Studienorte entdecken »Alle, die mich besuchen, sind überrascht, wie schön Braunschweig ist«
Studentin Mascha Pfeiffer, Studienort Braunschweig: »Ich habe schnell Anschluss gefunden und bin umgeben von grünen Oasen«
Foto: Privat / [M] Sarah Dillon / DER SPIEGEL; Fotos: Mascha Pfeiffer, Stefan Ziese / Zoonar / IMAGOOb Raumfahrt, Elektrotechnik oder Gesundheit – Braunschweig ist ein Hotspot für Wissenschaft und Forschung. Mehr als 19.000 Menschen sind in den zahlreichen Forschungseinrichtungen der Region tätig.
Mascha Pfeiffer tauschte 2021 ihre Heimat Bielefeld gegen Braunschweig. Für ihr Studium wollte sie raus aus ihrer Komfortzone, etwas Neues ausprobieren – und obwohl sie kein richtiges Bild von Braunschweig hatte, wagte sie den Schritt. Heute studiert die 25-Jährige im zweiten Semester den Master Organisation, Governance und Bildung an der TU Braunschweig. Sie sagt: »Alle, die mich besuchen, sind überrascht, wie schön Braunschweig ist.«
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Meine Uni verteilt sich auf mehrere Standorte. Googelt man die TU Braunschweig, werden zuallererst Bilder von unserem Hauptcampus nahe der Innenstadt angezeigt. Dort befindet sich das Hauptgebäude, ein altes, eindrucksvolles Gebäude, sowie die meisten Hörsäle, eine der Mensen und die Unibibliothek. Daneben gibt es noch den Campus Ost und den Campus Nord, an dem ich durch meinen Studiengang die meiste Zeit verbringe. Er ist mit dem Fahrrad circa 15 Minuten vom Hauptcampus entfernt und war früher eine Kaserne.
Mensaessen in Braunschweig: Freitag ist Pizzatag
Foto: Mascha PfeifferDas Unileben findet zum Großteil auf dem Hauptcampus statt. Direkt neben dem Unigebäude wurde vor ein paar Jahren das Studierendenhaus eröffnet, wo ich gern zum Lernen und Coworken hingehe. Das Gebäude ist wirklich schön und hat schon mehrere Architekturpreise gewonnen. Nicht nur der Fluss Oker ist vom Hauptcampus bloß einen Katzensprung entfernt, sondern auch der Botanische Garten. Die studentische Gesundheitsinitiative bietet dort über Hochschulsport immer wieder Yoga- und Achtsamkeitskurse an. Das möchte ich unbedingt ausprobieren. Auch zum Essen bleibe ich gern auf dem Zentralcampus. In der Mensa gibt es jeden Tag ein vegetarisches Sparmenü für 2,95 Euro, und am Freitag ist Pizzatag. Mein Favorit ist allerdings das Curry mit Tempeh. Eine Portion mit Reis kostet etwas über 4 Euro.«
Rund 253.000 Einwohner, etwa 17.000 Studierende
zweitgrößte Stadt in Niedersachsen
Sehenswürdigkeiten: Residenzschloss, Dom St. Blasii, Magniviertel, Happy Rizzi House
Berühmtheiten: Wolfgang Kubicki, Gronkh, Carl Friedrich Gauß
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Braunschweig hat viele schöne Ecken. Die Stadt ist sehr grün und es gibt jede Menge hübsche Häuser aus der Gründerzeit, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aufwendig restauriert wurden. Die Innenstadt mit vielen Fachwerkhäusern wird wie ein Ring von der Oker umschlossen. Außenherum schließen sich das westliche und östliche Ringgebiet an. Besonders letzteres ist zum Wohnen beliebt. Es gibt viele Cafés und irgendwie versprüht das ganze Viertel Großstadtflair. Ganz in der Nähe liegt auch der Prinz-Albrecht-Park mit Sportanlagen, Biergarten und Liegeflächen.
Ich wohne in einer WG auf der westlichen Seite. Nicht ganz so hip, aber mir gefällt es dort sehr. Direkt vor meiner Tür liegt der Inselwallpark, und die Oker fließt langsam vorbei. Zum Nordcampus brauche ich mit dem Fahrrad etwa eine Viertelstunde, und auch mit den Öffis bin ich gut angebunden. Für mein 15-Quadratmeter-Zimmer zahle ich 340 Euro warm. Ich kenne aber einige, die mehr zahlen.«
Die Technische Universität ist die größte Hochschule in Braunschweig. Im Wintersemester 2024/25 waren 15.600 Studierende eingeschrieben. Neben der Universität gibt es in Braunschweig noch die Hochschule für Bildende Künste sowie die Welfenakademie .
Der Medianpreis für ein WG-Zimmer in Braunschweig lag im Sommersemester 2025 bei 400 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation. Das Studierendenwerk OstNiedersachsen vermietet Einzel- und Doppelapartments sowie WG-Zimmer in zehn Wohnheimen. Die Preise liegen zwischen 245 und 1043 Euro.
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Obwohl Braunschweig die zweitgrößte Stadt in Niedersachsen ist, entschleunigt sie mich. Ich liebe es, mit meiner Kamera durch die Straßen zu schlendern und die schöne Architektur zu bewundern. Auch die Cafékultur ist super. Im Café Lüttes gibt es die besten Zimtschnecken der Stadt, im Mollys leckere Avocadoschnitten, und wer richtig guten Kaffee möchte, sollte ins Kapai in der Friedrich-Wilhelm-Straße gehen. Wer die Stadt aus einer anderen Perspektive kennenlernen möchte, kann sich für ein paar Euro ein Tretboot oder ein Kanu ausleihen und auf der Oker eine Runde drehen.
Durch das Kulturticket bekommen Studierende auch freien Eintritt ins Staatstheater sowie ins Theater Fadenschein. Die Karten können nach Verfügbarkeit ab drei Tage vor der Vorstellung an der Tageskasse abgeholt werden. Kostenlos ist auch das Open-Air-Sommerkino am Lessingplatz. An sechs Terminen werden in einem idyllischen Garten Filmklassiker wie ›The Truman Show‹ oder ›Space Jam‹ gezeigt. Was ich auch sehr empfehlen kann, ist ein Ausflug in das Naherholungsgebiet Riddagshausen oder in den Harz – dort ist man mit dem Auto in nur 45 Minuten.
Abends schnappe ich mir gern meine Freund:innen, um auf die Meile zu gehen. Hier reihen sich Kneipen und die Braunschweiger Klubs aneinander. Ziemlich beliebt bei meinen Kommiliton:innen und mir ist der Klub Eule. Dort zahlen Studierende donnerstags keinen Eintritt. Direkt daneben ist das Heat, wo man 10 Shots für 10 Euro bekommt. Einmal im Jahr legen in den Klubs keine DJs, sondern Professoren und Professorinnen auf. Das Event heißt ›Profs at Turntables‹. Jede:r hat einen Zeitslot und legt andere Musik auf. Das bringt echt Spaß und macht die Professor:innen greifbarer.«
Braunschweig ist die Geburtsstätte des deutschen Fußballs. Im Jahr 1874 organisierte der Lehrer Konrad Koch auf dem heutigen Campus der Technischen Universität ein Fußballspiel, das mitunter als das erste auf deutschem Boden angesehen wird. Ein Jahr später veröffentlichte Koch die ersten deutschen Fußballregeln, in denen er unter anderem erklärt, wann ein Spieler im Abseits steht.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Ob ich für immer in Braunschweig bleibe, weiß ich noch nicht. Ich fühle mich wohl in der Stadt, habe schnell Anschluss gefunden und bin umgeben von grünen Oasen, in denen ich mich gut entspannen kann. Ich kann mir gut vorstellen, hier auch meinen ersten Job anzufangen, um dann zu schauen, wohin die Reise geht.«
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels waren der Aufbau des Hauptcampus sowie die Aufteilung der Innenstadt falsch beschrieben. Wir haben die Ortsangaben korrigiert.