Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung: Voraussetzungen, Bewerbung, Förderung - DER SPIEGEL
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SPD-Förderwerk Wie man ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt – und was es bringt

In unserer Reihe berichten Studierende von ihren Erfahrungen mit einem Stipendium. Dieses Mal: Polina Gordienko, die als Kind in einer Diktatur lebte – und sich nun für die Sozialdemokratie einsetzt.
Aufgezeichnet von Caroline Becker
Stipendiatin Polina Gordienko: »Das stipendiatische Netzwerk ist das Schönste an dem Stipendium«
Stipendiatin Polina Gordienko: »Das stipendiatische Netzwerk ist das Schönste an dem Stipendium«

Stipendiatin Polina Gordienko: »Das stipendiatische Netzwerk ist das Schönste an dem Stipendium«

Foto: Kornelia Wantuch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Laut myStipendium  gibt es in Deutschland mehr als 3000 Stipendienprogramme. Doch wie bekommt man ein Stipendium, und was kann man von der Förderung erwarten? In der Reihe »Stipendien erklärt« stellen wir verschiedene Stipendiengeber vor – von den großen Begabtenförderungswerken bis zu privaten Stiftungen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung  (FES) steht der SPD nah. Bei der Bewerbung sind neben den fachlichen Leistungen auch gesellschaftliches Engagement und politisches Denken wichtig. Stipendiat:innen sollten sich außerdem mit den Werten der Sozialdemokratie identifizieren.

All das trifft auf Polina Gordienko, 22, zu. Sie engagiert sich parteipolitisch bei der SPD und ist seit 2019 Stipendiatin der FES. Nach einem Bachelor in Volkswirtschaftslehre und einem in Philosophie an der LMU in München konnte sie das Stipendium für ihren Master in Philosophie verlängern.

Die Entscheidung für die Friedrich-Ebert-Stiftung

»Ich bin in Sibirien geboren, in Minsk aufgewachsen und mit 15 zu meiner Tante nach München gezogen. Es war mir wichtig, mich schnellstmöglich zu integrieren. Die Schule hat mir immer Spaß gemacht, mein Abitur bestand ich mit 1,0. Für ein Stipendium braucht man diesen Schnitt aber nicht einmal zwingend.

Ich bin in einem diktatorischen System aufgewachsen. Schon als Schülerin wusste ich, dass die Wahlen in Belarus gefälscht waren. Darüber reden durften wir in der Schule nicht. Diese Erfahrungen politisierten mich. Während meiner Schulzeit in München nahm ich an Uno-Treffen für Jugendliche, dem Europäischen Jugendparlament und einem Planspiel ›Jugend im Parlament‹ teil. Mit 18 trat ich in die SPD ein. Ich leite einen Arbeitskreis zur Europapolitik, bin stellvertretende Vorsitzende in meinem Ortsverein und für die SPD stellvertretende Vorsitzende eines Bezirksausschusses im Münchner Süden.

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Nach meinem Abitur begann ich einen Bachelor in Volkswirtschaftslehre und einen in Philosophie an der LMU in München. Meine Schule hatte mich für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen, aber da konnte ich mich nicht bewerben, weil ich noch keinen deutschen Pass hatte. Stattdessen bewarb ich mich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung – ich war ja bereits in der SPD aktiv und hatte außerdem das Gefühl, dass die Leitwerte der Stiftung – ›Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität‹ – gut zu mir passen.«

Die Begabtenförderungswerke

Die 13 Begabtenförderungswerke  unterstützen Studierende und Promovierende sowohl finanziell als auch ideell. Sie stehen in Verbindung mit Parteien, Religionsgemeinschaften oder anderen Organisationen. Laut myStipendium  bieten sie deutschlandweit ein Viertel der Stipendien an; den größten Teil davon finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung .

Der Bewerbungsprozess

»Der erste Schritt war ein Onlineformular mit Fragen zu meinem fachlichen und familiären Hintergrund und einem kurzen Motivationsschreiben. Im zweiten Schritt musste ich meine Noten und zwei Gutachten von Hochschuldozent:innen einreichen. Nach einem Semester kannte ich allerdings keine Professor:innen persönlich. Also ging ich in die Sprechstunde von zwei Professor:innen, deren Vorlesungen mir Spaß machten, erläuterte ihnen die Situation, zeigte ihnen meine Noten und meinen Lebenslauf. Sie erklärten sich gleich bereit, ein Gutachten zu schreiben.

Einige Monate später wurde ich zu einem Gespräch mit einem Professor in Augsburg, etwas später zu einem weiteren Gespräch mit einem Professor in Karlsruhe eingeladen. Beide hatten einen volkswirtschaftlichen Hintergrund, weshalb ich dachte, dass wir viel über Wirtschaft sprechen würden. Beim ersten Gespräch unterhielten wir uns jedoch hauptsächlich über mein politisches und soziales Engagement und über meinen Lebenslauf. Es war wider Erwarten sehr locker. Im zweiten Gespräch ging es eher um mein Philosophiestudium. Im November 2019 erhielt ich die Zusage.«

Voraussetzungen und Auswahlkriterien

Um in einer der parteinahen Stiftungen aufgenommen zu werden, ist Parteizugehörigkeit kein Muss. Die Bewerber:innen sollten sich aber mit den jeweiligen Werten der Stiftung identifizieren. Für die Bewerbung zählen:

  • Überdurchschnittliche Leistungen (auch ein Zweierschnitt kann reichen)

  • Gesellschaftliches oder soziales Engagement (von Klassensprecher:in bis NGO ist alles möglich)

  • Motivation und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein; außerdem die Frage, wie gut die Bewerber:innen zur Stiftung passen

Der Bewerbungsprozess ist oft mehrstufig. In der Regel brauchen Bewerber:innen Gutachten und müssen einen Fragebogen ausfüllen, bevor sie zu persönlichen Bewerbungsgesprächen und/oder Auswahltagen eingeladen werden.

Hinweis: Wegen der Coronapandemie haben einige der Begabtenförderungswerke den Bewerbungsprozess leicht verändert. Die Auswahlgespräche finden zum Beispiel vermehrt online statt.

Das Stipendium

»Durch meine zwei parallelen Studiengänge hatte ich im Bachelor jedes Semester doppelt so viele Kurse wie meine Kommiliton:innen. Außerdem engagiere ich mich sozial und parteipolitisch. Die finanzielle Förderung war für mich deshalb erst mal das Wichtigste an dem Stipendium, um finanziell unabhängig und flexibel zu sein. Ich stellte aber schnell fest, dass die ideelle Förderung eigentlich das Coolste daran ist – das Netzwerken, die Seminare, die Möglichkeit, Menschen zu treffen, die so denken wie ich. Das hatte ich mir zuvor gar nicht so vorgestellt.

Jeden Monat gibt es in der Hochschulgruppe verschiedenste Veranstaltungen. Mal geht es in einer lockeren Runde eher um den Austausch, mal um Inhaltliches. Es gab etwa einen Spaziergang durch München mit Vorträgen zum Postkolonialismus. Die Stiftung erwartet, dass man mindestens zwei Seminare oder Veranstaltungen pro Semester besucht und zu Beginn das zweieinhalbtägige Einführungsseminar. Das fand bei mir wegen der Pandemie online statt. Es gibt Arbeitskreise von umweltpolitischen bis zu philosophischen Themen.

In der FES dürfen wir Stipendiat:innen viel mitbestimmen und wählen auch eine Bundesvertretung. Druck verspüre ich eigentlich keinen. Jedes Semester schicke ich meiner Betreuer:in, mit der ich per Du bin, einen Semesterbericht zu meinen Noten, Plänen und meinem Engagement. Damit gibt es aber eigentlich nie Probleme. Übrigens sind viel weniger Stipendiat:innen in der Partei aktiv, als ich dachte. Die meisten engagieren sich umweltpolitisch oder sozial. Manchmal würde ich mir dennoch wünschen, es gäbe noch mehr Veranstaltungen mit den Stipendiat:innen anderer Begabtenförderungswerke, damit ich mich mit Menschen außerhalb der sozialdemokratischen Bubble austauschen kann.«

Die Förderung

Finanziell: Die Rahmenbedingungen sind bei allen Begabtenförderungswerken gleich . Pro Monat erhalten Stipendiat:innen pauschal 300 Euro sogenanntes Büchergeld. Je nach Einkommen und Vermögen der Studierenden und ihrer Eltern können in Anlehnung ans Bafög bis zu 752 Euro pro Monat dazukommen, außerdem Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Promovierende erhalten ein Stipendium in Höhe von 1350 Euro pro Monat.

Ideell: Die Teilnahme an Seminaren und Hochschulgruppentreffen der Begabtenförderungswerke wird meist erwartet. Stipendiat:innen können sich auch selbst einbringen, Seminare organisieren oder Hochschulgruppen leiten. Darüber hinaus bieten die Stiftungen oft freiwillige Zusatzangebote wie Mentoring-Programme, Networking Events und Workshops.

Fazit

»Das Netzwerk ist wirklich das Schönste an dem Stipendium. Mittlerweile kenne ich Stipendiat:innen an vielen Hochschulorten, die auch engagiert sind. Wir haben auch eine Art internes soziales Netzwerk, über das man sich austauschen und organisieren kann.«

Transparenzhinweis: Die Autorin ist selbst Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung, der parteinahen Stiftung der CDU.