Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Gesundheitswissenschaften gewusst hätte
Gesundheitswissenschaftler:innen müssen sich auch mit BWL auskennen (Symbolbild)
Foto: Portra / Digital Vision / Getty ImagesIn der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.
Gesundheitswissenschaftler:innen arbeiten in Krankenhäusern, Gesundheitsämtern oder bei Krankenkassen. Sie erstellen Ernährungspläne, managen Kliniken oder entwickeln Gesundheits-Apps. Die Digitalisierung spielt auch in diesem Berufsfeld eine immer größere Rolle.
Gina Sophie Labahn ist 22 Jahre alt und studiert Gesundheitswissenschaften im ersten Mastersemester an der Hochschule Neubrandenburg. Hier erzählt sie, welche Rolle Jobsicherheit bei ihrer Studienwahl gespielt hat und warum sie froh ist, nebenbei an der Uni arbeiten zu können.
Die Entscheidung für Gesundheitswissenschaften
»Ich habe nach einem Beruf gesucht, der Sicherheit bietet. Gesundheit wird immer ein Thema in einer älter werdenden Gesellschaft sein. Aber ich könnte nie als Ärztin oder Krankenschwester arbeiten, das war mir früh klar. Ich stoße schnell an eine Hemmschwelle, wenn ich mir vorstelle, zum Beispiel als Chirurgin an einem Körper zu operieren.
Mich interessiert vielmehr, was dahintersteht: Wie werden Krankenhäuser gemanagt? Wie kann man Krankheiten vorbeugen? So bin ich auf Gesundheitswissenschaften an der Hochschule Neubrandenburg gekommen, ganz in der Nähe meines Heimatortes.«
Formale Voraussetzungen:
Gesundheitswissenschaften wird an Fachhochschulen und Universitäten gelehrt. An Fachhochschulen ist die Fachhochschulreife Voraussetzung für die Zulassung, an Unis braucht man in der Regel das Abitur oder die Fachgebundene Hochschulreife.
An zahlreichen Hochschulen ist der Studiengang zulassungsfrei , an einigen werden aber auch eigene Zulassungsverfahren durchgeführt.
Was man sonst noch mitbringen sollte: Wer Gesundheitswissenschaften studiert, muss Lust auf politische und rechtliche Themen haben. Es gibt auch Vorlesungen zu Sozialpolitik und Gesundheitsrecht.
Inhalte und Aufbau des Studiums
»Das Fach ist wahnsinnig vielfältig. Am Anfang lernt man Basics in den Fächern Epidemiologie, Gesundheitsförderung und Prävention und an der Hochschule Neubrandenburg je nach selbst gewählten Schwerpunkt auch in Ökonomie. Bei VWL bin ich in der ersten Klausur durchgefallen. Wie sich Angebot und Nachfrage regeln, ist nicht so leicht zu verstehen, wie es auf den ersten Blick scheint. Dann habe ich mich richtig reingekniet und mit anderen zusammen gelernt, beim zweiten Anlauf hat es geklappt.
Typische Pflichtmodule: Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement , Betriebswirtschaftslehre im Gesundheitssektor, Einführung in die Epidemiologie, Einführung in die Gesundheitsförderung und Prävention, Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik, Soziologie und Psychologie
Mögliche Wahlbereiche: Ernährungsverhalten, Gesundheitlicher Verbraucherschutz, Human Resource Management, Mental Public Health, Umwelt und Gesundheit
So sehen die Studiengänge zum Beispiel an der Hochschule Neubrandenburg , an der Universität Bremen und an der Universität Bielefeld aus.
Für mich war auch Rechnungswesen eine Hürde, das musste ich ebenfalls ein zweites Mal schreiben. Anderen ist dagegen Gesundheitsökonomie total schwergefallen, jeder hat individuell mit anderen Fächern zu kämpfen. Ein Kommilitone aus einem höheren Semester hat mal zu mir gesagt: ›Gina, du musst mindestens einmal in deinem Studium durchfallen, sonst hast du irgendwas falsch gemacht.‹ Das hat mich sehr beruhigt.
Ab dem dritten Semester wurde es spezieller. Dann standen Fächer wie Gesundheitsförderung und -prävention, Qualitätsmanagement, Projektmanagement, Gesundheitsökonomie, Sozialpolitik und Recht auf dem Stundenplan. In einem Modul haben wir selbst geforscht: Ich habe mir etwa das Bewegungsangebot in einem Altenheim angeschaut und untersucht, wie gut die Bewohnerinnen es wirklich nutzen.
Im fünften Semester hat man ein Praxissemester, das kann man theoretisch auch im Ausland verbringen. Ich war hier in Neubrandenburg in einem Gesundheitsinstitut, wo Menschen nach einer Reha hinkommen. Dort habe ich in der Verwaltung mitgearbeitet und geholfen, einen Schlaganfallpatienten wieder zu mobilisieren.
Im Bachelor mussten wir hauptsächlich Klausuren schreiben, ab und zu gab es mal eine Hausarbeit oder ein Referat. Im Master ist es jetzt umgekehrt: Wir schreiben hauptsächlich Hausarbeiten oder haben mündliche Prüfungen.
Im Master sind wir nur noch zehn aktive Studierende. Wir haben von Anfang an eine wöchentliche Lernrunde etabliert, momentan natürlich online. Das kann ich nur weiterempfehlen.«
Berufsaussichten nach dem Studium
»Ich weiß noch nicht genau, was ich nach dem Studium machen will, habe aber ein gutes Gefühl, was meine berufliche Zukunft angeht. Ich schaue immer mal, welche Stellenangebote es gibt. Im Moment sind es viele, zum Beispiel im Bereich Qualitätsmanagement, in der Forschung, aber auch in der Digitalisierung von Gesundheitsanwendungen.
Im Master habe ich mich für den Schwerpunkt ›Management, Ökonomie, Recht‹ entschieden. Damit kann ich später im Gesundheitsmanagement, aber auch in der Gesundheitsförderung arbeiten. Außerdem arbeite ich gerade an einem Institut unserer Hochschule, an dem wir an digitalen Gesundheitsanwendungen forschen – genauer gesagt an einem sogenannten humanoiden, also menschenähnlichen, Roboter, der Schlaganfallpatient:innen unterstützt.
Einen Nebenjob an der eigenen Hochschule kann ich jedem empfehlen. So kann man das Gelernte direkt anwenden. Langfristig kann ich mir gut vorstellen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das sich um digitale Anwendungen – wie zum Beispiel so einen humanoiden Roboter oder die Entwicklung einer App, die die Diagnostik oder Behandlung von Patientinnen erleichtert – kümmert und so Gesundheit fördert und Kranken hilft.«
Branchen und Gehälter
Gesundheitswissenschaftler:innen sind sehr gefragt, auch schon nach dem Bachelor . Sie entwickeln zum Beispiel digitale Angebote und Apps für Kranken-, Pflege- und Unfallversicherungen, verwalten Vereine, Alten- oder Pflegeheime und Reha-Zentren, beraten Gesundheitspolitiker:innen, entwickeln die betriebliche und kommunale Gesundheitsförderung weiter oder forschen in der Epidemiologie.
Laut dem Stepstone-Gehaltsreport verdienen Absolvent:innen nach dem Bachelor rund 36.000 Euro und mit Master-Abschluss knapp 43.000 Euro brutto im Jahr.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Textes waren noch ausführlichere Informationen zum Studienschwerpunkt der Protagonistin aufgeführt, hierdurch entstand fälschlicherweise der Eindruck, dies gelte für alle Studiengänge der Gesundheitswissenschaften. Wir haben die Stelle gekürzt und eine weitere Stelle präzisiert. Eine Übersicht über verschiedene Bachelor- und Masterstudiengänge finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Public Health.