Walter Godefroot ist tot: Jan Ullrichs ehemaliger Teamchef mit 82 Jahren gestorben - DER SPIEGEL
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Ex-Teamchef von Jan Ullrich Walter Godefroot ist tot

Er führte das Team Telekom in die Weltspitze: Walter Godefroot verhalf Jan Ullrich 1997 zum Sieg bei der Tour de France. Von Doping wollte er nie etwas gewusst haben. Nun ist der Belgier mit 82 Jahren gestorben.
Telekom-Teamchef Walter Godefroot im Mannschaftswagen
Telekom-Teamchef Walter Godefroot im Mannschaftswagen

Telekom-Teamchef Walter Godefroot im Mannschaftswagen

Foto: Bürhaus / IMAGO

Er war ein erfolgreicher Radprofi, in Deutschland aber vor allem als Chef des Team Telekom um Jan Ullrich bekannt: Walter Godefroot ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Das berichten in Belgien übereinstimmend die Nachrichtenagentur Belga und mehrere Medien.

Godefroot hatte als Radprofi viele Erfolge gefeiert. Der Belgier führte anschließend das Team Telekom mit Ullrich und Erik Zabel an die Weltspitze und sorgte so für einen Radsportboom in Deutschland. Später kamen die Dopingpraktiken im Team Telekom ans Licht. Der ehemalige Telekom-Betreuer Jef D'hont, dessen Enthüllungen im SPIEGEL mehrere Doping-Geständnisse von Radprofis ausgelöst hatten, warf Godefroot vor, hinter dem System gesteckt zu haben. Godefroot bestritt, daran beteiligt gewesen zu sein.

Später erkrankte Godefroot an Parkinson, in den vergangenen Jahren zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Etappensieger bei der Tour de France

Vier Jahrzehnte bestimmte der Radsport Godefroots Leben. In den Sechziger- und Siebzigerjahren avancierte der dreifache Familienvater zum erfolgreichsten belgischen Radprofi nach Eddy Merckx. In seiner Heimat gewann er alle wichtigen Klassiker, triumphierte dazu bei Paris-Roubaix und gewann zehn Etappen bei der Tour de France.

Walter Godefroot bei der Tour de France 1970

Walter Godefroot bei der Tour de France 1970

Foto: dpa

Druck auf Godefroot

Als Godefroot 1992 mit der Führung des Teams Telekom beauftragt wurde, leistete er Pionierarbeit. Innerhalb weniger Jahre baute er quasi aus dem Nichts ein Weltklasseteam auf, in dem Ullrich, Zabel und Co. reihenweise Erfolge feierten.

14 Jahre stand Godefroot an der Spitze des Teams Telekom und feierte zwei Tour-Gesamtsiege mit Bjarne Riis (1996) und Ullrich (1997) sowie zahlreiche Klassiker- und Etappenerfolge bei großen Rundfahrten. »Mit Jan und Bjarne war es super. Aber die Probleme waren die enorme Erwartungshaltung, der große Druck der Öffentlichkeit«, sagte Godefroot einst rückblickend. Vor allem mit dem großen Hype um Ullrich tat sich der distanzierte Chef schwer.

René Obermann, Jan Ullrich und Walter Godefroot bei einer Pressekonferenz 2003

René Obermann, Jan Ullrich und Walter Godefroot bei einer Pressekonferenz 2003

Foto: Photo News / IMAGO

Godefroot bestritt Dopingbeteiligung

2007 veröffentlichte der SPIEGEL Doping-Enthüllungen rund um das Telekom-Team . Godefroot hatte sich damals bereits aus der ersten Reihe verabschiedet. Von all den Machenschaften wollte er nichts gewusst haben. »Ich habe Doping in unserem Radsport-Team weder organisiert noch finanziert«, sagte er. Er habe etwas geahnt, aber nichts gewusst: »Dass ich nicht wusste, was lief, bedeutet nicht, dass ich blind war für das, was sich Mitte der Neunzigerjahre in die Mitte des Pelotons eingeschlichen hatte. Rennfahrer gingen auf unerklärliche Weise über ihre Möglichkeiten hinaus«, so Godefroot, der damals »einen Virus, der Epo hieß« diagnostizierte. »Wer war befallen? Das war auch eine offene Frage für mich«, behauptete er.

Der ehemalige Telekom-Betreuer Jef D'hont hatte indes behauptet, bei den Fahrern das Geld für die Dopingmittel eingesammelt und dann Godefroot gegeben zu haben. Der frühere Mannschafts-Kapitän Bjarne Riis sagte, Godefroot hätte von den Praktiken wissen müssen, wenn er nicht »auf einem Auge blind« gewesen sei.

Jef D'hont sprach 2007 mit dem SPIEGEL über 40 Jahre Doping im Radsport, Jan Ullrichs Auftritt bei der Tour de France 1996 und die Unterstützung des Teams Telekom durch Ärzte der Freiburger Universitätsklinik. Das ganze Gespräch von damals lesen Sie hier. 

Bjarne Riis und Walter Godefroot im Jahr 1996

Bjarne Riis und Walter Godefroot im Jahr 1996

Foto: Sven Simon / IMAGO

Merckx in Trauer

Radsportikone Eddy Merckx trauert nun um seinen einstigen Rivalen. »Walters Tod berührt mich zutiefst«, sagte Merckx: »Mit Roger De Vlaeminck besuchte ich Walter noch manchmal. Bei unserem letzten Besuch war Walter bereits sehr geschwächt und es ging ihm nicht gut. Er war ein sehr anständiger Mann. Wenn man einen Termin mit ihm vereinbarte, kam er.«

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Godefroot sei sportlich ein großer Rivale gewesen, so Merckx: »Seine Erfolgsliste ist beeindruckend. Er war schnell und sehr stark.«

ptz/dpa