Superstar vor Tennis-Halbfinale in Paris Novak Djokovic und der Fluch der Sommerspiele
Fließen in diesem Jahr wieder Tränen? Novak Djokovic nach seinem Erstrunden-Aus bei Olympia 2016
Foto:Anadolu / Getty Images
Novak Djokovic zählt zu den erfolgreichsten Athleten der Sportgeschichte:
24-facher Grand-Slam-Champion
98 Turniersiege insgesamt
Mehr als acht Jahre verbrachte er allein an der Spitze der Tennis-Weltrangliste
Im Laufe seiner Karriere erspielte er ein Preisgeld in Höhe von fast 120 Millionen Euro. Die Liste seiner Rekorde ist so lang, dass Wikipedia ihr eine ganze Seite widmet .
Doch wer glaubt, Djokovic hätte in seinem Sport alles erreicht, sieht sich getäuscht. Eine olympische Goldmedaille fehlt dem Serben auch 21 Jahre nach seinem ersten professionellen Tennismatch noch immer. Zum fünften Mal nimmt er in Paris nunmehr an Sommerspielen teil, und wieder einmal scheint ein Sieg möglich. Nach überzeugenden Auftritten gegen Matthew Ebden (Australien), Rafael Nadal (Spanien), Dominik Köpfer (Deutschland) und Stefanos Tsitsipas (Griechenland) steht der 37-Jährige zum vierten Mal in einem olympischen Halbfinale.
Noch vor seinem ersten Spiel bezeichnete Djokovic einen möglichen Erfolg bei Olympia als »einen meiner größten Träume«. Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie schwer sich der Ausnahmespieler bei Sommerspielen tut.
Bronze bei seinem Olympiadebüt: Novak Djokovic (r.) musste seinem ewigen Rivalen Rafael Nadal (M.) in Peking den Vortritt lassen
Foto: Elise Amendola / AP / picture allianceOlympia 2008 in Peking
Los ging die olympische Reise um den Globus in Peking. 2008 trat Djokovic erstmals als Mitfavorit auf die Goldmedaille an, wenige Monate zuvor hatte er seinen ersten von insgesamt zehn Titeln bei den Australian Open gewonnen. Zunächst lief alles nach Plan, auf dem Weg ins Halbfinale bezwang Djokovic unter anderem Deutschlands ehemaligen Top-10-Spieler Rainer Schüttler.
Doch Rafael Nadal erwies sich damals noch als zu stark. Immerhin: Im Spiel um Platz drei sicherte sich Djokovic gegen den US-Amerikaner James Blake (6:3, 7:6) seine bislang einzige olympische Medaille.
Bittere Niederlage im Halbfinale: Novak Djokovic verlor 2012 in London gegen Andy Murray
Foto: Andy Rain / EPA / dpa / picture allianceOlympia 2012 in London
Seinen zweiten Anlauf nahm Djokovic vier Jahre später in Wimbledon. Auch auf Rasen zählte der Serbe damals schon zu den besten Spielern der Welt. Doch Roger Federer und Andy Murray, die wenige Wochen zuvor das Wimbledon-Finale unter sich ausgemacht hatten, fühlten sich auf dem grünen Untergrund noch etwas wohler.
Und so scheiterte Djokovic im Halbfinale am späteren Olympiasieger Murray. Auch das Spiel um Bronze ging verloren. Djokovic musste sich weitere vier Jahre gedulden.
Scheitern an der Copacabana: Bei den Sommerspielen in Rio gab es für Djokovic eine unerwartete Erstrundenniederlage
Foto: NurPhoto / Getty ImagesOlympia 2016 in Rio de Janeiro
2016 reiste Djokovic als großer Goldfavorit nach Brasilien – mal wieder. Fünf der letzten sieben Grand-Slam-Turniere hatte er gewonnen, der damals 29-Jährige wähnte sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Doch der Sehnsuchtsort an der Copacabana ist bis heute mit einem dunklen Kapitel in seiner Laufbahn verbunden. Schon in der ersten Runde scheiterte Djokovic an Juan Martín del Potro, einem ehemaligen US-Open-Sieger, der immer wieder aufgrund von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Nach der Zweisatzniederlage verließ Djokovic unter Tränen den Platz.
Alexander Zverev (l.) gewann nach seinem Halbfinalsieg gegen Djokovic die Goldmedaille
Foto: Kyodo News / Getty ImagesOlympia 2021 in Tokio
Fünf Jahre später standen die Sommerspiele im Zeichen der Coronapandemie. Djokovic bot sich dabei eine einmalige Chance: Als amtierender Champion in Melbourne, Paris und London war der Weltranglistenerste auf dem Weg zum Golden Slam, dem Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere und der Goldmedaille innerhalb eines Kalenderjahres.
Doch wieder einmal sollten die Sommerspiele seine Träume zunichtemachen. Im Halbfinale führte Djokovic aussichtsreich gegen Alexander Zverev, um dann doch noch den sicher geglaubten Sieg aus der Hand zu geben. Im Spiel um Platz drei folgte die nächste Niederlage, Djokovic reiste enttäuscht aus Japan ab. Viele Experten und Expertinnen glaubten, dass dies seine letzte Chance gewesen sei.
Wird doch noch alles gut? In Paris präsentiert sich Djokovic plötzlich in Topform
Foto: Carl de Souza / AFPOlympia 2024 in Paris
Und tatsächlich sahen sie sich im Vorfeld der Olympischen Spiele in Paris bestätigt. 2024 verlief für Djokovic enttäuschend: kein Turniersieg, die Trennung vom langjährigen Erfolgscoach Goran Ivanišević, eine Knie-OP im Anschluss an die French Open und der Verlust der Weltranglistenführung.
In die französische Hauptstadt reiste der Superstar diesmal nicht als Topfavorit. Doch ausgerechnet zu Olympia präsentiert sich Djokovic wieder in Bestform. Gibt es doch noch ein olympisches Happy End?
Tatsächlich bereitet ihm nun eine alte Verletzung Sorgen. Nach dem Sieg gegen Tsitsipas sprach Djokovic über wiederkehrende Knieprobleme während des Spiels. Er sei nicht sicher, ob er zu seinem Halbfinale gegen Lorenzo Musetti am Abend (nicht vor 19 Uhr) antreten könne. Ein verletzungsbedingtes Aus bei Olympia? Das würde den Traum von einer Goldmedaille wohl endgültig begraben.