Chili Crunch Öl selbst machen für zwei Euro pro Glas - DER SPIEGEL
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Macht aus Eiern und Reis »Eier und Reis 🥵«: Knuspriges Chiliöl

Macht aus Eiern und Reis »Eier und Reis 🥵«: Knuspriges Chiliöl

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Kochen ohne Kohle Verboten gutes knuspriges Chiliöl, für zwei Euro pro Glas

Duftend, aromatisch, lange haltbar – und ein Dorn im Auge abmahnfreudiger Anwälte: Dieses würzige Öl verfeinert alles von Spiegelei über Dumplings bis zu Vanilleeis. Das Rezept, Schritt für Schritt, zum Nachkochen.
Eine Kolumne von Sebastian Maas

Sofern nicht gekocht wird, schaue ich ungern Fernsehen. Ich folge auch keinen Influencern und habe keinen Plan, was im Leben der Royals so vor sich geht. Wenn es mal eine »bunte« Nachrichtenlage gibt und Promis Promidinge tun, müssen mir daher meist meine Kolleginnen erklären, was dahintersteckt. Im Gegenzug für mein Unwissen revanchiere ich mich (vor allem bei Royalexpertin Annina Metz) ab und zu mit einem Glas selbst gemachtem, knusprigem Chiliöl.

Ausgerechnet um dieses Chiliöl gibt es nun aber ein richtiges Drama. Ich bin daher in der seltenen Lage, Ihnen heute ein Rezept zu zeigen UND Gossip zu erzählen. In der Hauptrolle: Fernsehkoch David Chang, der mehrere Shows auf Netflix hat.

Alles dreht sich um »Chili Crunch«. Unter diesem Label vertreibt David Changs Lebensmittelkonzern Momofuku ein Chiliöl mit knuspriger Einlage. Nun geht Momofuku aber juristisch gegen kleine Familienunternehmen und Restaurants vor, die ebenfalls Chiliöl mit der Beschreibung »Chili Crunch« oder »Chile Crunch« verkaufen. Mehrere solcher Firmen haben in den vergangenen Wochen Abmahnungen und Unterlassungsaufforderungen erhalten, berichtet der »Guardian« . David (Chang) wird selbst zum Goliath. Das ist aus mehreren Gründen erstaunlich:

  • Erstens hat Chang die Soße nicht erfunden, sie wird spätestens seit Mitte der Achtzigerjahre kommerziell in China vertrieben. Auch in anderen ostasiatischen Ländern gibt es eine lange Tradition von knusprigem Chiliöl, oft als Familienrezept. In Mittelamerika ist ein fast gleiches Produkt unter dem Namen »Salsa Macha« bekannt.

  • Zweitens gehört Momofuku der Begriff »Chili Chrunch« bei der US-amerikanischen Marken- und Patentbehörde noch gar nicht.

  • Und drittens hatte sich Chang durch aufklärerische Dokus wie »Ugly Delicious« einen guten Namen in der asiatisch-amerikanischen Community gemacht und auf deren Hilfe gesetzt, um seine Produkte zu bewerben. Nun halten ihn viele für einen »Markenrechts-Bully«.

Den Momofuku-Crunch kann man auch in Deutschland bestellen, für gerade mal 28 Euro plus 10,49 Euro Liefergebühr für ein 150-Milliliter-Glas. Na ja, irgendwie muss man seine Anwälte ja bezahlen. Wir bekommen das günstiger hin. Es wäre doch schade, wenn mehr Leute wüssten, wie man sich so ein knuspriges Öl selbst herstellt. Gerade jetzt, wo es so einen Streit darüber gibt.

Im Kühlschrank hält sich mein (nicht) patentierter Chili-Kronch™ etwa sechs Monate. Er eignet sich super als Geschenk oder Mitbringsel zum Buffet, Picknick oder zur Grillparty. Ich esse ihn gern auf Reis, gebratenem Ei, handgeschlagenen Nudeln, Kartoffelsuppe und Salaten. Andere verfeinern damit Pizza, manche sogar Süßspeisen wie Vanilleeis .

Einkaufsliste für vier Gläser à 250 ml

Links: dringend notwendig. Rechts: optional.

Links: dringend notwendig. Rechts: optional.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 1 Liter neutrales Speiseöl, etwa Raps

  • Mindestens 90 g getrocknete Chilis oder Chiliflocken, nach Vorliebe auch mehr

  • 5–8 Schalotten

  • ½ Knolle Knoblauch

  • 50 ml Sojasoße

  • 20 g Zucker

  • Vier ausgewaschene und abgekochte Gläser

Optional:

  • 50 ml Essig

  • Gewürze wie Zimt, Anis, Ingwer

  • 100 g Sesam oder gehackte Erdnüsse/Cashews

Was kostet das? Zwei Euro pro Glas mit den optionalen Zutaten
Wie lange dauert das? 1,5 Stunden, wenn man sich Zeit lässt

So einfach macht man knuspriges Chiliöl selbst

  • (Wer nur gemahlene Gewürze hat, spart sich diesen Schritt, weil diese im Öl nur verbrennen würden.) Das Öl in einem großen Kochtopf auf mittlere Hitze bringen und die Gewürze wie Zimt, Anis und Ingwer darin für etwa 10 Minuten frittieren, um das Öl zu aromatisieren. Die Gewürze anschließend mit einer Schöpfkelle aus dem Öl fischen und entsorgen.

  • Die Schalotten und den Knoblauch schälen und in möglichst feine Scheiben schneiden. Wer einen feinen Hobel oder eine Mandoline hat, nimmt sie zu Hilfe.

Fotostrecke

Knuspriges Chili-Öl: Die Bild-für-Bild-Anleitung

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • Die Schalotten brauchen deutlich länger als der Knoblauch. Schalotten sind nach 10 bis 15 Minuten fertig, Knoblauch schon nach ein bis zwei Minuten. Gibt man beide gleichzeitig rein, verbrennt Letzterer nur. Daher: Schalotten und Knoblauch NACHEINANDER im aromatisierten Öl knusprig braun frittieren lassen. Wenn die Blubberblasen deutlich nachlassen, ist die meiste Flüssigkeit aus dem Gemüse verschwunden, und wir haben Maximum Crunch erreicht – danach kommt nur noch Asche. Also fix mit der Schöpfkelle herausnehmen und beiseitelegen.

  • Die Chiliflocken und das knusprige Element wie Sesam oder Nüsse in eine hitzefeste Schale oder einen Topf legen, dann das heiße Öl obendrauf gießen. Niemals direkt in ein Glas gießen, dieses könnte springen! Das Öl ist noch lange heißer, als es aussieht.

  • Alles gut abkühlen lassen (etwa 30 bis 45 Minuten) und dann mit Zucker, Sojasoße und Essig abschmecken. Vorsicht: Wenn das Öl noch zu heiß ist, blubbert es bei der Zugabe von Essig und anderen Flüssigkeiten. Also lieber warten.

  • Die knusprigen Schalotten und den Knoblauch unterrühren und alles mit einer Kelle in sterile Gläser umfüllen, etwa abgekochte Marmeladengläser.

Chiliöl mit knuspriger Einlage: Passt auf fast alles

Chiliöl mit knuspriger Einlage: Passt auf fast alles

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Varianten

Wer sich austoben möchte, kann gerade bei diesem Rezept sehr viel ausprobieren. Ein paar Ideen:

  • Zunächst gibt es eine riesige Varianz an Chilisorten, von mittel- und südamerikanischen hin zu asiatischen. Chipotles (geräucherte Jalapeños) bringen etwa einen tollen Rauchgeschmack mit rein. Thailändische Bird’s Eye Chilis sind scharf wie die Hölle, koreanisches Gochugaru hingegen oft vergleichsweise mild. Auch frische Chilis können verwendet werden, dann sinkt aber die Haltbarkeit.

  • Für mehr Tiefe und Herzhaftigkeit kann man auch getrocknetes Pilzpulver hinzugeben oder etwas Würzsoße mit Glutamat.

  • Wer etwa Fünf-Gewürze-Pulver oder weißen Pfeffer hinzufügt, macht dies am besten erst, wenn das Öl weit genug abgekühlt ist, um in Gläser umgefüllt zu werden. Dasselbe gilt für andere Pulvergewürze.

  • Szechuanpfeffer, Curryblätter oder Kaffirlimettenblätter können dem Öl weitere leckere Aromen hinzufügen.

  • Wer mag, kann das Öl oder Anteile davon ersetzen. Sesamöl etwa hat ein tolles Aroma, sollte jedoch nicht zu stark erhitzt werden (sonst geht ebenjenes Aroma flöten). Sesamöl also erst zum Verfeinern am Ende des Prozesses mit ins Glas geben. Soja- oder Erdnussöl bringen viel Eigengeschmack mit und können von Anfang an verwendet werden – kosten aber auch mehr als Rapsöl.

  • Man kann die Menge der knusprigen Einlage deutlich nach oben skalieren. Gerade geröstete und gehackte Erdnüsse sind günstig zu bekommen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren und Nachkochen!

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