Kochen ohne Kohle Gegrillte Käse-Sandwiches mit Blitz-Tomatensuppe – für 2,50 Euro
Alles, was man für die US-amerikanische Brotzeit braucht
Foto:Sebastian Maas
Vergangene Woche wollte ich meiner Frau und mir ein richtiges Luxusessen servieren. Mit viel Trara briet ich Austernpilze und schenkte großzügig Weißwein in eine feine Kräutersauce, in die zuvor schon jede Menge Geld und Zeit geflossen waren. Hier noch etwas Zitronensaft, da noch ein wenig geschmolzene Butter… Das prätentiös aussehende Ergebnis schmeckte nach Schuh.
Leider war mein feines Experiment nicht genießbar. Weil ich alle frischen Zutaten in den Sterneküchen-Fail investiert hatte, blieben nur Brot und Käse, um unseren Appetit zu stillen. Und wenn ich ehrlich bin: Die Kombi mag ich ohnehin lieber. Vor allem, wenn ich ihr eine US-amerikanische Behandlung verpasse.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
»Grilled Cheese«, also gegrillte Käse-Sandwiches, sind dort das Standardgericht für sich selbst versorgende Schlüsselkinder, übernächtigte Studierende und überforderte Wochenendpapas, die nach der Scheidung ein paar Punkte beim Nachwuchs wettmachen wollen.
Oft wird das gegrillte Käsebrot mit einer Tomatensuppe serviert. Die Tradition entstand angeblich nach dem Zweiten Weltkrieg in amerikanischen Schulkantinen, die trotz Geldnot irgendwie ein paar Vitamine in die Kinder bekommen mussten. Die Säure der Tomaten bietet außerdem ein passendes Gegengewicht zum schwer im Magen liegenden Käse.
Das Rezept fällt unter die Kategorie »Kann man gar nicht falsch machen« und dauert von Anfang bis Ende nur etwa 15 Minuten. Sogar, wenn man die Tomatensuppe mit Dosentomaten selbst kochen möchte. Profis wissen außerdem: Am besten wird »Grilled Cheese«, wenn man milde mit intensiven Käsesorten mischt und zusätzlich ein paar Geschmacksbomben aufs Brot legt. In unserem Fall sind das eingelegte Jalapeños und fein geschnittene Schalotten.
Welchen Käse man nimmt, bleibt jedem selbst überlassen: Ich habe mich für Gruyère, Cheddar, Mozzarella und Gouda entschieden
Foto:Sebastian Maas
Das benötigt man für zwei Personen
4 dick geschnittene Scheiben Brot (am besten Sauerteigbrot, es gehen aber auch reguläres Weiß- oder Mischbrot)
etwa 300 g gemischter Käse
etwas Butter/Margarine
1 Schalotte
ein paar Jalapeño-Scheiben aus dem Glas
Für die Suppe:
1 Dose Tomaten (ganz oder in Stücken)
50 ml Sahne
Salz, Pfeffer, Zucker
Falls vorhanden: ein Pürierstab
Wie lange dauert das?
Nicht mehr als 15 Minuten
Was kostet das?
Das hängt natürlich stark von der Menge und Art des verwendeten Käses ab. Pro Person sollte man aber nicht über 2,50 Euro landen.
So einfach macht man »Grilled Cheese«-Sandwiches und Tomatensuppe
Die Schalotte halbieren. Eine Hälfte in dünne Scheiben schneiden, die andere fein würfeln. Die Würfel kurz mit einer Butterflocke in einem Topf anbraten, dann die Dosentomaten hinzugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen und für zehn Minuten abgedeckt bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Wer mehr Zeit hat, kann die Tomaten auch bei kleiner Hitze bis zu einer Stunde lang einkochen lassen. Der Geschmack wird dann immer besser.
Derweil den Kopf darüber zerbrechen, welcher Käse es heute sein darf: eine Mischung aus Gouda, Gruyère, Mozzarella und Cheddar? Amerikanischer Scheibletten- und dänischer Höhlenkäse? Feta und Raclettekäse? (Die Antwort lautet immer »Ja«.)
Nur eine Brothälfte belegen, die andere kommt gleich obendrauf
Foto: Sebastian MaasZwei Scheiben Brot mit den Käsesorten der Wahl belegen. Außerdem die Geschmacksbomben darauf verteilen – heute also Jalapeños und Schalotten. Zwiebeln jeder Art machen sich immer hervorragend in »Grilled Cheese«, weil ihre austretenden Säfte sich durch die sanfte Wärme des Käsebetts gleichmäßig im Sandwich verteilen, ohne später zu scharf zu schmecken. Oliven, getrocknete Tomaten, Rucola, Babyspinat oder geschmorte Pilze passen ebenso.
Die belegten Brote mit der unbelegten Scheibe zuklappen und die obere Außenseite mit Butter bestreichen. Vorsichtig auf der Butterseite in eine heiße Pfanne oder Grillpfanne legen, dann die zweite Seite mit Butter bestreichen. Weiteres Fett braucht man nicht.
Die Sandwiches auf beiden Seiten etwa vier Minuten bei mittlerer Hitze goldbraun anbraten, ab und zu mit einem Pfannenwender draufdrücken und testen, ob in der Mitte alles geschmolzen ist. Wenn viel Käse herausläuft, ist das Sandwich fertig. Die Hitze abstellen und kurz noch einmal der Suppe zuwenden.
Wer einen Pürierstab hat, nutzt diesen nun und veredelt damit die Tomatenmasse. Andernfalls tut es auch ein Kartoffelstampfer, dann wird es natürlich nicht so fein. Die Sahne (und falls Mozzarella auf dem Sandwich landet: die Molke/das »Mozzarella-Wasser«) hinzugeben und noch einmal kurz aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, manchmal hilft sogar eine Prise Zucker.
Make Cheese Great Again
Foto: Sebastian MaasDie Sandwiches halbieren und auf einem Teller aufstapeln, die Suppe in einer kleinen Schüssel dazu servieren. Besteck benötigt man nicht, einfach das Käse-Sandwich in die Suppe dippen. Dazu passen am besten alberne Sitcoms oder Nickelodeon-Comics aus den Neunzigern.
Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon!