NBA-Finals: Nowitzki trifft und hofft
Nowitzki-Verletzung Glaube, Körbe, Hoffnung
Hamburg - Zuversicht sieht anders aus. Dirk Nowitzki blickte nur selten auf, antwortete ruhig und mit gedämpfter Stimme auf die Fragen der Journalisten. "Bosh bekam einen Bodenpass, und ich hab ihm den Ball aus der Hand geschlagen", berichtete der Topstar der Dallas Mavericks nach der 84:92-Niederlage in Miami. "Dann konnte ich den Mittelfinger nicht mehr strecken." Bei einem Zweikampf mit Chris Bosh hatte sich der Deutsche in der Schlussphase des ersten Playoffspiels eine Sehne an der linken Hand gerissen.
Trotz seiner Enttäuschung über Niederlage und Verletzung bemühte sich Nowitzki um Optimismus. "Ich muss in den restlichen Spielen wohl eine Schiene tragen", sagte der Power-Forward. "Aber das ist okay, weil es nur die linke Hand ist."
Auch auf der anderen Seite schien die Verletzung Nowitzkis wenig Aufsehen zu erregen. "Dirk ist Rechtshänder, deswegen wird es ihn nicht behindern oder beeinflussen", sagte LeBron James, der Miami mit 24 Punkten zum Sieg geführt hatte.
Die Mimik und Gestik Nowitzkis sprachen aber eine andere Sprache.
Der 32-Jährige ist für Dallas unersetzbar. Auch beim Auftakt der Finals war er mit 27 Punkten wieder der beste Mann auf dem Feld. Im Halbfinale führte er sein Team gegen die Oklahoma City Thunder zum 4:1-Sieg. Schon am Freitag (3.00 Uhr, MESZ) findet in Miami das zweite Spiel der Best-of-seven-Serie statt. Ob Nowitzki dabei ist? Klar, "das ist keine Frage", sagt er.
Vielleicht bleibt ihm nichts anderes übrig: Ohne Nowitzki wäre Miami vor heimischer Kulisse kaum zu schlagen, ein 0:2-Rückstand in den verbleibenden Partien kaum wettzumachen. "Wir wollen sicher nicht mit zwei Niederlagen nach Dallas zurückfliegen, sondern den Ausgleich zum 1:1 schaffen", sagte Nowitzki. Doch die Chancen dafür haben sich nach seinem Sehnenriss eher verschlechtert als verbessert.
Schon im ersten Spiel fanden die "Mavs" gegen das Star-Trio der Gastgeber - LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh - wenig Mittel. Ein Sieg wäre selbst mit einem Nowitzki in Topform eine Überraschung. Ob Nowitzki diese Form mit einer Schiene am Finger überhaupt erreichen kann, darf zumindest bezweifelt werden.
Beim Finale 2006 reichte Dallas noch nicht einmal eine 2:0-Führung zum Titel. Auch für Nowitzki wäre die erneute Niederlage im NBA-Finale eine herbe Enttäuschung. Seit der Playoff-Niederlage 2007 gegen Außenseiter Golden State Warriors wird er immer wieder als "No-winski" verspottet. Im vergangenen Sommer hätte er den Verein verlassen können. Doch Nowitzki verlängerte - obwohl er mit Dallas in den vergangenen vier Jahren nie über die zweite Playoff-Runde hinausgekommen war. Im Juni 2011 könnte seine letzte Chance auf einen Titel verstreichen.
"Es hat fünf Jahre gedauert, wieder in die Finals zu kommen, es waren lange fünf Jahre mit vielen Höhen und Tiefen", hatte Nowitzki vor der Partie gesagt. Nun könnte ein weiterer Tiefpunkt hinzukommen, doch der deutsche Nationalspieler setzt auf das Prinzip Hoffnung. "Eine Niederlage entmutigt uns nicht", sagt er. "Ich habe heute nichts gesehen, was mir Angst macht."