Kürbisse und Gewürze: Was genau ist Pumpkin Spice?
Foto: Sebastian Maas / Der SpiegelKochen ohne Kohle Was zum ... ist eigentlich Pumpkin Spice?
Ähnlich wie Pilze schießen im Herbst auch die Reklameschilder für Pumpkin-Spice-Latte aus dem Boden, nur eben nicht im Wald, sondern in den Einkaufsstraßen und Flughäfen dieser Welt. Der Trend kommt, natürlich, aus Nordamerika und wurde durch große, ausbeuterische Kaffeehausketten auch nach Europa geschleppt. Aber was ist das eigentlich? Und warum muss es immer gleich sieben bis neun Euro kosten, sobald man es mit warmer Milch aufgießt?
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Im Kern bezeichnet »Pumpkin Spice« eine Gewürzmischung, mit welcher der in Nordamerika und Teilen Englands beliebte Kürbiskuchen verfeinert wird. Ähnliche Mixe wurden auch schon im ausgehenden Mittelalter in Europa verwendet, also kommt der Trend nun bloß 600 Jahre später wieder zu uns zurück. Die Mischung besteht aus Zimt, Nelken, Muskatnuss und Ingwer, jeweils in gemahlener Form. Für Pumpkin Spice (manchmal auch »Pumpkin Pie Spice«) gelten allerdings dieselben Regeln wie für Ras el-Hanout oder Garam Masala: Eine absolut finale »Nur-genau-so-geht-es«-Rezeptur fehlt, Koch und Köchin dürfen sich beim Zusammenstellen austoben. Ich mag etwa Kardamom und Piment in der Mischung, auch Pfeffer oder Orangenschale sind möglich.
Irgendwann kam jemand auf die schlaue Idee, nicht nur Kürbiskuchen, sondern auch andere Dinge mit dieser herbstlich-warmen Gewürzmischung zu verfeinern. Gerade für Getränke eignen sich die pudrigen Gewürze aber ungut, da sie sich kaum auflösen. Das kann umgangen werden, indem man mit den Gewürzen einen Sirup aromatisiert und diesen dann vor dem Abfüllen siebt oder anderweitig filtert. In einigen Rezepturen kommt sogar pürierter Kürbis mit in den Sirup, obwohl dieser gegen die starken Gewürze kaum ankommt und die Haltbarkeit drastisch nach unten senkt. Für die Farbe milchlastiger Getränke hingegen ist das Püree ein Zugewinn, weil die Pumpkin Spice Latte eine dezente orangefarbene Note bekommt.
Es gibt heute gleich zwei Rezepte, einmal für das reine Gewürzpulver und einmal für den Sirup.
Das Pulver eignet sich zum Backen und Kochen herbstlicher Gerichte, von Aufläufen über Kuchen bis zu … geröstetem Kürbis. Oder als Aufpeppung für die täglichen Overnight Oats. Das Pulver hält im aromaversiegelten Glas Jahre.
Der Sirup ist super zum Verfeinern von Süßspeisen oder als Basis für eine »Pumpkin Spice Latte« mit heißer Milch und Kaffee, hält sich aber (mit Kürbis) nur rund zwei Wochen im Kühlschrank. Wer ihn verschenken will, sollte das einplanen. Oder den Kürbis rauslassen.
Ich teile mit Ihnen für beide Gewürzbomben meinen präferierten Mix, passen Sie diesen aber gern an Ihren eigenen Geschmack an.
Das benötigt man für Pumpkin Spice Gewürzmischung
2 EL Zimt (gemahlen)
1 EL Ingwer (gemahlen)
1⁄2 EL Muskatnuss (gemahlen)
1⁄4 EL Nelken (gemahlen)
Optional: 1⁄2 EL Kardamom (gemahlen), 1⁄2 EL Piment (gemahlen)
Was kostet das? Mit Gewürzen vom Discounter etwa 1 Euro pro kleinem Tiegel.
Wie lange dauert das? Wer gemahlene Gewürze kauft, braucht nur zwei Minuten zum Zusammenrühren.
Einfach die Gewürze zusammenrühren und in ein luftdichtes Gefäß füllen. Fertig!
Pumpkin Spice Pulver: Kein Kürbis enthalten, anders als im Sirup
Foto: Sebastian Maas / Der SpiegelDas benötigt man für 200 ml Pumpkin Spice Gewürzsirup
200 g Rohrohrzucker (brauner Zucker)
200 ml Wasser
2–4 EL Kürbispüree, aus dem Glas oder selbst gemacht
4–6 Stangen Zimt
50 g Ingwerknolle, in Scheiben
2 EL Ingwer (gemahlen)
12 Beeren Piment
1 EL Muskatnuss (gemahlen)
6–8 Gewürznelken
Optional: 6–10 Kapseln Kardamom
Wie lange dauert das? Mit Kürbispüree aus dem Glas oder der Dose 20 Minuten. Oder 45, wenn man das Püree selbst herstellen möchte.
Was kostet das? Schwer zu sagen, weil ganze Gewürze manchmal sehr günstig und manchmal sehr teuer verkauft werden. Beispiel Zimt: Ich habe 100 Stangen im Beutel für sechs Euro gekauft, macht sechs Cent pro Stange. Man kann aber auch fünf Stangen für drei Euro im Laden bekommen, macht 60 Cent pro Stange. Ich habe pro Flasche etwa zwei Euro für alle Zutaten gezahlt, aber nageln Sie mich nicht darauf fest. Faustregel: Der Großhändler und der türkische Gemüsehändler sind bei Gewürzen oft günstiger als der Markensupermarkt.
So macht man Pumpkin Spice Sirup:
Den Zucker und das Wasser auf mittlerer Hitze zusammen im Topf erhitzen und leicht aufkochen lassen. Umrühren und auf kleine Hitze reduzieren.
Die Gewürze und das Kürbispüree hinzugeben, einen Deckel auflegen und alles 20 Minuten ziehen lassen.
Alles durch ein feines Sieb gießen und danach in eine Flasche abfüllen. Wer viel Geduld hat, kann auch einen Teefilter nutzen, dann wird das Ergebnis noch feiner.
Den Sirup im Kühlschrank lagern und innerhalb von zwei Wochen aufbrauchen.
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