EM-Aus der Handballer: Der Bart ist ab - DER SPIEGEL
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EM-Aus der Handballer Der Bart ist ab

Aus der Traum: Die deutschen Handballer können bei der EM nur noch den dritten Platz erreichen. Am Ende fehlte dem ersatzgeschwächten Team die Kraft. Bundestrainer Brand fordert ein Umdenken der Verantwortlichen und plant bereits für die Olympischen Spiele.
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Heiner Brand verliert sein Lachen so schnell nicht. Bereits wenige Minuten nach dem dramatischen 25:26 (13:10) gegen Dänemark, das erst drei Sekunden vor Schluss durch einen Siebenmeter entschieden wurde, zeigten die Mundwinkel unter dem grau-schwarzen Schnauzer wieder nach oben. Der dänische Trainer Ulrik Wilbek war kurz zuvor gefragt worden, wie er sein Team auf das morgige Finale gegen Kroatien vorbereite. "Es gibt für jeden zehn Bier", hatte der Erfolgscoach mit breitem Grinsen geantwortet.

Das eine oder andere Bier wird heute auch im deutschen Quartier geköpft werden. Denn diese Niederlage war eine ganz bittere. In der ersten Hälfte hatte Deutschland zeitweise mit fünf Toren geführt und Dänemark dabei phasenweise an die Wand gespielt. Schlussmann Bitter hielt sensationell, in der Abwehr blockte der nachnominierte Frank von Behren, als wäre er von Anfang an dabei gewesen. "Die erste Halbzeit war in Ordnung, am Ende hat uns einfach die Frische gefehlt", sagte Brand und spielte damit auf einen der vielen Gründe an, warum der Weltmeister im Halbfinale scheiterte und somit heute gegen Frankreich (13.30 Uhr, Liverticker SPIEGEL ONLINE) nur um den dritten Platz spielt.

Bereits nach vier Minuten humpelte Oleg Velyky im Auftaktspiel gegen Weißrussland vom Feld. Der Rückraum-Allrounder, der erst in der Winterpause für knapp 250.000 Euro von den Rhein-Necker-Löwen zum HSV Hamburg wechselte, erlitt einen Kreuzbandriss. Den zweiten in seiner Karriere. Brands Geheimwaffe war damit bereits entschärft, bevor er sie richtig ausprobieren konnte. Velyky wäre vielseitig im Rückraum einsetzbar und damit eine Entlastung für Pascal Hens und Co. gewesen. Zudem ist der 30-Jährige extrem torgefährlich und hat eine glänzende Spielübersicht. Beides konnte Velyky leider nicht für Deutschland einsetzen. Mit zunehmendem Turnierfortschritt schwanden dadurch auch bei anderen Spielern die Kräfte.

Besonders Pascal Hens konnte die in ihn gesetzten Erwartungen einmal mehr nicht erfüllen. Seine Konzentration ließ am Ende des Turniers deutlich nach. 40 von 65 Versuchen in sieben Spielen des Hamburgers verfehlten ihr Ziel. Auch die in entscheidenden Phasen immer wieder riskanten Anspiele des Ego-Shooters an den Kreis waren bei den Fans nicht gerne gesehen. Die gleiche, dürftige Trefferquote wie Hens, nämlich 38 Prozent, steht auch bei Christian Zeitz zu Buche. Der Kieler wirkte nach langer Verletzungspause etwas übergewichtig und unfit, brachte Trainer und Mitspieler wie gewohnt mit einigen Kamikazeaktionen an den Rand der Verzweiflung und sorgte zudem noch für Zoff im Team, als er sich mit Oliver Roggisch anlegte ("Halt du doch am besten das Maul"). "Im Angriff haben wir Nachholbedarf", bilanzierte Brand.

Brand fordert längere Regenerationszeiten

"Die Dänen waren einen Tick frischer, da sie im Laufe des Turniers auf den zentralen Positionen öfter wechseln konnten", sagte Florian Kehrmann. Der Rechtsaußen weiß, wovon er spricht. Mit 6:22:46 Stunden hat der Lemgoer mit Abstand die meiste Zeit aller deutschen Nationalspieler auf dem Feld gestanden. Gegen Dänemark meldete sich dann sein Körper: Eine Oberschenkelzerrung zwang Kehrmann über weite Teile der zweiten Hälfte auf die Bank. Auch Zeitz war nach einem Sturz auf das Steißbein im ersten Durchgang nicht mehr zu 100 Prozent einsetzbar. Sebastian Preiß lief trotz einer Entzündung im Knie auf. Auch der am Freitag notwendige fast acht Stunden dauernde Bustransfer von Trondheim nach Lillehammer hatte nicht zur Regeneration der gestressten Körper beigetragen. "Das war nicht die optimale Vorbereitung", sagte Brand.

Der Bundestrainer hatte während des Turniers immer wieder auf die hohe Belastung für die Nationalspieler hingewiesen. Mitten in der Saison müssen die Akteure bis zu acht Partien in elf Tagen absolvieren. Das grenzt nahezu an fahrlässiger Körperverletzung. "Die Verantwortlichen müssen sich da ganz schnell was überlegen", hatte der Bundestrainer gefordert. "Drei Spiele in drei Tagen, das kann nicht gesund sein", so Brand nach dem letzten Duell der Zwischenrunde gegen Schweden.

In diesem Spiel hatte es Abwehrchef Roggisch erwischt. Auch sein Ausfall wog am Ende schwer. Von Behren konnte ihn zwar im Halbfinale zusammen mit Andrej Klimovets beziehungsweise Preiß anständig vertreten, doch fehlte dem Team nach dem Ausfall von Roggisch der Einpeitscher auf dem Feld. Bei der WM 2007 gab es in Oldie Christian Schwarzer noch einen Top-Motivator auf und neben dem Platz. Diesen Part konnten weder der harmonische Markus Baur noch irgendein anderer DHB-Akteur ausfüllen. Auch am Kreis wurde ein Typ der Marke "Blacky" Schwarzer vermisst. Weder Klimovets noch Preiß konnten am gegnerischen Sechser Spiele entscheidend beeinflussen.

Brand, der seiner Mannschaft "sensationellen Einsatz" bescheinigte, überraschte im zweiten Durchgang gegen Spanien durch eine Auswechselorgie. Bei der Niederlage wirbelte der 55-Jährige die Rückraumpositionen im Fünf-Minutentakt durcheinander. Leidtragender war Lars Kaufmann, der nach wenigen Minuten und einigen Fehlwürfen wieder vom Platz musste. Für die Motivation des möglichen Hens-Ersatzes war dieses Spiel wenig förderlich, als echte Alternative kam er seit Ende der Vorrunde eigentlich nicht mehr in Frage. "Ich hoffe, dass Lars in Lemgo von Markus Baur profitiert", so Brand, der in der Stunde der Niederlage den Blick nach vorne richtete: "Ende Februar werde ich beim Test in der Schweiz besonders auf junge Spieler setzen", sagte Brand. Damit wolle er den Konkurrenzkampf im Team bis zu den Olympischen Spielen hochhalten.

Am Ende noch etwas für Fans von Verschwörungstheorien: Eigentlich sind ja aller guten Dinge drei, doch für die Deutschen bedeutete die drei nichts Gutes. Bei den vergangenen drei Turnieren waren die Dänen jeweils im Halbfinale gescheitert. Dreimal verlor das deutsche Team in Norwegen, dreimal übertrug die ARD und dreimal pfiff das gleiche Schiedsrichtergespann aus Russland (das an keiner der drei Niederlagen entscheidenden Anteil hatte). Bleibt zu hoffen, dass am Ende wenigstens noch Platz drei herausspringt. Und der Bundestrainer sein Lachen nicht verliert.

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