Lachs-Ersatz aus Karotten: Veganer Räucherfisch ohne Fisch für 50 Cent - DER SPIEGEL
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Lachs ohne Lachs: Meeresfrüchte vom Feld

Lachs ohne Lachs: Meeresfrüchte vom Feld

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Kochen ohne Kohle Laxe Lachs-Interpretation: Räucherfisch ohne Fisch, für 50 Cent

Wer sich keinen Lachs leisten kann oder für das gute Gewissen drauf verzichtet, findet hier eine Alternative. Die selbst norddeutschen Fischköppen wie unserem Autor schmeckt.
Eine Kolumne von Sebastian Maas

Nervt es Sie auch manchmal, dass man kaum noch etwas guten Gewissens essen kann? Je mehr man sich mit der industriellen Landwirtschaft, globalen Lieferketten oder Special-Interest-Themen wie Menschenrechten und Tierschutz beschäftigt, umso schwerer wird es, ohne Reue einzukaufen. Und wenn man doch etwas findet, was dem moralischen Kompass genügt, kann man sich das höchstwahrscheinlich nicht leisten, insbesondere als armer Mensch. Mit wenig Geld ist Bio oft unbezahlbar, ebenso wie Fair Trade. 

Klar, ich könnte einfach nicht darüber nachdenken, wo mein Essen herkommt – »ignorance is bliss«, wie man im Englischen sagt, also »Unwissenheit ist Glückseligkeit«. Das fällt mir aber zunehmend schwer, zumal man sich niemals komplett abschotten kann. Gerade erst vor ein paar Wochen ging wieder ein Video durchs Netz, das komplett von Lachsläusen  zerfressene, aber immer noch schwimmende »Zombie-Lachse« in einer Fischzuchtanlage in Schottland zeigen sollte. Nicht appetitanregend, sage ich Ihnen. Ich bin ein riesiger Lachsfan, aber im Supermarkt möchte ich den Fisch nicht mehr kaufen, seit ich um solche Parasitenprobleme weiß.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Trotzdem möchte ich ungern auf den Geschmack verzichten – ich liebe Lachs auf Brötchen, in Wraps und auf Sushi. Da bin ich nicht der Einzige, Lachs ist der Lieblingsspeisefisch der Deutschen. Und obwohl viele Züchter sich um Nachhaltigkeit bemühen, bleibt die Massenzucht ein schmutziges Geschäft.

Glücklicherweise gibt es eine einfach gemachte Alternative, die zudem auch noch deutlich günstiger und tierfreundlicher ist als das Original: Karotten-»Lachs«. Ja, ja, ja: Lachs aus Gemüse nachzumachen, das ist erst mal eine ziemlich laxe Interpretation von »Fisch«, die ich wahrscheinlich nicht mal an einem grünen Landwirtschaftsminister vorbeimogeln könnte. Aber glauben Sie mir: Das schmeckt. Wirklich, sogar mir als norddeutschem Fischkopp. Die Karotten werden dafür einfach nur in dünne Streifen geschält und kurz blanchiert, dann landen sie in einer rauchig-salzigen Marinade, die den charakteristischen Geschmack gibt.

Auch wer nicht wegen seines Gewissens, sondern wegen einer Fischallergie auf Lachs verzichtet, findet in diesem Rezept eine leckere Alternative. Das einzige Manko ist, dass Karotten im Gegensatz zu Lachs kaum Proteine enthalten. Von Salat schrumpft eben der Bizeps, wie wir von geistreichen deutschen Dichtern wissen.

Für die Marinade begehe ich heute ein »Kochen ohne Kohle«-Sakrileg und verwende ausnahmsweise eine spezielle und nicht im Discounter zu bekommende Zutat: Flüssigrauch. Den kann man einfach im Internet bestellen, im stationären Handel muss man wahrscheinlich länger danach suchen. Schon wenige Tropfen dieser Flüssigkeit reichen, um Marinaden und Soßen eine extrem rauchige Note zu geben, die man sonst nur durch Stunden auf dem Smoker oder in der Räucherkammer hinbekommt. Ich zehre seit Jahren von einer einzigen Flasche für fünf Euro. Wer keine Lust hat, sich für dieses Rezept etwas im Netz zu bestellen, kann auch rauchige Gewürze wie Rauchsalz oder geräuchertes Paprikapulver verwenden.

Das benötigt man für 4 Portionen (als Brot- oder Sushibelag)

Algen sind optional, bringen aber eine salzig-meerige Umaminote mit rein.

Algen sind optional, bringen aber eine salzig-meerige Umaminote mit rein.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 500 bis 600 g möglichst dicke Karotten

  • 1-3 gestrichene TL Salz (nach Geschmack, mit wenig anfangen)

  • 3 EL Pflanzenöl (z.B. Rapsöl)

  • 2 EL Essig (z.B. Apfelessig)

  • 1 TL Zucker

  • 2 EL Kapernsud

  • 7-10 Tropfen Flüssigrauch, alternativ Rauchsalz oder geräuchertes Paprikapulver

Optional:

  • Etwas Dill und Zitronensaft – besonders, wenn man das Ergebnis wie Räucherlachs auf Brot essen möchte

  • Ein Blatt getrocknete Alge (japanisch »Nori« / koreanisch »Gim«) – besonders, wenn man das Ergebnis mit Reis essen möchte

Was kostet das? Insgesamt sollten die verbrauchten Zutaten nicht mehr als 2 Euro kosten, also rund 50 Cent pro Portion.
Wie lange dauert das? Etwa 30 Minuten Arbeit plus mindestens 30 Minuten zum Marinieren.

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Gar es ohne Bares!

Sebastian Maas
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Seitenzahl: 240
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So einfach macht man »Lachs« aus Karotten

  • Die Karotten mit dem Sparschäler schälen. Den Schäler dann verwenden, um möglichst gleichmäßige Streifen von der Karotte abzuschneiden. Am einfachsten geht das, wenn man auf einer Seite anfängt, bis eine glatte Fläche entstanden ist, und die Karotte dann auf diese Fläche hinlegt. So hat man mehr Stabilität beim Schneiden. Vor allem bei den letzten zwei bis drei Streifen schont das die Nerven.

  • Die Karottenstreifen in einen Topf mit kochendem Wasser geben und drei bis fünf Minuten blanchieren, je nach Dicke. Sie sollten nicht so weich werden, dass sie zerfallen und eher al dente bleiben. In der Marinade ziehen sie ja noch nach.

  • Während die Karotten kochen, einfach fix in einer Schüssel oder einer verschließbaren Dose die schnelle Marinade aus Salz, Zucker, Essig, Kapernsud und Flüssigrauch anrühren.

  • Wer Dill und/oder Alge da hat, kann dies ebenfalls mit an die Marinade geben. Dill sorgt für mehr skandinavischen Geschmack und lässt die Karotten etwas nach Graved Lachs schmecken, Nori/Gim sorgen für mehr ostasiatischen Geschmack, ideal für Sushi oder Onigiri. Je nach Algenart kann der Meergeschmack aber auch für die skandinavisch inspirierte Variante lecker sein. Probieren Sie es aus!

  • Die Karotten abgießen und noch warm in die Marinade geben. Vorsichtig rühren und dann für mindestens 30 Minuten ziehen lassen, idealerweise aber noch länger. In einer verschließbaren Dose und im Kühlschrank ist der vegane Lachsersatz durch die konservierende Marinade sicher eine Woche haltbar, der Geschmack wird dabei immer stärker. Und weil kein Tier im Rezept enthalten ist, müssen wir uns weniger Sorgen um die Verderblichkeit machen.

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Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • Ich esse den Karottenlachs heute auf selbst gebackenem Brot, mit etwas Frischkäse und den Kapern, denen ich zuvor die Einlegeflüssigkeit geklaut habe. Noch einen Spritzer Zitronensaft dazu und genießen. Viel Spaß beim Nachkochen!

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