Fußball-Nationalmannschaft: Mission 30 Punkte
Makellose DFB-Bilanz Fußball verrückt
Zehn Spiele, zehn Siege - mit dem Erfolg gegen Belgien vollendete die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine makellose EM-Qualifikation. Auch die Art und Weise des DFB-Durchmarsches ist beeindruckend: 3,4 Tore schoss das Team im Schnitt, viele traumhaft herausgespielt.
Zweimal gelangen gleich sechs Treffer, beim 6:1 gegen Aserbaidschan am zweiten Spieltag sowie Anfang September 2011 in Gelsenkirchen gegen Österreich (6:2). Dabei hatte Joachim Löw noch nach dem mühsamen Auftaktsieg gegen Belgien (1:0) am 3. September 2010 gesagt: "Die Mannschaft braucht ein bisschen, um in Schwung zu kommen."
Wie das im Idealfall aussieht, mussten die Aserbaidschaner beim DFB-Kantersieg miterleben. Löw sprach von einer Dauerbelagerung des gegnerischen Strafraums "wie beim Handball". Bester Kreisläufer war demnach Miroslav Klose, der nach dem Tor gegen Belgien bereits seine Treffer zwei und drei erzielte. Am Ende belegte Klose mit neun Toren Rang zwei in der Rangliste hinter dem Niederländer und Schalke-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar, der insgesamt zwölf Mal traf.
Auf das Handball- folgte ein "Fast-Auswärtsspiel" in Berlin gegen die Türkei (3:0). Wieder traf Klose doppelt, doch im Mittelpunkt stand Mesut Özil. Der Sohn türkischer Einwanderer hatte sich für eine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft entschieden und gegen den türkischen Verband, in Berlin wurde er von den türkischen Anhängern durchgehend ausgepfiffen. Özil blieb unbeeindruckt, schoss erst ein Tor und landete einen Tag später vor allem deshalb auf den Titelseiten vieler Zeitungen, weil er Kabinengast Angela Merkel leicht bekleidet die Hand schüttelte.
"Geil! Fußball ist verrückt"
Das Pflichtspieljahr 2011 begann im März so, wie es 2010 im Oktober geendet hatte: mit einem Sieg gegen Kasachstan. 3:0 in Astana, 4:0 in Kaiserslautern lauteten die klaren Ergebnisse. Löw freute sich nach dem Hinspiel über den Abschluss eines "sensationellen Jahres", das in dem dritten Platz bei der WM in Südafrika seinen Höhepunkt hatte.
Nicht an die Weltmeisterschaft, wohl aber an die Europameisterschaft 2008 dürfte sich Mario Gomez am 3. Juni erinnert gefühlt haben. Im Wiener Ernst-Happel-Stadion sollte der Angreifer nicht nur Tore schießen, sondern sogar ein "Trauma" besiegen, wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb. Denn drei Jahre zuvor, im EM-Vorrundenspiel gegen Gastgeber Österreich hatte der heute 26-Jährige eine Riesenchance unglücklich vergeben und seitdem einen schweren Stand bei vielen deutschen Fans. In letzter Sekunde rettete Gomez, der zuvor schon zur Führung getroffen hatte, bei der Neu-Auflage seiner Mannschaft dieses Mal den 2:1-Sieg und freute sich über seinen entscheidenden Treffer: "Als der Ball in der Luft war, dachte ich schon: Geil! Fußball ist verrückt."
Schon vor der folgenden Partie in Aserbaidschan hatte Löw gesagt: "Die Spieler sind mit ihren Kräften am Ende". 3:1 hieß es am Ende in Baku, das Team habe "läuferisch und kämpferisch noch einmal alles abgerufen", so Löw, und verabschiedete sich in die Sommerpause.
Das nächste Ziel heißt: Europameister 2012
Frisch erholt wurde eine chancenlose österreichische Mannschaft in Gelsenkirchen beim 6:2 vorgeführt. Damit war die vorzeitige Qualifikation geschafft und spätestens nach der Partie klar: Das Ziel 2012 ist einzig und allein der Titelgewinn. "Heute hat die Mannschaft gezeigt, zu was sie in der Lage ist", sagte Kapitän Philipp Lahm damals. Und der Bundestrainer konnte auch nicht viel mehr sagen als: "Wir haben Großartiges geleistet."
Beim Rückspiel in der Türkei fehlte ausgerechnet Özil, der mit einer Achillessehnen-Reizung auf der Tribüne Platz nahm. Aber weil Manuel Neuer im Tor wie schon in den acht Partien davor überragend hielt und zudem noch als zweifacher Torvorbereiter in Erscheinung trat, feierte die Mannschaft auch ohne den Spiellenker von Real Madrid einen 3:1-Sieg.
Mit dem gleichen Ergebnis besiegte das Team dann am Dienstagabend Belgien in Düsseldorf, eine lupenreine Qualifikation war perfekt. "Wir haben alle Spiele gewonnen, und ich bin stolz auf die Mannschaft. Unser Ziel muss sein, den Titel nach Deutschland zu holen, es ist einfach an der Zeit, dass Deutschland Europameister wird", gab Özil das nächste große Ziel vor. Beim Turnier in Polen und der Ukraine würden schon sechs Siege in Serie zum Titel reichen.