Rezept für »German Pancake«: Der »deutsche Pfannkuchen«, den in Deutschland niemand kennt - DER SPIEGEL
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Ein dicker Pfannkuchen aus dem Ofen: Der »German Pancake«

Ein dicker Pfannkuchen aus dem Ofen: Der »German Pancake«

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Kochen ohne Kohle Der »Deutsche Pfannkuchen«, den in Deutschland niemand kennt – für zwei Euro

In den USA wird der günstige »German Pancake« aus dem Ofen insbesondere zum Brunch gern serviert. Erzählt man hierzulande davon, schaut man meist in fragende Gesichter. Warum? Schuld könnte ein Kind sein.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
• aus SPIEGEL Start 3/2023

Ich finde es immer wieder spannend zu beobachten, wie Menschen aus einem Land angeblich traditionelle Rezepte und Lebensmittel aus einem anderen Land verwenden. »French Dressing« etwa? Kommt aus den USA – ein auf Ketchup basierendes Salatdressing sucht man in Paris oder Lyon nämlich vergeblich. Der Name Ketchup wiederum stammt aus China: »Ket-Siap« war eine Soße aus Fisch und Muscheln, die Seeleute in den Westen brachten. Dort wurde der Name vom eigentlichen Produkt gelöst und für die süßlich-rote Tomatensoße genutzt, die wir heute als Ketchup kennen. Die Tomate wiederum, die heute den Kern der italienischen Küche bildet, kam erst im 16. Jahrhundert aus Südamerika nach Italien.

SPIEGEL START 3/2023

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Kurz gesagt: Essenstraditionen sind kompliziert. Und um besser zu verstehen, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Küche als Ursprung für etwas gilt, mit dem sie wenig zu tun hat, reden wir nun über etwas, das eigentlich alle kennen. Ob man sie nun Pfannkuchen, Eierkuchen, Omelett(e) oder Palatschinken nennt: Im deutschsprachigen Raum gehört eine einfache Eier-Mehl-Milch-Speise zum Standardrepertoire. Einfach den Teig in eine heiße Backform voller geschmolzener Butter füllen und für 20 Minuten im Ofen backen... Moment mal, so macht man doch keine Pfannkuchen?

Das aber denken Menschen in den USA, wo ein Gericht namens »German Pancake« genauso zubereitet wird. Das Ergebnis ist eine Art süßer Yorkshire Pudding, oder ein Soufflé ohne viel Aufwand. Und genau dieses Rezept kochen wir heute nach.

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Zuerst aber ein kurzer Exkurs: Wie kommt der angeblich deutsche Ofen-Pfannkuchen in den US-amerikanischen Sprachgebrauch? Schuld ist wahrscheinlich (und das Wort ist hier wichtig, denn genau weiß es bis heute niemand) die Tochter von Victor Manca, einem zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Seattle arbeitenden Restaurantbesitzer. Was hat Mancas Tochter getan? Wahrscheinlich einfach etwas falsch verstanden.

In »Manca's Café« stand damals nämlich das beliebte Gericht »Dutch Baby« auf der Karte, ein im Ofen gebackener Pfannkuchen, so überlieferte es der Sohn des verstorbenen Gründers . Möglicherweise hieß das Gericht so, weil der gusseiserne Bräter, in dem das »Baby« gebacken wurde, bei vielen Amerikaner:innen als »Dutch Oven« bekannt war. Nun klingt das englische Wort »dutch« (auf Deutsch: »niederländisch«) sehr stark wie das deutsche Wort »deutsch«. In Teilen der USA wird bis heute noch eine deutsche Sprachvariante gesprochen, die als »Pennsylvania Dutch« bekannt ist – was den Eindruck verstärkt, »dutch« stünde generell für »deutsch«. Und so könnte aus dem im Ofen-Pfännchen gebackenen Pfannkuchen durch einen Verständnisfehler ein deutscher geworden sein.

Vielleicht war es aber auch andersherum und der »German Pancake« war durch Auswander:innen bereits vorher ein stehender Begriff. Die Tochter, so vermutet die Manca-Familie, machte daraus womöglich erst das »Dutch Baby«, weil die servierten Exemplare im Restaurant kleiner waren als der zu der Zeit bereits verbreitete »German Pancake«. Meine Theorie lautet: Die Ofenvariante ist einfach effizienter, als sechs bis acht flache Pfannkuchen nacheinander in der Pfanne zu braten. Und wenn Deutsche im Ausland für eins verschrien sind, dann mechanische Effizienz.

Ernährungshistoriker:innen, bitte macht euch auf die Suche nach der Antwort, während wir das Rezept nachkochen. Ansonsten muss ich hier nämlich erklären, dass das Gericht in den USA manchmal auch »Bismarck« genannt wird...

Das benötigt man für einen »German Pancake«

Die Menge reicht als Hauptspeise für zwei Personen, als Dessert für vier bis sechs.

Obst und Ahornsirup sind optional – je nach Budget geht auch Marmelade

Obst und Ahornsirup sind optional – je nach Budget geht auch Marmelade

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL
  • 1 Becher Mehl (ca. 130 g)

  • 1 Becher Milch (ca. 250 ml)

  • 6 Eier

  • 2 TL Zucker

  • 1 Prise Salz

  • 1/2 TL Zimt

  • 1 Päckchen Vanillezucker

  • 4 EL Butter oder Margarine

  • Etwas Puderzucker

  • Optional: Obst, Ahornsirup, Marmelade. Das Original aus Seattle wurde am Tisch außerdem mit ein paar Spritzern Zitronensaft beträufelt.

Wichtig: Eine möglichst breite Backform, am besten aus Metall oder Glas. Optional gehen auch eine Springform oder eine ofenfeste Pfanne.

Wie lange dauert das? Etwa 25-30 Minuten.
Was kostet das?
Als Hauptgang zwei Euro pro Person, als Dessert etwa einen.

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Gar es ohne Bares!

Sebastian Maas
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So macht man einen »German Pancake«

  • Den Ofen auf 200 Grad (Ober- / Unterhitze) vorheizen und die Backform darin heiß werden lassen. Derweil das Mehl mit Zucker, Salz und Zimt verrühren. Dann Milch und Eier mit einem Schneebesen oder Handrührgerät in die Mehlmischung einarbeiten, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Fünf Minuten ruhen lassen.

  • Ist der Ofen vorgeheizt? Dann die Butter oder Margarine in die heiße Backform geben und für zwei Minuten im Ofen schmelzen lassen. Vorsicht: Gibt man Butter für die komplette Vorheizzeit in die Form, verbrennen die darin enthaltenen Eiweiße und das ganze Gericht schmeckt hinterher verbrannt.

  • Nun den Teig zum heißen Fett in die heiße Form gießen und für zwölf bis 20 Minuten backen, die Ofentür dabei nicht öffnen. Die Backzeit hängt sehr vom Ofen und von der Form ab. Fertig ist »das Baby«, wenn der Rand goldbraun geworden ist und deutlich über die Form hinauswächst. Das Innere sollte im besten Fall noch weich und puddingartig sein. Wem das nicht gefällt, der backt den Pfannkuchen noch etwas länger. Auch mit der Mehlmenge kann man variieren, gibt man etwas mehr hinzu, wird der Teig fester und kuchenartiger.

  • Den »German Pancake« aus dem Ofen holen, mit Puderzucker bestreuen und in mehrere Stücke schneiden. Wer mag, serviert dazu außerdem ein paar Beeren, Bananen oder Ahornsirup.

Im Original aus Seattle bekommt das »Dutch Baby« einen Spritzer Zitronensaft – eine schöne Idee. Aber auch viel anderes Obst passt super dazu.

Im Original aus Seattle bekommt das »Dutch Baby« einen Spritzer Zitronensaft – eine schöne Idee. Aber auch viel anderes Obst passt super dazu.

Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Falls sich hier nun US-Amerikaner:innen melden möchten, um mir zu sagen, dass ich das total falsch gekocht habe: Ich bin Deutscher, ich muss also wissen, wie dieses traditionsreiche Rezept korrekt zubereitet wird! Dabei fällt mir ein, dass in den USA auch der »German Chocolate Cake« ein Standardkuchen ist, den wirklich alle kennen – samt seiner traditionell deutschen... Kokos- und Pecannuss-Glasur? Okay, wo das wirklich herkommt, schaue ich mir vielleicht ein anderes Mal an.

Viel Spaß beim Nachkochen!

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags wurde gesagt, dass »Pennsylvania Dutch« ein »althochdeutscher Dialekt« sei, es ist aber eine auf pfälzischen Dialekten aufbauende Sprachvariante der deutschen Sprache. Die entsprechende Stelle haben wir korrigiert.

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