Hendrik Wüst in der Türkei Auf diese Medaille musste İlkay Gündoğan über ein Jahr warten
İlkay Gündoğan erhält die Mevlüde-Genç-Medaille von Hendrik Wüst
Foto: Rolf Vennenbernd / dpaFußballer İlkay Gündoğan, 35, hat in seinem Leben viele Medaillen erhalten. Er war unter anderem Champions-League-Sieger, Deutscher Meister und Englischer Supercupsieger. Als erster Fußballer mit Migrationshintergrund wurde der gebürtige Gelsenkirchener 2023 Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft, und natürlich war er auch SPIEGEL-Kolumnist.
Seinen fußballerischen Erfolg nutzte der ehemalige Nationalspieler auch immer wieder, um für ein respektvolles Miteinander einzutreten. Dafür entschied das Land Nordrhein-Westfalen bereits 2025, ihn mit der Mevlüde-Genç-Medaille zu ehren. »Für seine besonderen Verdienste rund um den gesellschaftlichen Zusammenhalt«, teilte die Landesregierung damals mit.
Als Preisträger steht Gündoğan in einer Reihe mit der Holocaustüberlebenden Margot Friedländer, die im Jahr 2024 die Medaille erhalten hatte. Doch zu einer Verleihung des Engagementpreises kam es nie. Denn um der langen Liste seiner Preise auch einen türkischen Meistertitel hinzuzufügen, wechselte Gündoğan in die Türkei.
Mehr als ein Jahr später unternahm nun Ministerpräsident Hendrik Wüst, 51, eine Reise in die Türkei und fand an deren Rande eine Gelegenheit, die Preisverleihung nachzuholen.
Bei der Zeremonie in der Sommerresidenz des deutschen Botschafters in der Türkei sagte Wüst: »Sie haben sich gegen Anfeindungen und Diskriminierung zur Wehr gesetzt, und Sie haben andere davor in Schutz genommen. Dafür zollen wir Ihnen einen großen Respekt.« Gündoğan habe seine Popularität genutzt, »um Zeichen gegen Ausgrenzung, Hass, Rassismus zu setzen.«
Erinnerung an Brandanschlag in Solingen
Die Mevlüde-Genç-Medaille erinnert an die Nacht des Brandanschlags vom 29. Mai 1993 in Solingen. Vier Jugendliche warfen Brandsätze in das Haus der Familie Genç. Mevlüde und Durmuş Genç verloren zwei Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte, 17 Familienmitglieder wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Seit 2018 wird die Auszeichnung an Menschen vergeben, die sich für Verständigung und Toleranz einsetzen.