Basketball: Moritz Wagner sorgt im NCAA Tournament für Furore - DER SPIEGEL
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Basketball-Talent Wagner: Emotionaler Wolverine

Foto: Andy Lyons/ AFP

Deutsches Basketball-Talent Wagner Mad Moritz

Ein 19-Jähriger aus Deutschland begeistert die USA: Basketballer Moritz Wagner überzeugt bei der College-Meisterschaft. Es wird sogar schon über einen Wechsel in die NBA spekuliert.
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Vor einem Jahr hatte Moritz Wagner nur eine Ahnung davon, was die "March Madness" in den USA bedeutet. So wird die Zeit genannt, wenn die besten Teams im College-Basketball um den Sieg im NCAA Tournament kämpfen. Das ganze Land schaut dann auf die Studenten, jedes Jahr liefert der "März-Wahnsinn" dramatische und inspirierende Geschichten. Dank K.o.-System gibt es viele Überraschungen.

Spätestens nach den vergangenen zwei Wochen weiß Wagner, was es damit auf sich hat. Denn der Berliner liefert mit seinem Team der University of Michigan derzeit die Geschichte des Monats.

Alles begann mit einer Schrecksekunde für den 19-Jährigen und seine Michigan Wolverines auf dem Weg zur Vorqualifikation. Wegen starker Winde musste der Start ihres Flugzeugs abgebrochen werden, die Maschine schoss über die Piste hinaus und landete in einem Graben. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Es folgten vier Siege in vier Tagen, Michigan holte den Titel und die Qualifikation fürs College-Turnier. Eine Woche später gelang Wagner in der zweiten Runde des prestigeträchtigen Wettkampfs eine überragende Leistung mit 26 Punkten beim Sieg über Louisville. Wagner stand plötzlich im Rampenlicht, große Sportmedien wie ESPN oder "Sports Illustrated" berichten über ihn, es wird sogar über einen Wechsel in die NBA im Sommer spekuliert. Die ganz normale "March Madness" eben.

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Basketball-Talent Wagner: Emotionaler Wolverine

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In der Nacht auf Freitag könnte die nächste Episode hinzukommen: Wagner und Michigan treffen auf die höher eingestufte University of Oregon. Aufgrund der vergangenen Wochen gibt es jedoch keinen wirklichen Favoriten, nicht einmal das Erreichen des Endspiels am 3. April ist für Wagner völlig ausgeschlossen.

"Ich will das Ding gewinnen", sagte Wagner dem Sportportal "Spox ". Mit dem Hype um seine Person will er sich derzeit nicht beschäftigen - auch ein möglicher Wechsel in die NBA sei aktuell Nebensache. "Auch ein bisschen zum Selbstschutz." Erst vor knapp zwei Jahren war er nach Michigan gewechselt, nachdem er zuvor das Jugendprogramm von Alba Berlin durchlaufen und bereits einige Einsätze im Profi-Team bekommen hatte.

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Im ersten Jahr bei den Wolverines war Wagner noch Ergänzungsspieler, in seiner zweiten Saison steigerte er sich deutlich von 2,9 auf 12,2 Punkte pro Spiel, stand in allen bisherigen 37 Partien in der Startformation. Mit seiner Größe (2,11 Meter), seinen blonden Haaren und seinem starken Wurf erinnert Wagner an einen anderen deutschen Power Forward: Dirk Nowitzki. "Er ist mein Vorbild, was den Wurf angeht", sagt Wagner über den Basketball-Superstar. "Es ist unglaublich, wie gut man ohne Athletik sein kann. Das geht jetzt nicht gegen Dirk, er ist fantastisch."

In der zweiten Runde des NCAA Tournaments zeigte Wagner, zu welchen Leistungen er in der Lage ist. Für seine 26 Punkte benötigte er nur 14 Würfe, elf davon traf er. ESPN-Experte Chad Ford twitterte nach dem Spiel, dass Wagner schon dieses Jahr am Ende der ersten Runde des NBA Drafts - der darüber entscheidet, wer als Neuling in die NBA wechseln darf - ausgewählt werden könnte.

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Tatsächlich ist sein Spielerprofil derzeit sehr gefragt in der besten Basketballliga der Welt: Wagner ist ein "Big Man" und zudem ein starker Dreierschütze (Trefferquote 40,9 Prozent). Dazu beweglich und mittlerweile kräftig genug, um zum Korb zu ziehen und dort erfolgreich abzuschließen. Wagner kommt außerdem das System von Coach John Beilein entgegen, das gute Offensivspieler besser aussehen lässt.

Hype kann viel bewirken

Denn die Defizite im Spiel des emotionalen Deutschen - die Bilder des schreienden Wagner waren auf allen großen Sportseiten in den USA zu sehen - sind ebenso auffällig. Für seine Größe und Position holt er zu wenig Rebounds, defensiv unterlaufen ihm zu viele Fehler, er ist foulanfällig und für NBA-Verhältnisse nur durchschnittlich athletisch. Diese fehlende Konstanz mag für sein Alter normal sein, könnte für die NBA-Scouts aber eine entscheidende Rolle spielen. Die Website "Draftexpress", neben ESPN-Experte Ford die Instanz für den NBA Draft, führt Wagner in ihrer aktuellen Prognose nicht einmal auf.

Allerdings wäre Wagner nicht der erste Spieler, der es dank starker Leistungen im NCAA Tournament in die NBA schafft. Der Hype kann in den USA viel bewirken. Sein Jugendtrainer Konstantin Lwowsky, der regelmäßig mit Wagner in Kontakt ist, hält es deshalb für realistisch, dass dieser sich für den Draft anmeldet. "Ich würde mich wundern, wenn er es nicht täte", sagte Lwowsky dem "Tagesspiegel ". "Wenn sich diese Tür öffnet, wird er da durchgehen."

Für Wagner, der noch zwei weitere Saisons für Michigan spielen darf, wäre die Anmeldung aber auch mit einem großen Risiko verbunden. An die Uni dürfte er nicht zurückkehren. Und nur die 30 Spieler, die in der ersten von zwei Draftrunden ausgewählt werden, haben einen Vertrag so gut wie sicher.

Wagner selbst sagt, dass die NBA seit vielen Jahren sein Traum ist. Doch ein schwacher Auftritt gegen Oregon, Michigan scheidet aus - und schon kann der Traum zumindest für dieses Jahr vorbei sein. Auch das ist die "March Madness".