Sebastian Maas, DER SPIEGEL:
»Ich zeige dir heute ein Gericht, das so kriminell einfach ist, dass du dich fragst, warum ich dafür extra ein Kochvideo machen musste. Es geht um Pasta mit Wodkasoße. Das ist quasi die Bloody Mary zum Essen und – meiner Meinung nach – die beste Katermedizin. Es ist extrem einfach, mit Zutaten, die man einfach alle im Vorratsschrank hat. Man muss also nicht erst einkaufen gehen. Und wenn man mit einem fetten Schädel aufwacht, ist das ein Segen. Los geht’s.
Die wichtigste Zutat heute ist so ein sexy Klops Tomatenmark, den wir einfach aus dem Vorratsschrank ziehen können. Dazu gibt es eine Zwiebel und ein bisschen Knoblauch. Das ist eigentlich schon das Wichtigste, beziehungsweise es fehlt ja noch ein Shot Wodka. Du kannst auch Korn nehmen, wenn du möchtest. Irgendwas Klares, was nicht so viel Eigengeschmack hat. Und das Ganze benutzen wir als Emulgator. Das bringt nämlich die Tomaten mit einem Schuss Sahne schön zusammen, macht die Soße cremig und sorgt gleichzeitig wie ein Geschmacksverstärker dafür, dass der Tomatengeschmack verstärkt wird und macht die Soße viel leckerer.
Und wenn man dann noch ein bisschen flexen möchte, ein bisschen angeben möchte, dann kann man natürlich noch mit vielen anderen Sachen dazu das Gericht ein bisschen aufpeppen. Egal, ob du jetzt Chili-Flocken nimmst oder ein paar angeröstete Pfefferkörner, Parmesan geht natürlich immer, so wie jeder andere Käse auch und natürlich frischer Basilikum. Deiner Vorstellungskraft sind keine Grenzen gesetzt. Nimm einfach das, was du gerade da hast und womit du ein bisschen aufpeppen möchtest. Und ich leg jetzt einfach mal los, oder? Ja.
Das beste Anti-Kater-Mittel ist ja im übrigen einfach gar nichts zu trinken. Das sagt auch die kanadische Suchtbehörde. Die hat Anfang des Jahres sogar gesagt: Jeder Tropfen ist einer zu viel. Und damit die langjährige Binsenweisheit zurückgenommen, dass ein Glas Wein oder eine Flasche Bier am Abend schon mal in Ordnung ist. Wenn man, wie ich, auf dem Dorf aufgewachsen ist, dann weiß man aber manchmal hat man einfach gar nichts anderes zu tun. Denn die Bushaltestelle am Ortseingang, die ist auch einfach nur dekorativ. Und dann setzt man sich da lieber rein und trinkt mit seinen Freunden ein paar Bier. Und das hat man dann heute davon.
Das war jetzt auch eigentlich schon die meiste Arbeit, die du heute machen musst. Du kannst natürlich auch noch zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht mehr Knoblauchzehen rein machen, wenn du darauf stehst. Ich bleibe erst mal bei zwei. Das ist für mich heute das Maximum.
Einfach ein bisschen Öl in die Pfanne geben und dann anschwitzen. So auf mittlerer Hitze. Anschwitzen heißt: Es soll nicht braun werden. Wir geben danach nämlich noch das Tomatenmark dazu und das wird dann karamellisiert. Wenn wir jetzt schon die Zwiebeln, den Knoblauch braun werden lassen, dann verbrennen die später einfach. Also schön nacheinander und erst mal langsam anfangen.
Das darf jetzt gerne auch ein bisschen mehr rösten und ein bisschen dunkel werden diese was, darum geben der Soße nachher mehr Bums. Also keine Sorge, wenn es ein bisschen dunkelbraun wird, okay.
Hier sehen wir jetzt am Boden der Pfanne, dass es ein bisschen angebrannt ist beziehungsweise angeröstet. Und das ist genau das, was wir haben wollen. Und an diesem Punkt können wir es dann jetzt auch ablöschen. Ich gebe zuerst den Wodka rein, damit der ein bisschen verkochen kann auch, der Alkohol vor allem. Und komm direkt mit der Sahne hinterher.
Hitze ein bisschen runterstellen, einrühren. Damit ist die Basis für unsere Soße eigentlich schon fertig. Sie ist jetzt noch ein bisschen dick und wir werden sie nachher einfach noch mit Kochwasser von den Nudeln ein bisschen verdünnen und cremiger machen. Das funktioniert eigentlich bei allen Soßen und bei Pestos immer gut. Also immer was von dem Kochwasser der Nudeln auffangen.
Damit wir heute zumindest den Hauch eines Nährstoffs drin haben, nehme ich Vollkornpasta. Du kannst natürlich die Pasta nehmen, die du möchtest. Penne eignet sich immer gut für diese Wodkasoße, weil die gut im Inneren der Nudel aufgenommen wird. Aber, ey, schmeiß einfach rein, was du gerade im Lager hast.
Wir haben unsere Soße vorgekocht und wir haben unsere Nudeln vorgekocht. Das Ganze hat jetzt insgesamt vielleicht zwölf Minuten gedauert. Nun schmeißen wir es einfach nur noch zusammen und dann wird es ein bisschen mit dem Nudelwasser vermengt. Für eine richtig schön cremige Soße.
Wir haben jetzt eine richtig schöne Basic-Tomaten-Sahne-Soße mit ein bisschen Wodka drin. Es ist noch ein bisschen heavy, was die Säure angeht. Das Tomatenmark war ein bisschen sauer. Deshalb werde ich gleich noch ein bisschen Salz dazugeben und vielleicht sogar eine kleine Prise Zucker, um es abzuschmecken. Schaut da immer selbst gerne, bevor ihr es serviert, wie ihr es noch ein bisschen perfektionieren könnt. Und das ist jetzt so die 1 € pro Portion Basic-Variante. Super lecker, aber wir können noch ein bisschen flexen und ich zeig dir jetzt kurz noch drei Sachen, die du dazugeben kannst an diesem Zeitpunkt, um es noch geiler zu machen.
Eine absolute Geheimwaffe ist schwarzer Pfeffer. Und zwar nicht einfach nur frisch drüber gemahlen, das ist schon geil, sondern die Pfefferkörner kurz ein bisschen angeröstet in der Pfanne, einfach ohne Fett, mittlere Hitze. Dann wird die Blumigkeit dieses Pfeffers komplett herausgeholt und du hast einen ganz anderen Geschmack und ganz anderes Aroma. Das kennt man auch von Cacio e Pepe, was ein tolles Pasta-Rezept ist. Und ich werde jetzt einfach die Dinger kurz ein bisschen anstoßen, dass sie gar nicht so klein werden, in die Pfanne schmeißen und da kann man sie eben oben drüber streuen.
Wenn du jetzt nicht gerade extrem gut mit Schärfe umgehen kannst, dann würde ich nicht beides auf einmal benutzen. Aber wenn du keinen frischen Pfeffer da hast zum Beispiel, dann hast du hoffentlich ein paar Chili-Flocken zu Hause. Die kannst du mit ins Gericht geben. Entweder an dem Zeitpunkt, wo du die Sahne und den Wodka dazu gibst oder auch einfach jetzt, nachdem die Nudeln in der Soße sind.
Parmesan ist natürlich immer super und du kannst den eigentlich auf alle italienischen Pastagerichte mit drauf geben. Aber, was viele nicht wissen, Parmesan ist zum Beispiel nicht vegetarisch, auch wenn er ein Käse ist. Deshalb kannst du ihn vielen Vegetariern nicht servieren und sie freuen sich, wenn du das weißt und darauf Acht gibst. Du kannst auch Mozzarella zum Beispiel mit reingeben. Da gibt es viele, die vegetarisch sind. Wenn du komplett vegan bleiben möchtest, dann hast du natürlich vorhin auch schon Hafersahne verwendet. Dann lässt du so was wie den Parmesan einfach weg. Du kannst aber auch zum Beispiel Cashews reiben, Cashews anrösten und dann schön einfach über eine feine Reibe geben. Das ist so ähnlich wie Parmesan und komplett vegan. Schmeckt auch sehr lecker.
Das Nonplusultra sind natürlich frische Kräuter obendrauf. Man kann Basilikum auch tiefgefroren kaufen. Ich bin von dem Geschmack aber nicht so richtig überzeugt. Der getrocknete ist auch ein bisschen langweilig. Frischer ist schon am geilsten. Aber diese Töpfe, die man im Supermarkt kaufen kann, halten immer nur ein paar Tage lang. Die Blätter gehen einfach irgendwann ein. Das liegt daran, dass zu wenig Platz in dem Topf ist, um die ganzen Pflanzen zu beherbergen. Und ich zeig dir gleich mal, wie man das besser hinbekommt und wie man sein Basilikum so am Leben erhält, dass man quasi einen unendlichen Vorrat davon für immer zu Hause hat.
Wir werden diese kleinen Pflanzen jetzt einfach vereinzeln und dann in den größeren Topf umpflanzen und dann kriegt man aus diesem kleinen Büschchen so was hier.
Das ist ein Basilikum-Topf, den ich erst vor ein paar Wochen, ich glaube drei oder vier Wochen, vereinzelt habe und dann hier auf diese auf dieses große Ding umgetopft habe. Und ich habe mich sogar schon öfter mal daran bedient, auch heute fürs Kochen. Und das Ding ist so buschig geworden, einfach nur durch ein paar kleine Tricks. Und die zeig ich dir jetzt.
Wir wollen die kleinen Pflanzen jetzt hier aus dem Topf rausbekommen und dafür müssen wir sie erst mal vorsichtig aus der Erde lösen, natürlich. Also diesen kleinen Plastik-Topf entfernen. Und man sieht hier schon, dass die sich komplett rundherum ausgebreitet haben, weil die Raum suchen um sich zu verbreiten. Und ich finde das immer ganz einfach, sie aus der Erde rauszukriegen, wenn man sie nass macht. Also ich packe jetzt einfach den ganzen Block hier so ein bisschen da rein und lasse das ein bisschen durchweichen.
Und jetzt kann man schön im Dreck wühlen, denn man nimmt sich einfach einen alten Topf oder auch einen Topf, wenn man möchte und packt bisschen Erde rein. Es muss nicht die besondere Kräutererde sein oder irgendwas fancymäßiges. Und dann setzt du da deine Basilikum-Stecklinge rein.
Und so machst du dann weiter, bis du irgendwann keinen Platz mehr in irgendeinem deiner Töpfe hast. Und das ist auch in Ordnung. Und was auch in Ordnung ist, wenn nicht alle Pflänzchen es schaffen. Denn natürlich ist das Stress für die. Und du musst sie gleich noch ein bisschen angießen, bisschen Wasser draufmachen, damit sie auch wirklich hier gut wachsen können. Und dann erst mal warten. Ein paar Tage auf jeden Fall nicht davon ernten, vielleicht sogar zwei, drei Wochen Ruhe geben. Und dann gibt es einen extrem guten Trick, wie man wirklich dauerhaft dafür sorgt, dass man immer unendlich viel Basilikum hat. Und das zeig ich dir auch noch kurz.
Denn das Wichtigste ist, dass du den Basilikum an der richtigen Stelle erntest, damit er immer weiter wachsen kann und dabei sogar noch größer wird. Und das passiert, indem man sich eine Stelle sucht, wie hier.
Hier sieht man schon, dass zwei kleine Blätter an der Seite rauskommen wollen und wir knipsen ihn jetzt hier oben ab, direkt da drüber. Und was dann passiert, ist das, was hier zu sehen ist, an dieser Stelle. Ich habe es hier in der Mitte weggenommen und daraus sind zwei neue Arme geworden, die weiter buschig werden. Und wenn man das immer wieder so macht, dann wird dein Basilikum immer größer und breiter und geht nicht nur hoch und knickt irgendwann um, sondern wird wirklich richtig schön buschig. Und du kannst immer von oben schön was abknipsen.
Ganz wichtig, wenn er irgendwann anfängt zu blühen. Das siehst du dann auch oben an der Spitze, dass er dann dicker wird und dass da wirklich schon so sich Blüten abbilden, dann schnell abknipsen auf jeden Fall. Weil dann zieht diese Blüte ganz viel Geschmack raus aus den Kräutern und dann schmecken die Blätter nicht mehr. Also da dann schnell einschreiten und dann guck mal hier, wie, wie buschig. Da habe ich das auch gemacht. Und so breit ist das hier schon geworden. Das ist alles neu gewachsen in nur zwei Wochen oder drei Wochen. Also irre. Viel Spaß beim Gärtnern und viel Spaß beim Nachkochen.
Dann probieren wir es mal aus. Perfekt! Blumiger Pfeffer, geile Soße. Kleine Prise Zucker habe ich noch reingemacht vorhin beim Abschmecken. Perfekt, richtig gut. Was ist eigentlich eure liebste Katermedizin? Schreibt mir das mal in die Kommentare. Reingehauen.«