Interview mit David Odonkor: "Ich werde mich durchsetzen" - DER SPIEGEL
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Interview mit David Odonkor "Ich werde mich durchsetzen"

Während der WM war David Odonkor in Hochform. Bei seinem Club Borussia Dortmund läuft es hingegen nicht so gut. Im PLAYER-Interview spricht der Angreifer über emotionale Höhepunkte, Rückschläge und die Bedeutung seiner Mutter für die Karriere als Fußballprofi.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage: Herr Odonkor, waren Sie von Anfang an so ein schneller Bursche?

Odonkor: Ja, von klein auf. Ich bin als Kind gern schnell Fahrrad gefahren, heute mache ich schnell die Wäsche. Ich bin so einer, der eigentlich alles gern schnell macht. Ich will einfach keine Zeit verschwenden. Ich kann auch nicht lange schlafen, spätestens um neun muss ich raus.

Frage: Das Einzige, was für Sie wahrscheinlich zu schnell vorbeiging, war die WM.

Odonkor: Ja, klar. Wir hatten zwei Monate lang eine schöne WM, aber die will ich jetzt so schnell wie möglich abhaken. Ich bin froh, dass die Bundesliga wieder läuft. Ich habe mir einiges vorgenommen.

Frage: Ihre Nominierung war für alle die größte Überraschung, zumal Sie zum Ende der vergangenen Saison auch ein paar schwächere Spiele hatten. Hat Sie vor Ihrer Nominierung eigentlich jemand vorgewarnt?

Odonkor: Nein, niemand. Ich war sehr überrascht, als ich den Anruf bekam. Mein Handy lag in der Küche, gegen 8.45 Uhr hat es geklingelt. Dieter Eilts war dran, der meinte: "Guten Morgen, David, ich wollte dir nur sagen, dass du bei der U21-Europameisterschaft nicht dabei bist." Ich war enttäuscht und habe gefragt, warum, und da meinte er: "Weil du bei der WM dabei bist." Da war ich sprachlos. Meinen Dubai-Urlaub habe ich sofort storniert.

Frage: Welche Erwartungen hatten Sie am Anfang der WM?

Odonkor: Ich habe nicht daran gedacht, ob ich spiele. Ich wollte einfach gut trainieren, das ist mir gelungen.

Frage: Haben Sie in Ihrer Karriere je einen größeren Moment erlebt als den in Dortmund nach dem 1:0 gegen Polen? Sie hatten dem Torschützen Oliver Neuville ja den Ball aufgelegt.

Odonkor: Nein, dieses Spiel und das Viertelfinale gegen Argentinien in Berlin, das waren die besten Gefühle, die ich bis jetzt hatte.

Frage: Was hat Jürgen Klinsmann vor Ihrer Einwechslung gegen Polen zu Ihnen gesagt?

Odonkor: Er hat gesagt, dass ich Spaß haben und mein Spiel machen soll. Es war toll, wie er mit mir umgegangen ist. Er hat uns jungen Spielern viel Selbstvertrauen gegeben.

Frage: Das Tattoo auf Ihrem Unterarm besagt: "Ich glaube an Gott und die Familie". An der Leiste haben Sie sich den Namen Ihrer Mutter stechen lassen. Was bedeutet Ihnen die Familie?

Odonkor: Wenn man keine Familie hat, ist man einsam, nicht mehr glücklich. Man braucht eine Familie, der man alles erzählen kann.

Frage: Ihr Vater stammt aus Ghana und ist in seine Heimat zurückgegangen, als Sie fünf Jahre alt waren. Haben Sie Kontakt zu ihm?

Odonkor: Nein.

Frage: Wie wichtig ist Ihre Mutter für Sie?

Odonkor: Ohne meine Mutter wäre ich nicht Fußballprofi geworden. Sie hat so viel für mich getan, in der Schule und später, als ich mit dem Fußballspielen angefangen habe. Aber nicht nur für mich. Ich habe drei Geschwister, zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester, und die hat sie alle mit viel Liebe großgezogen.

Frage: Bei Borussia Dortmund geht es sicherlich weniger familiär zu. Ihr Trainer Bert van Marwijk kritisiert Sie und sagt, Sie seien zu unkonzentriert.

Odonkor: Wenn mein Trainer das sagt, ist das okay, aber ich denke anders.

Frage: Manchmal wirkt Ihr Spiel noch etwas hastig.

Odonkor: Ich habe viel dazu gelernt in den vergangenen Jahren. Ich habe meine Flanken, mein Passspiel und die Spielübersicht verbessert. Mein Spiel ist es nun mal, schnell über die Flügel zu kommen. Wenn man mit Risiko spielt, geht auch mal was daneben. Aber wenn ich jetzt anfange nachzudenken, ob ich den Ball lieber zurück oder Hacke, Spitze, eins, zwei, drei spiele, beraube ich mich doch meiner größten Stärke.

Frage: Sie kamen als eine der großen WM-Überraschungen zurück nach Dortmund und müssen sich dennoch dort wieder in die Mannschaft kämpfen. Wie empfinden Sie Ihre Situation?

Odonkor: Ich habe eine gute WM gespielt und will jetzt natürlich spielen. Ich möchte aber nicht so viel darüber reden, sondern Gas geben.

Frage: Fällt es Ihnen schwer, dafür die nötige Ruhe aufzubringen?

Odonkor: Ich muss mich einfach gedulden. Ich darf nicht ausrasten, sonst mache ich mir ja alles kaputt. Wenn man aus der eigenen Jugend kommt, hat man es in jedem Verein automatisch ein bisschen schwerer als diejenigen, die von außen geholt werden. Aber ich werde mich auf jeden Fall durchsetzen. Man darf einfach nicht jammern, wenn es mal nicht so gut läuft, dann zieht man sich nur weiter runter, dann gelingt gar nichts mehr. Man muss positiv an sein Leben rangehen, dann klappt das schon.

Die Fragen stellten Kai Schächtele und Oliver Wurm