Campus der Stanford University: Einen Sommer lang an die Eliteuni
Foto: Ruslan Kaln / Getty ImagesIm Ausland studieren Welche Summer Schools es gibt – und wie man einen Platz ergattert
Summer School in Kirgisistan
Maike Strewick, 24, studiert im Master Psychologie an der Universität Münster. 2022 nahm sie an der Summer School »Robotics« des Kyrgyz German Institute of Applied Informatics in Kirgisistan teil.
Maike Strewick
Foto: Makhabat Usenalieva»Ich hatte mich in meiner neuen Studienstadt gut eingelebt und wollte nicht für ein ganzes Semester weg. Die Möglichkeit, über eine Summer School nur für ein paar Wochen ins Ausland zu gehen, fand ich deshalb toll. Ich war überrascht, wie viele verschiedene Angebote es gibt – aber auch, wie teuer viele sind. Zum Glück stieß ich auf ›Go East‹, eine Initiative des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, kurz DAAD, die Teilnehmende mit Stipendien fördert.
Ich bewarb mich für die zweiwöchige Summer School ›Robotics‹ in Kirgisistan. Während des ersten Lockdowns hatte ich mir etwas Programmieren beigebracht, außerdem fand ich den Fokus spannend: den Einsatz von Robotik im Krankenhaus. Wie kann er gestaltet werden, damit Patient:innen ihn akzeptieren? Bei dieser Frage sah ich eine Verbindung zur Psychologie.
Viele Universitäten im In- und Ausland bieten in den Semesterferien für nationale und internationale Studierende ein- bis achtwöchige Blockseminare an, sogenannte Summer oder Winter Schools. Die Themen und Kosten variieren je nach Programm stark; für einige gibt es Stipendien.
Ein Überblick über Summer und Winter Schools weltweit findet sich hier , einer über Kurse in Europa hier , das Angebot an Sprach- und Fachkursen in Deutschland hier und die Liste der am »Go East«-Programm des DAAD teilnehmenden Partneruniversitäten hier . Weitere Informationen gibt es zudem auf den Websites vieler Universitäten und beim DAAD .
Für die Summer School musste ich mich direkt an der Universität in Kirgisistan bewerben, mit Lebenslauf und Motivationsschreiben. Die Bewerbung für das Stipendium lief über den DAAD. Im Juni, zwei Monate bevor es losging, erhielt ich die Zusage für beides.
Etwa zwei Wochen vor Abflug überwies mir der DAAD 725 Euro für die An- und Abreise, die Teilnahmegebühr von 650 Euro sowie 12 Euro pro Tag. Die Universität in Kirgisistan organisierte die kostenlose Unterbringung in Gastfamilien. Von meinem Ersparten gab ich zusätzlich um die 250 Euro für Freizeitaktivitäten und ein paar Reisetage im Anschluss aus.
Maike Strewick hat an einer Summer School in Kirgisistan teilgenommen
Im August 2022 flog ich nach Bischkek, die Hauptstadt von Kirgisistan. Dort holten mich meine Gastgeschwister am Flughafen ab. Die Familie empfing mich herzlich und zeigte mir nachmittags noch die Stadt. Am nächsten Tag begann die Summer School, neben mir saßen sechs weitere Studierende aus Deutschland im Kurs. Wir bekamen ein kleines Programmierset und arbeiteten vormittags gemeinsam an einem Projekt: ein Krankenhausmodell, in dem Prozesse wie der Eintritt, das Rufen des Pflegepersonals oder die Temperaturregelung automatisch erfolgen. Für mich war das Lerntempo genau richtig, die Erfahreneren fanden es etwas zu langsam.
Nachmittags gingen wir zum Beispiel ins Museum, schauten uns Musikaufführungen an oder lernten etwas Kirgisisch. An den Wochenenden unternahmen wir mit einheimischen Studierenden Ausflüge in die Natur. Ganz am Ende reiste ich noch mit ein paar anderen Teilnehmenden zum Yssykköl-See, einem der größten Gebirgsseen der Welt.
Ich kann nur jedem raten, an solch einem Sommerprogramm teilzunehmen. Es ist eine gute Möglichkeit, etwas Neues zu lernen und dabei andere Länder kennenzulernen. Im Nachhinein wünschte ich, ich wäre länger geblieben. Ich möchte auf jeden Fall noch mal zurück nach Kirgisistan.«
Summer School in Mexiko
Julia Wolf, 25, hat European Economics Studies an der Universität Bamberg studiert. 2022 nahm sie an einer vierwöchigen Summer School des El Colegio de México teil.
»Zu Beginn meines Bachelors wollte ich an einer Summer School in Tschechien teilnehmen, die wurde aber wegen der Pandemie abgesagt. Gegen Ende meines Studiums informierte ich mich noch mal online über Angebote und stieß zufällig auf eine Summer School am El Colegio de México. Es gab dort Kurse zu den kapitalistischen Systemen Lateinamerikas, zu Klimapolitik und zu mexikanischer Kultur und Literatur – das sprach mich an.
Für die Bewerbung an der mexikanischen Uni musste ich ein Motivationsschreiben, einen Sprachnachweis für Englisch, ein Empfehlungsschreiben eines Dozierenden und einen Nachweis meiner bisherigen Noten einreichen. Im Mai erhielt ich die Zusage und bewarb mich dann an meiner Heimatuni für ein Promos-Stipendium.
Dass ich die Förderung bekommen würde, erfuhr ich erst, nachdem ich alles gebucht und ausgelegt hatte – für die Planung finde ich das problematisch. Ich hätte die Summer School zwar auch ohne die Förderung gemacht, aber das kann sich ja nicht jeder leisten. Das Promos-Stipendium deckte meine Teilnahmegebühr von 490 Euro ab. Für die Unterbringung in Mexiko musste ich nichts bezahlen, ich kam für die vier Wochen bei Bekannten unter.
In der Summer School war ich die einzige Teilnehmerin, die nicht aus Lateinamerika kam. Meine anfänglichen Bedenken, keinen Anschluss zu finden, verflogen jedoch schnell. Alle begegneten mir offen und freundlich. Da alle Teilnehmenden fließend Spanisch sprachen, fanden die Kurse in der Landessprache und nicht auf Englisch statt. Im Anschluss diskutierten wir Studierenden oft noch stundenlang weiter. Ich merkte, dass es auch unter Mexikaner:innen ganz unterschiedliche Meinungen zum Beispiel hinsichtlich der Beziehung zu den USA gibt. Eigentlich wollen viele, dass ihr Land unabhängiger wird – gleichzeitig geht es nicht ohne wirtschaftliche Zusammenarbeit
Julia Wolf hat an einer Summer School in Mexiko teilgenommen
Auch über das Thema Sicherheit sprachen wir viel. Das Universitätsgelände in Mexiko wird von der Polizei geschützt, beim Betreten mussten wir uns immer ausweisen. Das war schon etwas einschüchternd. Freitagnachmittags organisierte die Universität gemeinsame Aktivitäten wie Museumsbesuche. Ansonsten unternahmen wir Studierenden viel gemeinsam.
Im Master würde ich gern noch mal bei einem ähnlichen Programm mitmachen. Ich finde wichtig, als in Europa aufgewachsener und ausgebildeter Mensch zu erfahren, was akademisch in anderen Teilen der Welt passiert. Ich habe viel über andere Perspektiven und Lebensrealitäten gelernt und meinen Horizont dadurch erweitern können.«
Stipendien für Summer- und Winterschools
Im Rahmen der Initiative »Go East« fördert der DAAD deutsche Studierende, die an Summer- und Winterschools in Mittel-, Südost- und Osteuropa, im Südkaukasus oder in Zentralasien teilnehmen. Ziel der Initiative ist es, das Interesse für spätere Studien- und Forschungsaufenthalte in diesen Ländern zu wecken . Stipendiat:innen erhalten für den Zeitraum des Programms Tagessätze und eine Reisekostenpauschale, deren Höhe abhängig vom Zielland ist. Darüber hinaus übernimmt der DAAD die Teilnahmegebühren bis zu einer Höhe von 650 Euro .
Summer School in den USA
Paulina Verhoff, 25, hat 2022 ihren Master of Finance an der privaten Frankfurt School of Finance & Management beendet. Im vergangenen Sommer nahm sie für acht Wochen am International Honors Program der Stanford University teil.
Paulina Verhoff
Foto: Marion Weber»In meinem Masterstudium gab es zwei Pflichtkurse, die wir entweder an unserer Heimatuni oder im Rahmen einer Summer School oder eines Auslandssemesters an Partnerunis im Ausland belegen konnten. Ich wollte mein Englisch verbessern, daher schaute ich mir die US-amerikanischen Partnerunis genauer an. Die Stanford University in Kalifornien hat einen guten Ruf, und ich wollte gern das Campusleben an einer renommierten amerikanischen Universität kennenlernen.
Dank meiner guten Studienleistungen nominierte mich meine Hochschule für das International Honors Program der Stanford University. Dazu musste ich pro forma noch meinen Lebenslauf und einen Sprachnachweis in Stanford einreichen. Außerdem beantragte ich ein Studentenvisum, was um die 550 Euro kostete und zeitaufwendig war.
Paulina Verhoff hat an einer Summer School in den USA teilgenommen
Finanzielle Unterstützung bekam ich von meinen Eltern. Mit Teilnahmegebühr, Kost und Logis auf dem Campus, mit Flügen, Visum und einer Auslandskrankenversicherung kostete mich die achtwöchige Summer School um die 15.000 Euro. Das ist viel Geld, aber ich wollte diese Erfahrung unbedingt machen und Stanford als Eliteuni in meinem Lebenslauf stehen haben. Die Teilnahme an der Summer School war außerdem günstiger als zum Beispiel ein ganzes Auslandssemester in Boston.
Die meiste Zeit verbrachte ich auf dem weitläufigen Campus der Stanford University – den ich wegen der gepflegten Grünflächen und alten Gebäude wirklich wunderschön fand. Ich nahm an einem Kurs namens ›Technology Entrepreneurship‹ teil, in dem wir unter anderem lernten, einen Businessplan zu schreiben und unsere Ideen gegenüber Investor:innen zu pitchen. Außerdem belegte ich einen Kurs übers Programmieren und einen zu ›High Performance Computing Artificial Intelligence‹. Anders als an vielen deutschen Unis mussten wir viele Übungen machen, Präsentationen halten und wöchentliche Hausaufgaben abgeben.
Nach den Vorlesungen konnten wir die Lehrenden immer ansprechen. Es gab auch Tutor:innen, die uns bei Problemen halfen und abends Programm anboten. Wir Studierenden organisierten internationale Koch- oder Karaokeabende im Wohnheim und Wochenendausflüge zum Lake Tahoe oder in die Küstenstadt Monterey.
Mit einigen Leuten, die ich während der Summer School kennengelernt habe, bin ich immer noch in Kontakt. Diese Erfahrung hat mir Lust auf mehr gemacht: Ich werde versuchen, während meiner Promotion noch mal ins Ausland zu gehen – dann aber für länger, denn die acht Wochen vergingen viel zu schnell.«