Handball-EM: Vorsicht, eiskalte Schweden! - DER SPIEGEL
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Handball-EM Vorsicht, eiskalte Schweden!

Es geht um alles oder nichts: Deutschland muss heute gegen Schweden gewinnen, um ins Halbfinale einzuziehen. Die Bundesliga-Legionäre in Diensten der Skandinavier wollen das verhindern. Auch in der zweiten Gruppe ist es spannend bis zur letzten Minute.
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Selbst ein Kuss konnte seine Laune nicht heben. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff der Partie gegen Schweden legte Spaniens Trainer Juan Carlos Pastor auf dem Weg zur Pressekonferenz einen kurzen Zwischenstopp ein. Im Flur der Trondheimer EM-Halle wartete seine Frau, um ihm einen Trostschmatzer auf die Lippen zu pressen. Pastor beugte sich nur kurz herunter, um dann kopfschüttelnd Richtung Medienzone zu hetzen. Der Mann, der nie lacht, war bedient. Seine Mannschaft konnte nach der Niederlage gegen Außenseiter Schweden das Halbfinale nicht mehr erreichen - eine Katastrophe für den Weltmeister von 2005, der als Favorit auf den EM-Titel gehandelt worden war.

Die Art und Weise, wie Spanien den Sieg verschenkt hat, wird ihn noch mehr geärgert haben. Acht Sekunden vor Schluss hatte es sein Team noch selbst in der Hand. Der Schwede Markus Ahlm war nach einem Foul für zwei Minuten und somit für den Rest der Partie auf die Bank geschickt worden, Spanien hatte beim Stand von 26:26 einen Freiwurf erhalten.

Rückraumspieler Mariano Ortega stieg hoch, warf, doch Schwedens Torhüter Tomas Svensson hielt und spielte den Ball eiskalt auf Jonas Källmann. Der schwedische Linksaußen realisierte erst kurz vor dem gegnerischen Sechser, dass die Spanier ihren Torhüter für einen weiteren Feldspieler ausgetauscht hatten. Auf der Anzeigetafel waren noch drei Sekunden, als Källmann sich zum Abschluss entschloss. Der Ball setzte noch einmal auf und schlug zwei Sekunden vor der Schlusssirene im Netz der Spanier ein. Danach brachen bei den Schweden alle Dämme. "Jetzt wollen wir auch den Weltmeister schlagen", kündigte Schwedens Kreisläufer Markus Ahlm nach dem Triumph an.

"Wir werden die Schweden nicht unterschätzen, sie haben sich in der Weltspitze zurückgemeldet", sagte Bundestrainer Brand vor dem entscheidenden Spiel gegen Schweden (19.20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Klar ist: Wer diese Partie gewinnt, ist sicher im Halbfinale. Angesichts der bisherigen Auftritte der Schweden tut das deutsche Team gut daran, auf seinen Trainer zu hören. In der Vorrunde gewannen die Skandinavier souverän gegen Island (24:19) und überrollten die Slowakei (41:25). Lediglich gegen Frankreich musste sich das Team von Trainer Ingemar Linnell 24:28 geschlagen geben. In der Zwischenrunde gab es einen kleinen Hänger beim Unentschieden gegen Ungarn (27:27), gestern dann zeigten die Schweden tolle Moral und schickten Spanien nach Hause.

Großen Anteil am Erfolg des jungen Teams hat Rückraumspieler Kim Andersson vom THW Kiel. Mit 27 Treffern (sieben von zehn verwandelten Siebenmetern) führt der 25-Jährige die interne Torjägerliste der Schweden an. Auf Platz drei rangiert sein Kieler Teamkollege Markus Ahlm. Der Kreisläufer kann dank seiner Effizienz Spiele entscheiden: 19 von 28 Versuchen brachte der 29-Jährige im gegnerischen Tor unter, kommt somit auf eine Trefferquote von 68 Prozent.

Weitere Erfolgsgaranten sind zwei bekannte Gesichter aus der Bundesliga. Torhüter Tomas Svensson, der von 2002 bis 2005 das Tor des HSV Hamburg hütete und heute beim spanischen Spitzenclub Portland San Antonio sein Geld verdient, ist ein ebenso verlässlicher Rückhalt wie Dan Beutler. Der Flensburger war zuletzt erste Wahl im Team der Schweden und konnte bislang jeden dritten Wurf der Gegner entschärfen.

Vieles wird auf den deutschen Rückraum ankommen, der im gestrigen Spiel gegen Frankreich enttäuschte. Holger Glandorf warf die Bälle unkontrolliert unter das Hallendach, Pascal Hens verrannte sich oft in der gegnerischen Abwehr, wenn er nicht gerade angeschlagen auf der Bank saß. Christian Zeitz konnte nur kurze Zeit beweisen, dass er trotz einiger Probleme im bisherigen Turnierverlauf seinen Torriecher nicht in Deutschland gelassen hat. Auch Michael Kraus, Notnagel auf der linken Rückraumposition, gehörte zumindest im zweiten Durchgang zu den Lichtblicken. "Im Rückraum müssen wir uns gegen Schweden deutlich steigern", weiß Brand.

Das letzte Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Schweden liegt noch nicht lange zurück. Im Dezember absolvierten beide Teams zwei Testspiele gegeneinander. Das erste gewann Deutschland 34:28, das zweite ging knapp an Schweden. Die Bilanz aus den bisher insgesamt 90 Duellen spricht eher für Schweden: 45 Mal triumphierten die Blau-Gelben, Deutschland gewann lediglich 35 Vergleiche.

Rechenspiele sind in der zweiten Zwischenrundengruppe angesagt, in der noch vieles möglich ist. Dänemark wäre bei einem Erfolg gegen Slowenien Gruppensieger. Norwegen muss gegen Kroatien gewinnen, um die Finalrunde, die am kommenden Wochenende in Lillehammer ausgetragen wird, zu erreichen. Verliert der Gastgeber gegen den Olympiasieger, stehen die Kroaten in der Runde der letzten vier Mannschaften. Der Tabellenerste trifft dabei auf den Zweiten der anderen Gruppe.

Gut möglich also, dass Deutschland - einen Sieg gegen Schweden vorausgesetzt - im Halbfinale auf Dänemark trifft. An den Nachbarn haben die Brand-Männer noch beste Erinnerungen. Beide Teams trafen während der EM-Vorbereitung zweimal aufeinander. Zwar gab es im ersten Testspiel eine Niederlage (26:30), die Generalprobe gelang dann allerdings. Mit 34:24 deklassierte das DHB-Team die Dänen. Von einem Angstgegner kann man da nicht sprechen.

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