Handball-WM: Mimi und die Direktive - DER SPIEGEL
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Handball-WM Mimi und die Direktive

Sein Auftrag ist klar: Michael Kraus soll die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der WM in Schweden wieder in die Spitzengruppe führen. Doch der Job hat es in sich - schon in der Vorrunde warten Gegner von Weltklasseformat. Zum Auftakt trifft das DHB-Team am Freitag auf Ägypten.
DHB-Spielmacher Kraus: "Ich war im Kopf blockiert"
DHB-Spielmacher Kraus: "Ich war im Kopf blockiert"

DHB-Spielmacher Kraus: "Ich war im Kopf blockiert"

Foto: CHRISTIAN CHARISIUS/ REUTERS
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Zwei Fäuste für ein Handballtor: Kaum ein aktueller Handball-Nationalspieler jubelt so impulsiv wie Michael Kraus, genannt Mimi. Wenn der Mann vom HSV Hamburg seine beiden Ellenbogen knapp über die Hüfte legt, die Arme ausstreckt, als würde er einen Umzugskarton anheben und dabei die Hände zu Fäusten ballt, hat es im Tor des Gegners eingeschlagen.

So wie in den letzten Tests der DHB-Auswahl vor der WM in Schweden (13. bis 30. Januar live bei SPIEGEL ONLINE). Sowohl bei den Niederlagen gegen Island (23:27 und 27:31) als auch zuvor beim Sieg im Freundschaftsspiel gegen Schweden (28:23) überzeugte der Spielmacher und erzielte insgesamt 20 Tore.

WM-Sieger von 2007

Verletzungen, Formkrisen, Disziplinlosigkeiten - der ehemalige Bravo-Boy Kraus hat einige Rückschläge hinter sich. Doch pünktlich zum WM-Start am Freitag gegen Ägypten (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist der 27-Jährige wieder in Form - und er hat einen klaren Auftrag: Er soll den zurück in die Weltspitze führen.

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Foto: A3632 Jens Wolf/ dpa

Kraus will auch für sich und die Mannschaft Wiedergutmachung angesichts der schwachen EM 2010 in Österreich betreiben. "Bei der EM hatte ich zu viele Probleme mit mir selber. Da war ich im Kopf blockiert. Wenn ich mir die Spiele anschaue, erkenne ich mich kaum wieder", sagt Kraus. Beim enttäuschenden zehnten EM-Platz erfüllten er und die DHB-Auswahl die hohen Erwartungen nicht einmal ansatzweise.

Rücktritt als Kapitän

Kraus plagte sich mit verschiedenen Verletzungen herum, wirkte gehemmt und konnte das deutsche Spiel zu keinem Zeitpunkt entscheidend lenken. Die Kapitänsbinde gab er nach der EM in Absprache mit Bundestrainer Heiner Brand an seinen Hamburger Vereinskollegen Pascal Hens ab. Der 30-Jährige soll neben Kraus Verantwortung für das Team übernehmen.

"Pascal traue ich einen guten Job zu", sagte Brand in einem Interview mit den "Kieler Nachrichten". "Mimi Kraus hatte bei der EM in Österreich eine schwache Form und das Problem, dieses von der Aufgabe als Kapitän zu trennen. Hens ist als Persönlichkeit weiter, er kann das trennen", so Brand.

Brand

Auch wenn Kraus seine Rolle als Spielführer nicht mit seiner Leistung in Verbindung bringt ("Das Kapitänsamt war keine Last, das war eher mein Körper"), wirkt er nun befreit. weiß, was er an ihm hat. "Er zeigt nach langer Zeit mal wieder, was in ihm steckt", sagt der Bundestrainer und hebt Kraus' großes Potential hervor: "Aufgrund seiner individuellen Stärke kann er der Mannschaft wichtige Impulse geben. Er hat mit seiner Dynamik und seinem schnellen Armzug Fähigkeiten, die kaum andere Spieler haben."

Dagegen verzichtet der Bundestrainer auf die Qualitäten von Torsten Jansen. Eine riskante Entscheidung. Der Linksaußen vom HSV Hamburg gehörte bei den vergangenen Turnieren meist zu den wenigen konstanten Leistungsträgern im deutschen Team. 501 Tore in 177 Spielen sprechen für sich. Zudem war Jansen neben Oliver Roggisch auf der Halbposition der Betonblock in der 6:0-Abwehr und einer der sichersten Siebenmeterschützen im Team.

Brand: "Wir haben vier Endspiele"

Brand begründete die Nichtberücksichtigung Jansens damit, in der Abwehr andere Formationen spielen zu wollen. Dabei relativierte er nur kurze Zeit später seine vermeintliche Experimentierbereitschaft: "Wir haben überwiegend Spieler, die in ihren Vereinen eine 6:0-Deckung spielen. Aber die 5:1-Deckung ist eine gute Alternative. Ob ich darauf zurückgreife, werde ich im Ernstfall entscheiden. Wenn man seine Abwehrformation allerdings ständig wechselt, ist das ein Zeichen von Schwäche."

Schwächen darf sich die deutsche Auswahl angesichts der starken Gruppe nicht erlauben. Mit Welt- und Europameister Frankreich, das gleichzeitig auch Olympiasieger und Topfavorit ist, sowie Spanien scheinen die ersten beiden Plätze der Gruppe A bereits vergeben zu sein. Die beiden Afrika-Vertreter Ägypten und Tunesien sind immer für eine Überraschung gut, lediglich das Spiel gegen Bahrain verspricht einen deutlichen Erfolg.

Das weiß auch Brand: "Tunesien und Ägypten sind zwei unangenehme Gegner. Über die Qualitäten der Spanier und Franzosen brauchen wir nicht zu reden. Gegen Bahrain müssen wir gewinnen. Wir haben also vier Endspiele." Hinzu kommt, dass Deutschland im Falle des Einzugs in die Hauptrunde nur die Punkte aus Spielen gegen die Teams mitnimmt, die ebenfalls die Vorrunde unter den ersten Dreien der Gruppe abgeschlossen haben.

Im unglücklichsten Fall würde Deutschland mit Niederlagen gegen Frankreich und Spanien und Siegen gegen die anderen drei Gruppengegner zwar weiterkommen, dann aber mit null Punkten in die Hauptrunde gehen - sofern Frankreich und Spanien ebenfalls weiterkommen. Brand weiß, wie er dieses Szenario verhindern kann: "Wir müssen bissig und voll konzentriert sein und wollen gegen jeden Gegner gewinnen. Danach sehen wir weiter."

Mit Material von sid und dpa