Maschinenbau studieren: Voraussetzungen, Inhalte und Aufbau, Berufsaussichten - DER SPIEGEL
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Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Maschinenbau gewusst hätte

Welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen, wenn ich Maschinenbau studieren möchte? Wie überlebe ich schwierige Klausuren? Und wo finde ich einen Job? Studentin Christina Kwade gibt Antworten.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Mathematik, Physik, Werkstoffkunde und Mechanik – das sind typische Fächer im Maschinenbau-Studium (Symbolbild)
Mathematik, Physik, Werkstoffkunde und Mechanik – das sind typische Fächer im Maschinenbau-Studium (Symbolbild)

Mathematik, Physik, Werkstoffkunde und Mechanik – das sind typische Fächer im Maschinenbau-Studium (Symbolbild)

Foto: Christian Vorhofer / Westend61 / imago images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Dass Ärzte mithilfe von Computertomografie Krankheiten diagnostizieren, ferngesteuerte Roboter den Planeten Mars erkunden und wir mit einem E-Scooter durch die Stadt fahren können, all das haben wir Maschinenbau-Ingenieuren zu verdanken. Sie begleiten die Entwicklung eines Produkts von Anfang bis Ende: von der Konstruktion über die Fertigung bis hin zur Entsorgung. Sie bauen kleine chirurgische Geräte, aber auch große Kraftwerke.

Christina Kwade ist 24 Jahre alt und hat Maschinenbau an der Technischen Universität München studiert. Hier erzählt sie, warum das Fach sie begeistert, wie sie Schwierigkeiten im Studium überwunden hat und wo sie in Zukunft arbeiten möchte.

Die Entscheidung fürs Maschinenbau-Studium 

»Mein Vater ist Bauingenieur, als Jugendliche nahm er mich öfter mit in die Firma. Direkt nach den Abiturprüfungen machte ich dann ein kurzes Praktikum beim Leuchtmittelhersteller Osram, ein Freund der Familie arbeitete dort. Technik hat mich also schon immer interessiert. Ich wollte mich aber im Studium nicht zu sehr festlegen, deshalb schrieb ich mich zunächst für Ingenieurwissenschaften an der TU München ein. Dieser Studiengang ist sehr breit angelegt, nach dem Bachelorabschluss kann man zwischen vielen verschiedenen Masterstudiengängen wählen.

Nach zwei Semestern wechselte ich zum Maschinenbau-Bachelor. Ich hatte die Klausur in Technischer Mechanik endgültig nicht bestanden, wollte aber immer noch Ingenieurin werden. Die Inhalte der beiden Studiengänge liegen nicht weit auseinander und auch die Berufsaussichten ähneln sich sehr. Natürlich war ich erst irritiert, als ich die Klausur nicht bestand – in der Schule hatte ich mit wenig Aufwand immer ziemlich gute Noten gehabt. Aber an der Uni lernt man eben ganz anders: Oft muss man einfach hinnehmen, dass man nicht sofort alles in der Tiefe begreift. Das richtige Verständnis kommt erst mit der Zeit, in den späteren Semestern oder bei Praxisveranstaltungen.«

Formale Voraussetzungen für ein Maschinenbau-Studium:

Was man noch mitbringen sollte: Keine Angst vor Mathe – gerade in den ersten Semestern wird viel gerechnet.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Am Anfang hört man Grundlagenfächer wie Mathe, Physik und Mechanik. An der TU München sind die ersten Kurse vorgeschrieben, es geht auch darum, alle Lehrstühle kennenzulernen. Ich fand beispielsweise die Veranstaltung ›Maschinenelemente zeichnen‹ im dritten Semester besonders schön. Darin zeichnete ich von Hand ein ganzes Getriebe, was ziemlich zeitintensiv war. Aber so verstand ich genau, wie dieses Getriebe aufgebaut ist, wie es funktioniert und wie man solche Zeichnungen liest. In den späteren Semestern geht man dann in die Tiefe und kann selbst Fächer wählen. Richtig spannend wurde es bei Medizintechnik im fünften Semester. Die Vorlesung hielt ein Arzt, der sehr anschauliche Beispiele aus seinem früheren Berufsalltag gab. Er zeigte uns zum Beispiel ein Video von der Operation eines Knochenbruchs, darin sah man, wie Schrauben und Platten in der Praxis eingesetzt werden.

Bei den Wahlfächern sollte man übrigens eine gewisse Offenheit mitbringen und auch mal etwas Neues ausprobieren. Wer sich von Anfang an auf Fahrzeugtechnik festlegt, dem entgehen viele andere spannende Bereiche wie Robotik oder Energietechnik.«

Typische Pflichtmodule: Mathematik, Physik, Informatik, Werkstoffkunde, Mechanik, Thermodynamik, Elektrotechnik

Mögliche Wahlbereiche: Produktionstechnik, Verfahrenstechnik, Energietechnik, Verkehrstechnik, Medizintechnik, Produktentwicklung

Einen beispielhaften Studienverlauf gibt es auf der Website der RWTH Aachen .

»Gerade am Anfang des Maschinenbau-Studiums sind Pensum und Tempo recht hoch, man muss viel auswendig lernen. Da ist es wichtig, dass man sich Mitstreiterinnen und Mitstreiter sucht. Ich hatte das Glück, dass ich schon im ersten Semester gute Freunde gefunden habe, mit denen ich durchs ganze Studium gegangen bin. Wir bearbeiteten die Arbeitsblätter, die man jede Woche bekommt, gemeinsam und halfen uns gegenseitig. Neben den Vorlesungen besucht man außerdem Übungen, die von Tutorinnen und Tutoren gehalten werden. Die sollte man unbedingt ansprechen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Das mag Überwindung kosten, aber die Leute sind schließlich auch nur ein paar Semester weiter im Studium als man selbst.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Weil ich den Kurs in Medizintechnik so interessant fand, suchte ich mir auch ein Praktikum in diesem Bereich. Das war sowieso Pflicht bei uns. Das Luft- und Raumfahrtzentrum in Oberpfaffenhofen hat einen eigenen Bereich für Medizintechnik, dort arbeitete ich drei Monate mit. Es war total gut, mal in die Praxis zu gehen und zu schauen, ob mir dieser Bereich wirklich liegt und wie die Arbeit in einer Firma so abläuft. Und tatsächlich habe ich mich nach meinem Bachelorabschluss dazu entschlossen, mich zu spezialisieren und Medizintechnik im Master zu studieren. Gerade schreibe ich eine Arbeit über chirurgische Instrumente. 

Viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen, vor allem die männlichen, sehen sich in erster Linie in der Automobilindustrie und sind da total festgelegt. Ich fand es für mich besser, auch mal über den Tellerrand zu schauen und andere Bereiche kennenzulernen.«

Branchen und Gehälter:

Maschinenbau-Ingenieurinnen und -Ingenieure sind in vielen Branchen gefragt  – allen voran im Anlagen- und Fahrzeugbau, aber beispielsweise auch in der Medizin- oder Umwelttechnik. Außerdem werden Ingenieure großen Anteil daran haben, wie unsere Industrie künftig aussieht : Dann wird es darum gehen, Maschinen miteinander zu vernetzen und kommunizieren zu lassen.

Maschinenbau-Ingenieure verdienen gut, laut StepStone-Gehaltsreport  liegt das durchschnittliche Jahresgehalt bei über 60.000 Euro brutto. Berufsanfängerinnen starten demnach mit einem Gehalt von knapp 50.000 Euro. Als Ingenieurin hat man übrigens auch mit einem Bachelorabschluss gute Chancen, schnell einen Job zu finden.

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