DJ werden: »Mir fällt es schwer, einen Preis für meine Kunst zu finden« - DER SPIEGEL
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Berufseinstieg als DJ »Mir fällt es schwer, einen Preis für meine Kunst zu finden«

Madeline Hans hat es von Hauspartys in Hildesheim zu großen Klubs in Berlin oder Paris geschafft. Trotzdem hat Hans manchmal noch Existenzängste – aber auch einen Plan B.
Aufgezeichnet von Sheila Ananda Dierks
DJ Madeline Hans: »Mein Job fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an«
DJ Madeline Hans: »Mein Job fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an«

DJ Madeline Hans: »Mein Job fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an«

Foto:

Max Gross

Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Diesmal: Madeline Hans, 26, legt als ›Ponygirl‹ in Klubs und auf Festivals auf.

Mein erstes Jahr im Job

Alle bisherigen Folgen von »Mein erstes Jahr im Job« finden Sie auf unserer Serienseite. Sie haben Ihren Berufseinstieg selbst gerade hinter sich und möchten davon erzählen? Dann schreiben Sie uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

»Meinen ersten öffentlichen Auftritt spielte ich vor etwa drei Jahren mit einem Freund in einem Hildesheimer Klub. Ich stand völlig angsterfüllt in der DJ Booth, meine Hände zitterten. Mein Freund beruhigte mich und sagte: Er sei da, sollte etwas schieflaufen. Das machte mir Mut, und ich legte meinen ersten Track auf. Nach fünf Übergängen wurde ich ruhiger und konnte anfangen zu genießen, wie die Gäste zu unserer Musik tanzten.

Das Prinzip des Auflegens ist ganz simpel: Ich mixe zwei oder mehr Tracks miteinander und kreiere so ein Set – eine musikalische Reise. Manche DJs machen das analog mit Schallplatten und Plattenspielern. Ich lege mit digitalen Musikplayern, sogenannten CDJs, und einem USB-Stick auf. Als DJ bin ich immer auf der Suche nach Musik und erstelle eine Auswahl an Tracks, die ich dann in Klubs oder auf Festivals auflege.

Von Pink Floyd zu Hypnotic Techno

Schon als Kind war ich viel von Musik umgeben: Meine Eltern spielten Gitarre, zu Hause stapelten sich Platten und CDs. Erst faszinierte mich die Band Pink Floyd, später träumte ich davon, ein Popstar zu werden. Als jugendliche Person entdeckte ich schließlich elektronische Musik für mich, ging auf Hardtech-Partys und kaufte mir mit 18 Jahren meine erste Hardware, eine Korg Electribe, um damit selbst Beats zu produzieren. Die wollte ich dann auch auflegen, besorgte mir einen Controller und spielte zuerst auf Hauspartys und später in kleineren Klubs.

»Auflegen ist mein Weg, mich musikalisch auszudrücken.«

Es ist die Musik, die mich zum DJing brachte und mich bis heute motiviert. Auflegen ist mein Weg, mich musikalisch auszudrücken. Am meisten fasziniert mich Hypnotic Techno – eine minimale Musikrichtung, die aus experimentellen Sounds besteht. Bei einem guten Mix kann aus der Kombination dieser Sounds ein neuer Track entstehen. Diese Überschneidungen zu finden, ist das, was mich reizt.

Ich erinnere mich noch genau an den Gig, der mein Hobby zum Beruf machte. Im Sommer 2024 wurde ich für eine Party in Hannover von einem Berliner Label gebucht. Dieses Set war eines der besten, die ich jemals gespielt habe: Ich traute mich, verschiedene Musikstile miteinander zu mischen. Etwa ein Jahr später hatte die Crew mich offenbar noch immer im Kopf – und fragte mich, ob ich bei ihren Partys Resident werden und damit regelmäßig in Berlin auflegen will. Das war ein großer Schritt, um vom DJing leben zu können: Im Januar 2025 zog ich in die Hauptstadt und konnte mich auf meine Arbeit als Techno-DJ konzentrieren.

Mittlerweile habe ich eine Agentur, die mir hilft, Gigs zu organisieren und bekannter zu werden. Fast jedes Wochenende bin ich unterwegs, verreise für viele meiner Auftritte mit dem Zug oder dem Flugzeug – nach Paris, Kopenhagen, Brüssel. Meist gibt es vor der Party ein Abendessen gemeinsam mit den anderen DJs und dem Booker. Wenn zwischendurch genug Zeit ist, ruhe ich mich im Hotel aus – und fahre mit dem Taxi zum Klub, um dort mein Set zu spielen. Meist verschlafe ich das Frühstück im Hotel und fahre nach dem Auschecken entweder nach Hause oder zu einem anderen Event.

Arbeitsalltag als DJ

Während ich die Wochenenden größtenteils in Klubs, Hotels und Verkehrsmitteln verbringe, arbeite ich wochentags in meinem Studio oder am Schreibtisch. Als DJ und Produzent hat man weit mehr Aufgaben als nur aufzulegen: Ich schreibe Klubs an, produziere neue Musik und versende sie als Promotion an andere DJs, gehe auf Partys, um zu networken, kümmere mich um einen Instagram-Auftritt und telefoniere regelmäßig mit meiner Agentur.

»Wenn meine Kunst nicht angenommen wird, fällt meine Lebensgrundlage weg.«

Trotzdem fühlt sich mein Job für mich nicht wie Arbeit an. Musik ist meine Leidenschaft. Dass ich das hauptberuflich machen kann, ist umso schöner. Gleichzeitig macht mir das auch Druck: Wenn meine Kunst nicht angenommen wird, fällt meine Lebensgrundlage weg. Manchmal habe ich Angst, dass ich dadurch weniger kreativ werden könnte. Was mich dann beruhigt: Sollte es so kommen, könnte ich mich jederzeit mit einem anderen Job finanziell absichern – deshalb habe ich auch mein Bachelorstudium in Lichtdesign beendet.

Das Honorar von DJs orientiert sich an Meilensteinen: Auftritte in bekannten Klubs, im Ausland oder bei einer Radioshow erhöhen den Preis. Mittlerweile bekomme ich für einen Gig etwa 400 Euro, Hotel- und Reisekosten werden zusätzlich bezahlt. Mir fällt es schwer, einen Preis für meine Kunst zu finden, schließlich mache ich nur das, was ich liebe. Aber gleichzeitig muss ich auch davon leben. Mein monatliches Einkommen variiert je nach Anzahl und Gage der Gigs, aktuell verdiene ich monatlich um die 1500 Euro brutto. Zusätzlich bekomme ich noch ein wenig finanzielle Unterstützung von meinen Eltern, bis ich ausreichend mit dem Auflegen verdiene.

Als Newcomer werde ich oft für Openings gebucht, also den ersten Slot eines Abends. Oft wird das abgetan, weil weniger Leute da sind. Ich empfinde es hingegen als eine große Ehre, eine Party zu eröffnen: Man muss die Menschen musikalisch abholen und sie schließlich an den Headliner übergeben. Ein gutes Opening ist wie eine warme Umarmung.

Wovon ich träume: auf eine Australien-Tour zu gehen oder in Japan aufzulegen. Ich kann mir nichts Cooleres vorstellen, als dafür bezahlt zu werden, in diese Länder zu reisen und dort meine Musik zu spielen. Natürlich stehen auch noch einige Klubs auf meiner Bucketlist, als Techno-DJ gehört für mich natürlich auch das Berghain dazu.«

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