CDU-Förderwerk Wie man ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung bekommt – und was es bringt
Stipendiat Frane Skaro: »Mir war von Beginn klar, dass ich in eine politische Stiftung wollte«
Foto: Ani SkaroLaut myStipendium gibt es in Deutschland mehr als 3000 Stipendienprogramme. Doch wie bekommt man ein Stipendium, und was kann man von der Förderung erwarten? In der Reihe »Stipendien erklärt« stellen wir verschiedene Stipendiengeber vor – von den großen Begabtenförderungswerken bis zu privaten Stiftungen.
Auch Frane Skaro, 21, aus Berlin wird seit mehr als zwei Jahren über ein Stipendium der KAS gefördert. An der Freien Universität Berlin hat er Betriebswirtschaftslehre studiert und gerade seine Bachelorarbeit abgegeben. Zum Wintersemester beginnt er an der Technischen Universität Berlin einen Master in »Innovation Management, Entrepreneurship and Sustainability«.
Die Entscheidung für ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung
»Mein Vater lebt in Kroatien. Meine Mutter hat zwar in Deutschland Abitur gemacht und Steuerfachangestellte gelernt, so etwas wie eine Förderung während des Studiums aber war bei uns nie Thema. Mein Onkel nahm mich schließlich in der zwölften Klasse zur Seite und sprach mit mir über die Möglichkeiten von Stipendien. Zusätzlich machte ich mich im Netz schlau.
Mir war von Beginn klar, dass ich in eine politische Stiftung wollte. Ich hatte immer schon ein Interesse für Politik, seit 2017 arbeite ich im Europäischen Jugendparlament mit. Bei der KAS konnte ich mich am besten mit dem christlichen Wertebild identifizieren, mein Glaube ist mir wichtig. Das Bekenntnis zur Europäischen Union und zur sozialen Marktwirtschaft sagte mir ebenso zu. Zum Zeitpunkt meiner Bewerbung war ich allerdings kein CDU-Mitglied – und bin es bis heute nicht.
Wichtiger als die finanzielle ist mir die ideelle Förderung. Die Seminare der KAS bieten wirklich gute Möglichkeiten, sich tiefer zu informieren und zu vernetzen. Das Geld half mir vor allem dabei, mich auf mein Studium zu konzentrieren.«
Der Bewerbungsprozess
»Zunächst reichte ich damals eine ganze Menge an Unterlagen ein; einen ausformulierten Lebenslauf und einen Onlinefragebogen, in dem es vor allem um mich als Person ging. Es wurde zum Beispiel gefragt, welche Bücher ich in der Freizeit lese, was für Musik ich höre. Außerdem wurden ein Persönlichkeits- und ein Fachgutachten ehemaliger Lehrer:innen verlangt, die zeigen sollten, wie geeignet ich für das BWL-Studium bin.
Die 13 Begabtenförderungswerke unterstützen Studierende und Promovierende sowohl finanziell als auch ideell. Sie stehen in Verbindung mit Parteien, Religionsgemeinschaften oder anderen Organisationen. Laut myStipendium bieten sie deutschlandweit ein Viertel der Stipendien an; den größten Teil davon finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung .
Die politischen: Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP), Hanns-Seidel-Stiftung (CSU), Heinrich-Böll-Stiftung (Die Grünen), Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), Rosa Luxemburg Stiftung (Die Linke)
Die religiösen: Avicenna-Studienwerk (muslimisch), Cusanuswerk – Bischöfliche Studienförderung (katholisch), Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (jüdisch), Evangelisches Studienwerk Villigst (evangelisch)
Weitere: Stiftung der Deutschen Wirtschaft , Studienstiftung des deutschen Volkes , Hans Böckler Stiftung (Deutscher Gewerkschaftsbund)
Meine Noten in der Schule waren immer gut. Doch Noten sind nur einer von mehreren Faktoren. Ebenso wichtig ist es, zu zeigen, dass man für Ziele und bestimmte Werte einsteht – Persönlichkeit und soziales Engagement also. Zusätzlich zum Engagement im Jugendparlament war ich Klassen- und Schulsprecher, habe außerdem Jugendlichen mit Migrationsgeschichte ehrenamtlich Nachhilfe gegeben.
Nachdem ich meine Unterlagen eingereicht hatte, wurde ich zu den Bewerber:innentagen in die Zentrale der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin eingeladen. Mit mir waren etwa 50 weitere Bewerber:innen da.
Um in einer der parteinahen Stiftungen aufgenommen zu werden, ist Parteizugehörigkeit kein Muss. Die Bewerber:innen sollten sich aber mit den jeweiligen Werten der Stiftung identifizieren. Für die Bewerbung zählen:
Überdurchschnittliche Leistungen (auch ein Zweierschnitt kann reichen)
Gesellschaftliches oder soziales Engagement (von Klassensprecher:in bis NGO ist alles möglich)
Motivation und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein; außerdem die Frage, wie gut die Bewerber:innen zur Stiftung passen
Der Bewerbungsprozess ist oft mehrstufig. In der Regel brauchen Bewerber:innen Gutachten und müssen einen Fragebogen ausfüllen, bevor sie zu persönlichen Bewerbungsgesprächen und/oder Auswahltagen eingeladen werden.
Hinweis: Wegen der Coronapandemie haben einige der Begabtenförderungswerke den Bewerbungsprozess leicht verändert. Die Auswahlgespräche finden zum Beispiel vermehrt online statt.
In einem Allgemeinwissenstest wurde vor allem Politik, Zeitgeschehen, aber auch Historisches abgefragt. Neben einem Essay zu einem aktuellen Thema gab es noch Gruppengespräche und ein etwa einstündiges Bewerbungsgespräch mit dem Prüfungskomitee. Wir sprachen über meinen bisherigen Weg und meine Motivation, aber auch Themen, die aus dem Wissenstest aufgegriffen wurden. Zu Beginn der Auswahltage war ich noch sehr nervös und fühlte mich etwas unsicher. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es nicht darum geht, jemanden zu bewerten, sondern während der drei Tage zu schauen, ob man zur KAS passt. Zwei Wochen später bekam ich die E-Mail mit der Zusage.«
Das Stipendium
»Zu Beginn findet ein einwöchiges Grundlagenseminar statt, das für jede:n verpflichtend ist. Man wird dort mit den Werten der Stiftung vertraut gemacht, auch eine Führung durch das einstige Wohnhaus Konrad Adenauers bei Bonn haben wir bekommen. Danach kann man sich Veranstaltungen aus dem Programmplan aussuchen, mindestens vier Seminare im Laufe der Förderzeit sind Pflicht. Ich habe zuletzt ein Seminar zu den aktuellen Herausforderungen des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks besucht, wo wir unter anderem mit Chefredakteur:innen diskutieren konnten. So etwas macht schon Spaß.
Finanziell: Die Rahmenbedingungen sind bei allen Begabtenförderungswerken gleich . Pro Monat erhalten Stipendiat:innen pauschal 300 Euro sogenanntes Büchergeld. Je nach Einkommen und Vermögen der Studierenden und ihrer Eltern können in Anlehnung ans Bafög bis zu 752 Euro pro Monat dazukommen, außerdem Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Promovierende erhalten ein Stipendium in Höhe von 1350 Euro pro Monat.
Ideell: Die Teilnahme an Seminaren und Hochschulgruppentreffen der Begabtenförderungswerke wird meist erwartet. Stipendiat:innen können sich auch selbst einbringen, Seminare organisieren oder Hochschulgruppen leiten. Darüber hinaus bieten die Stiftungen oft freiwillige Zusatzangebote wie Mentoring-Programme, Networking Events und Workshops.
Mir ist es außerdem wichtig, dass ich mein ehrenamtliches Engagement weiterführen kann. Als Mentor und Sprecher des Patenschaftsprogramms »Senkrechtstarter« unterstütze ich Jugendliche mit Migrationsgeschichte aus Nichtakademiker:innen-Haushalten.
Natürlich sind einige andere Stipendiat:innen in der CDU oder der Jungen Union aktiv. Dies ist aber keine Voraussetzung für ein Stipendium bei der KAS, und es gibt auch innerhalb der Stiftung eine Vielfalt an Meinungen. Gerade sachliche Kritik wird immer geschätzt.
Verpflichtet bin ich, regelmäßig Leistungsnachweise und Jahresberichte hochzuladen. Mit meinem Notenschnitt hatte ich bislang jedoch nie Probleme.«
Fazit
»Früher hatte ich mal Vorurteile gegenüber Stipendien und den Menschen, die sie bekommen. Ich dachte, dass dort selten Menschen mit Ecken und Kanten eine Chance hätten und nur Überflieger genommen würden. Diese Vorurteile sind mittlerweile Geschichte. Aus meiner bisherigen Zeit habe ich viel ziehen können.«