Plötzlicher Abschied: Viermal Gold, zwei schwere Crashs
"Herminator" Skilegende Maier beendet Karriere
Hamburg - Unter Tränen gab Maier an diesem Dienstag in Wien das Ende seiner aktiven Karriere bekannt. Der 36-Jährige bezeichnete es als eine "spontane Entscheidung". "Ich nehme hier und jetzt Abschied", sagte Maier. "Die Entscheidung fällt mir schwer - ich trenne mich von meinem Traumberuf. Das Anfangen war wesentlich leichter als das Aufhören."
Damit verzichtet der Ausnahmeathlet trotz bester Medaillenchancen auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen, die am 12. Februar 2010 im kanadischen Vancouver stattfinden werden. "Es ist der optimale Augenblick gekommen, Abschied zu nehmen. Mir ist bewusst, dass damit ein herausragender Lebensabschnitt zu Ende geht", sagte Maier. Es sei das Ziel gewesen, "in einem guten Zustand entscheiden zu können, ob ich meine Karriere beende oder fortführe".
"Hermann Maier war einer der größten Athleten im alpinen Skirennsport. Er hat eine Ära geprägt. Für mich war es eine Ehre, mit ihm Rennen zu fahren", so DSV-Athlet Felix Neureuther. Auch Österreichs Skilegende Karl Schranz schwärmte zum Abschied: "Hermann war einer der besten Skifahrer, die es gegeben hat. Er gehört sicher zu den fünf Besten aller Zeiten. Er hat den Zuschauern und seinen Fans immer irgendetwas gegeben, die Fans und wir alle werden ihn sicher vermissen."
Mit Maiers Rücktritt geht in der Tat eine der erfolgreichsten Karrieren in der Geschichte des Wintersports zu Ende. Maier erlangte weltweite Berühmtheit, als er bei den Winterspielen 1998 in Nagano nach einem schweren Sturz noch zweimal olympisches Gold gewann. Es folgten drei Weltmeistertitel und zwei weitere Olympia- sowie WM-Medaillen.
Immer wieder starke Schmerzen
Maier gewann darüber hinaus viermal den Gesamtweltcup, zuletzt in der Saison 2003/2004, nur zweieinhalb Jahre nachdem er bei einem schweren Motorradunfall am 24. August 2001 beinahe sein rechtes Bein verloren hatte. In den vergangenen Jahren hatte er wiederholt mit Verletzungen zu kämpfen, im vergangenen Winter plagten ihn schwere Rückenschmerzen.
Maiers Karriere hatte spät begonnen. Am 6. Januar 1996 war er als Vorläufer eines Riesenslaloms in seiner Heimat Flachau aufgefallen, nur einen Monat später bestritt er sein erstes Weltcup-Rennen. Ein Jahr später, am 23. Februar 1997, gewann er den Super-G in Garmisch-Partenkirchen. Im Laufe seiner Karriere nahm Maier an 268 Weltcup-Rennen teil. Dabei fuhr er 96-mal auf das Siegertreppchen - 54-mal gewann er, zuletzt im vergangenen Dezember im kanadischen Lake Louise.
In der ewigen Bestenliste liegt er hinter dem Schweden Ingemar Stenmark (86 Siege) auf Rang zwei. Am 6. Oktober hatte Maier in Sölden, wo in der kommenden Woche die alpine Weltcup-Saison beginnt, erstmals nach seiner Operation am rechten Knie im vergangenen März wieder auf Schnee trainiert und sich danach "positiv überrascht" gezeigt. Ebenso überraschend kam jetzt sein Rücktritt.