Alexander von Humboldt: Der geniale Abenteurer - ein Vorbild-Deutscher? - DER SPIEGEL
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Alexander von Humboldt Der geniale Abenteurer - ein Vorbild-Deutscher?

Alexander von Humboldt war Naturforscher und der prominenteste Weltbürger seiner Zeit. Im XXP-Studio diskutieren Experten, darunter Hans Magnus Enzensberger, über die Bedeutung Humboldts für die Gegenwart.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Alexander von Humboldt vor genau 200 Jahren nach fünfjähriger Amerikareise zurück nach Europa kam, wurde er bejubelt wie ein Wiederauferstandener: Er hatte das Fenster zur Welt aufgerissen im vermufften Berlin, in dem weitgehend geistige Steppe herrschte. Und nun galt er als der zugleich strahlendste und mutigste und sanfteste Held, den Deutschland je hervorgebracht hatte. Dabei hatte er auf seiner Entdeckungsreise keine Völker unterjocht, sondern Schmetterlinge gefangen.

Humboldt, der Ausnahme-Deutsche, der letzte Universalgelehrte, ist auch heute nicht überholt - im Gegenteil. In Zeiten, in denen Folter und Massenmorde das Projekt der Aufklärung täglich zu zerstören drohen, leuchtet aus Humboldt das, was der Mensch sein kann. Was von Humboldt zu lernen ist: einen Traum, wie immer er auch aussehen mag, mit allergrößter Zähigkeit zu verfolgen - egal, was es kostet.

Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno, die Verleger der "Anderen Bibliothek", haben Humboldt aus der Versenkung geholt: Sie bieten die bisher nie auf Deutsch erschienenen "Ansichten der Kordilleren und Monumente der eingeborenen Völker Amerikas" in einer prachtvollen Ausgabe an. Kann Humboldt auch ein Mittel sein gegen die deutsche Mutlosigkeit?

Im XXP-Studio diskutiert Matthias Ziemann mit Matthias Matussek (DER SPIEGEL), Hans Magnus Enzensberger, Franz Greno und Oliver Lubrich über Humboldts ansteckende Kraft, die gegenwärtige Jammersucht der Deutschen und die Rolle des widerständigen Intellektuellen gestern und heute.



Sendetermin: Montag, 13. September, 22.45 Uhr, XXP 




Gäste im Studio

Hans Magnus Enzensberger, Herausgeber der "Anderen Bibliothek", geboren 1929 in Kaufbeuren/Allgäu. Als Mitglied der legendären "Gruppe 47" war er in den fünfziger Jahren beim Süddeutschen Rundfunk und als Gastdozent an der Ulmer Hochschule für Gestaltung tätig. Zwischen 1957 und 1960 lebte Enzensberger in den USA, Mexiko, Norwegen und Italien. Dann arbeitete er als Verlagslektor bei Suhrkamp in Frankfurt am Main, später als Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt und an der Wesleyan University in Connecticut. Nach Aufenthalten in Kuba, New York und West-Berlin ließ er sich 1979 als freier Schriftsteller in München nieder. Bis 1975 war er Herausgeber der Zeitschrift "Kursbuch". Seit 1985 ist Enzensberger Herausgeber der "Anderen Bibliothek".


Franz Greno, Büchermacher, geboren 1948 in München. In acht Jahren beim Vertrieb des Verlages "Zweitausendundeins" vom Hersteller zum Programmgestalter und Vertriebsspezialisten avanciert, gründete Greno im Herbst 1984 in Nördlingen seinen eigenen Verlag mit angegliederter Werkstatt. Die Kunst, Inhalt und Form in der großen Tradition Gutenbergs zu einem schönen Ganzen zu verbinden, war eine Kampfansage an die Billigware und führte zum Erfolg. Mit dem 1985 erschienenen ersten Band der von Enzensberger herausgegebenen "Anderen Bibliothek" führte Greno seine Idee vom gut gemachten Buch vor. Greno gab seine verlegerischen Tätigkeiten zum Jahresende 1989 auf. Die Reihe "Die andere Bibliothek" übernahm der Eichborn Verlag.


Oliver Lubrich, Freie Universiät Berlin,
hat "Alexander von Humboldt: Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" gemeinsam mit Ottmar Ette editiert.


Matthias Matussek, DER SPIEGEL, stieß während seiner Zeit als Südamerika-Korrespondent oft auf Spuren des Abenteurers und Wissenschaftlers Alexander von Humboldt: Flüsse, Pflanzen, Berge, aber auch Frisiersalons tragen dort den Namen des Deutschen, der 1799 mit Sextanten und Teleskopen im Gepäck ausgezogen war, um unter verwegenen Umständen fünf Jahre lang die Neue Welt zu erforschen. In Lateinamerika, so Matussek, sei Humboldt "populärer als mancher Fußballgott und vor allem populärer als in seiner Heimat".


Moderation

Matthias Ziemann, Geschäftsführender Redakteur SPIEGEL TV