".
Um international renommierte, gut zu vermarktende Spieler zu ködern, hat die Liga eine weitere Reform umgesetzt. Die "designated player rule" erlaubt es jedem Team, bis zu zwei Akteure im Kader zu haben, die jenseits der Gehaltsobergrenze ("Salary Cap") von insgesamt etwa 2,4 Millionen Dollar pro Team liegen. Die als "Beckham Rule" betitelte Sondergenehmigung erlaubt es dem englischen Kicker, mit 6,5 Millionen Euro etwa das Grundgehalt drei kompletter MLS-Teams zu verdienen.
Weitere positive Anzeichen, wie etwa der erstmalige Bezug von Fernseheinnahmen durch den Ligaverband im Jahr 2007, lassen hoffen, dass die MLS in den kommenden Jahren sowohl sportlich als auch wirtschaftlich endgültig in die Gewinnzone rutschen wird.
Garber hat sich für die kommenden Jahre ehrgeizige Wachstums- und Gewinnziele gesetzt. Der MLS-Boss will die Liga bis 2010 von derzeit 14 Teams auf 16 und bis 2012 sogar auf 18 aufstocken. Die Teams für die erste Expansion stehen schon fest: Es ist eines aus Seattle (die Sounders, 2009) und eines aus dem Großraum Philadelphia (Name noch unbekannt, 2010).
Bis 2010 will Garber auch einen Gesamtprofit der Liga vermelden können. Angesichts der gewinnbringenden Effekte des MLS-Reformkurses in der jüngsten Vergangenheit erscheint ein Erreichen dieses Zieles durchaus realistisch.