WM 2018 - Argentinien vs. Frankreich: Messi Ciao - DER SPIEGEL
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Argentinien nach dem WM-Aus Messi Ciao

Lionel Messi ist mit Argentinien gescheitert. Mal wieder. Ein erneuter Rücktritt aus der Nationalmannschaft gilt als wahrscheinlich. Oder nutzt der Superstar noch eine letzte Chance?
Lionel Messi
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Lionel Messi

Foto: BENJAMIN CREMEL/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lionel Messi stand nach dem Abpfiff in der Nähe des Mittelkreises. Minutenlang. Ab und zu kam ein Mitspieler vorbei, nahm den womöglich besten Fußballer seiner Generation in den Arm, versuchte zu trösten. Aber dann stand Messi wieder allein, die Arme in die Hüften gestemmt. So wie man ihn immer wieder auch während Spielen - egal, ob in Barcelona oder in der argentinischen Nationalmannschaft - beobachten kann. Teilnahmslos, in sich gekehrt, beobachtend und dadurch oft auch bekümmert wirkend.

In den Spielen folgt häufig wenige Sekunden nach einer solchen Teilnahmslosigkeit eine Explosion, ein Antritt mit Ball, der die scheinbare Traurigkeit aus Messi heraus sprinten lässt.

Doch in diesem Augenblick gab es keine Möglichkeit zur Korrektur.

Das Spiel war aus, Argentinien hat das WM-Achtelfinale gegen Frankreich 3:4 verloren. So blieb Messi stehen, die siegreiche Mannschaft war schon längst in der Kabine. Irgendjemand gab dann das Signal, sich bei der tollen Kulisse an diesem sommerlichen Nachmittag in Kasan zu bedanken. Messi klatschte zweimal und schritt ebenfalls in die Katakomben.

Ob er jemals im argentinischen Trikot zurückkehren wird, steht noch nicht fest. Messi ist während dieser Weltmeisterschaft in Russland 31 Jahre alt geworden, bei der nächsten Endrunde in Katar wird er viereinhalb Jahre älter sein. Es ist schwer vorstellbar, dass der fünffache Weltfußballer dann noch in der Verfassung ist, ein Spiel mit seinen Fähigkeiten zu prägen. Eine Chance auf einen Titel im Trikot der Albiceleste gäbe es dennoch, im kommenden Jahr findet die Copa América in Brasilien statt. Dort, im Land des Erzfeinds, zu gewinnen, könnte Messis bislang unvollendeter Karriere in der Nationalmannschaft einen würdigen Abschluss bereiten.

Tritt Messi zum zweiten Mal zurück?

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Argentinien in der Einzelkritik: Ein Messi reichte nicht

Foto: ROMAN KRUCHININ/ AFP

Doch der Glaube an einen Rücktritt ist in Argentinien deutlich größer. Messi hat im Nationalteam schon einmal Schluss gemacht. 2016 hatte er das dritte Finale in Folge mit der Albiceleste verloren, einmal gegen Deutschland bei der WM in Brasilien und danach bei zwei Copa-Auflagen gegen Chile im Elfmeterschießen. Damals dauerte es nicht lange, ehe Messi seinen Rücktritt kundtat, das könnte nun ähnlich schnell gehen.

Argentiniens Rekordspieler Javier Mascherano ist bereits zurückgetreten, und die Zukunft von Trainer Jorge Sampaoli ist ungewiss. Es passte zum angespannten Verhältnis zwischen Sampaoli und argentinischen Medien, dass die erste Frage in der Pressekonferenz seinem möglichen Rücktritt galt. Sampaoli blieb erstaunlich ruhig: "Ich bin traurig, ich bin frustriert, aber ich werde heute sicher nicht entscheiden, wie es in der Zukunft weitergehen wird."

Es ist viel spekuliert worden während dieser Weltmeisterschaft. Es soll aus Spielerkreisen einen Aufstand gegen Sampaoli gegeben haben. Der Trainer stelle nur auf, wie es Messi vorgebe. Seine bevorzugte Taktik soll der 58-Jährige auch nicht durchbekommen haben - wegen Messi. Belastbare Aussagen gab es zu diesen Spekulationen nicht, man musste auf die Zwischentöne achten. "Wir haben den besten Spieler der Welt, aber wir brauchen das gesamte Team, um zu funktionieren", sagte Sampaoli. "Wir haben verschiedene Taktiken ausprobiert, um ihm die nötigen Situationen zu geben." Der Name Messi fiel nicht.

Ronaldo ist der bessere Teamplayer

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WM 2018: Die Sieben-Tore-Show

Foto: Lu Jinbo/ dpa

Seit Jahren ist die Fußballwelt bei der Bewertung ihrer größten Einzelkönner gespalten. Es gibt das Messi-Lager, das von seiner Eleganz, seinen technischen Fertigkeiten, seinem Torabschluss überzeugt ist. Und es gibt das Ronaldo-Lager. Der Portugiese wurde ebenfalls fünfmal zum Weltfußballer gewählt, besticht aber eher durch Athletik und die Gier, immer besser werden zu wollen. Beide eint ihre unfassbare Torquote - und die Tatsache, abseits des Platzes in steuerlichen Dingen alles andere als ein Vorbild gewesen zu sein.

Zur Messi-Ronaldo-Saga gehörte aber auch immer die Ansicht, der eine, Messi, sei ein absoluter Teamplayer und der andere, Ronaldo, denke nur an sich und den persönlichen Erfolg. Womöglich muss diese Legende neu geschrieben werden, denn Messi scheint in der Nationalmannschaft mit seiner Einmischung in Personal- und Taktikfragen den Erfolg der Mannschaft in Gefahr gebracht zu haben.

Die Niederlage gegen Frankreich war ein weiterer Beweis für die Probleme der argentinischen Abhängigkeit von Messi, die Portugal mit Ronaldo so nicht hat. Zwar führte Argentinien zwischenzeitlich 2:1 und schien auf dem Weg Richtung Viertelfinale, doch die konteranfällige Abwehr und das auf Messi zugeschnittene Offensivspiel machten es Frankreich leicht, eine fulminante Rückkehr mit drei Toren zu feiern.

Und so dürfte ein Lied der deutlich in Unterzahl jubelnden französischen Fans das Motto dieses Abends vorgeben. Die Anhänger der Équipe Tricolore sangen schon gestern in Kasan eine umgetextete Version von "Bella Ciao", einer Hymne italienischer Partisanen im Zweiten Weltkrieg:

Messi Ciao.

Frankreich - Argentinien 4:3 (1:1)
1:0 Griezmann (13., Foulelfmeter)
1:1 Di María (41.)
1:2 Mercado (48.)
2:2 Pavard (57.)
3:2 Mbappé (64.)
4:2 Mbappé (68.)
4:3 Agüero (90.+3)
Frankreich: Lloris - Hernández, Umtiti, Varane, Pavard - Pogba, Kanté - Matuidi (75. Tolisso), Griezmann (83. Fekir), Mbappé (89. Thauvin) - Giroud
Argentinien: Armani - Tagliafico, Rojo (46. Fazio), Otamendi, Mercado - Banega, Mascherano, Pérez (66. Agüero) - Di María, Messi, Pavón (75. Meza)
Zuschauer: 42.873
Schiedsrichter: Alireza Faghani (Iran)
Gelbe Karten: Matuidi, Giroud / Rojo, Tagliafico, Mascherano, Banega, Otamendi