Vinícius Jùnior: Natürlich nervt er – aber meckern kann wirklich jeder - DER SPIEGEL
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Rishi Hölscher

Brasilianischer Superstar Wer den Fußball liebt, muss Vinícius aushalten

Rishi Hölscher
Eine Kolumne von Rishi Hölscher
Kaum ein Fußballer ist so anstrengend wie Vinícius Júnior von Real Madrid, ebenso sehr nerven die Klagen über ihn. Bayern-Trainer Vincent Kompany zeigt, wie man damit umgehen sollte.
• aus DER SPIEGEL 16/2026
Vinícius Júnior im Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern: Polarisierender Superstar
Vinícius Júnior im Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern: Polarisierender Superstar

Vinícius Júnior im Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern: Polarisierender Superstar

Foto:

Bernat Armangue / AP

Manche Fußballer sind wie die Deutsche Bahn: Großartig, wenn sie liefern, umstritten, sobald sie enttäuschen. Etwa Vinícius Júnior. Flügelstürmer von Real Madrid, Weltklasse. 60 Millionen Instagram-Follower. Viel mehr geht nicht.

Wie beim ICE, der ja oft ein effizientes Verkehrsmittel ist, geht es beim Brasilianer aber meist nur um die Defizite. Ständig reklamiert Vinícius, geht bei jeder Berührung theatralisch zu Boden, ist bei jeder Rudelbildung dabei. Seine Tore feiert er oft vor der gegnerischen Fankurve.

Natürlich nervt das. Aber mittlerweile ist nicht mehr ganz klar, was nerviger ist: Vinís Macken – oder die Empörung darüber.

»Haltungsnote«

In der »Haltungsnote« würdigen oder kritisieren wir jede Woche besondere Auftritte in der Sportwelt.

Besonders schlimm war das vor dem Champions-League-Viertelfinalhinspiel zwischen Real Madrid und Bayern München, als Christoph Kramer und Mats Hummels, tugendhafte Weltmeister von 2014, überlegten, wie man Vinícius zu einer Gelbsperre für das Rückspiel provozieren könne. Noch bevor der irgendwas falsch gemacht hatte.

Kompany zeigt Ambiguitätstoleranz

Bei dieser kollektiven Fixierung erfrischt es, wenn ihm auch mal jemand beisteht. So wie Vincent Kompany.

»Ich finde, Viní muss bleiben, wie er ist«, lobte der Bayern-Coach nach dem Auswärtssieg. Man brauche »manchmal solche Spieler, die anders sind. Wir haben das auch, und wir genießen die Erfolge dieser Spieler«. Bei den Bayern sei das früher zum Beispiel Franck Ribéry gewesen.

Kompany hat erkannt, dass provokante Ausnahmekönner wie Vinícius den Fußball gleichzeitig ab- und aufwerten. Deutschen Fußballfans – und Zugreisenden – fehlt häufig diese Ambiguitätstoleranz. Sie stürzen sich auf die Defizite, weil das im Affekt des Ärgers nun mal einfacher ist.

Kompany hingegen zeigt mit seiner Anerkennung für Vinícius Größe. Meckern kann wirklich jeder.

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