Hoffenheim: Co-Trainer wird Nachfolger von Rangnick - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hoffenheim Co-Trainer wird Nachfolger von Rangnick

Jetzt ist es offiziell: Ralf Rangnick ist nicht mehr Trainer in Hoffenheim. Der Bundesligist gab die Trennung bekannt. Der Wechsel von Luiz Gustavo zu den Bayern hatte für Ärger zwischen Mäzen Dietmar Hopp und dem Coach gesorgt. Nachfolger wird der bisherige Assistent Marco Pezzaiuoli.
Trainer Pezzaiuoli: Nachfolger von Ralf Rangnick bei 1899 Hoffenheim
Trainer Pezzaiuoli: Nachfolger von Ralf Rangnick bei 1899 Hoffenheim

Trainer Pezzaiuoli: Nachfolger von Ralf Rangnick bei 1899 Hoffenheim

Foto: Jan Huebner/ Bongarts/Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Ralf Rangnick und 1899 Hoffenheim gehen getrennte Wege. Der 52-Jährige und der Club gaben am Sonntag das Ende der viereinhalbjährigen Zusammenarbeit "in beiderseitigem Einvernehmen" bekannt. Nach intensiven Gesprächen seien beide Seiten zu der Überzeugung gekommen, "dass die Vorstellung des Cheftrainers und der Vereinsführung über die künftige sportliche und wirtschaftliche Entwicklung von 1899 auseinandergehen". Mit Rangnick geht auch Co-Trainer Peter Zeidler. Nachfolger ist Marco Pezzaiuoli, der bisher ebenfalls als Assistenzcoach fungierte. Der 42-Jährige erhält einen Vertrag über dreieinhalb Jahre bis 2014.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir nicht in gefährliches Fahrwasser kommen werden", hatte 1899-Mäzen Dietmar Hopp bereits vor der Pressekonferenz des Clubs der Internetausgabe des "Mannheimer Morgen" gesagt.

Pezzaiuoli war zum 1. Juli 2010 als Co-Trainer zu Hoffenheim gewechselt. Seine Karriere als Coach hatte Anfang der neunziger Jahre im Nachwuchsbereich des Karlsruher SC begonnen, wo er mit dem heutigen Bundestrainer Joachim Löw zusammenarbeitete. Später wechselte Pezzaiuoli zum DFB, wo er diverse U-Nationalmannschaften betreute, unter anderem die U-17-Auswahl, mit der er im Mai 2009 gegen die Niederlande die Europameisterschaft gewann. Anschließend trainierte er den Jahrgang in der U18 weiter, ehe er im Sommer zu 1899 wechselte, wo er nun hauptverantwortlich arbeitet.

Immer wieder Dissonanzen zwischen Rangnick und Hopp

Rangnick hatte zuvor Konsequenzen aus dem sofortigen Wechsel von Mittelfeldspieler Luiz Gustavo zum FC Bayern München gezogen und wird den Tabellenachten bereits beim Hallenturnier in Mannheim am Sonntag nicht mehr betreuen. Am Montag brechen die Hoffenheimer ins Trainingslager nach La Manga in Spanien auf.

Am Neujahrstag war zuvor der Wechsel von Luiz Gustavo zum deutschen Rekordmeister in der Winterpause bekannt geworden, gegen den sich Rangnick in den vergangenen Tagen vehement gestemmt hatte. Der ehrgeizige Coach konnte sich am Ende aber nicht gegen die Pläne von Mäzen Dietmar Hopp und Manager Ernst Tanner durchsetzen und zog deshalb die Konsequenzen.

Schon in der Vergangenheit hatte es immer wieder Dissonanzen zwischen Rangnick und Hopp gegeben. Während der Trainer mit seiner Mannschaft den Einzug ins internationale Geschäft anstrebte, wollte Hopp den Club als Ausbildungsverein etablieren und mit dem Verkauf von Leistungsträgern eine teilweise Refinanzierung seiner großzügigen Finanzspritzen gewährleisten. Im Sommer war deshalb bereits Gustavos Landsmann Carlos Eduardo für einen zweistelligen Millionenbetrag nach Russland transferiert worden.

"Ich wusste von nichts"

Die Situation verschärfte sich vor Weihnachten, als Mäzen Hopp und Manager Tanner ohne Rangnicks Wissen mit den Bayern über einen Transfer von Luiz Gustavo nach München verhandelt hatten. Rangnick beklagte sich darüber, dass er über die Verhandlungen nicht informiert worden sei. "Ich wusste von nichts", sagte Rangnick. Hopp hatte den Wechsel des Brasilianers für den Sommer 2011 bereits als perfekt gemeldet.

Gustavo war 2007 als großes Talent vom brasilianischen Zweitligisten Corinthians Alagoano nach Hoffenheim gewechselt und hatte sich dort zum Leistungsträger entwickelt. Bei den Bayern soll der 23- Jährige einen Vertrag über viereinhalb Jahre bis Sommer 2015 erhalten. Die Ablösesumme soll bei rund 15 Millionen Euro liegen. Im Gegenzug wird nach Informationen der "Sport Bild" David Alaba vom FC Bayern München bis zum Saisonende an Hoffenheim ausgeliehen.

Daraufhin entschloss sich Rangnick für die Trennung und das Ende eines überaus erfolgreichen Projektes: Rangnick hatte die TSG im Juni 2006 übernommen und von der damals drittklassigen Regionalliga bis in die Bundesliga geführt. Dort hat sich die TSG in ihrer dritten Saison etabliert. Der Club steht in dieser Saison zudem im Pokal-Viertelfinale und gastiert am 26. Januar beim Zweitligisten Energie Cottbus.

Rangnick ist der vierte Bundesliga-Trainer, der in dieser Saison vorzeitig geht. Vor Rangnick wurde in Köln Zvonimir Soldo durch Frank Schaefer ersetzt. Christian Gross gab in Stuttgart den Platz an Jens Keller ab, der wiederum Bruno Labbadia weichen musste.

luk/jar/dpa/sid