Unistadt Dresden im Porträt »Hier zu studieren, war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können«
Student Trotte, Studienstadt Dresden: »Ich bin sehr glücklich hier«
[M] DER SPIEGEL; Fotos: Privat, Kirill Rudenko / Moment RF / Getty Images
»Dresden hat mir große Freude gemacht und meine Lust, an Kunst zu denken, wieder belebt. Es ist ein unglaublicher Schatz aller Art an diesem schönen Orte«, schrieb Johann Wolfgang von Goethe über die heutige sächsische Landeshauptstadt. Der Dichter war beeindruckt von der Stadt und ihren Kunstschätzen – genauso wie es jedes Jahr Tausende Tourist:innen sind.
Dass Dresden auch jungen Menschen richtig viel bietet, erzählt Maximilian Trotte, 22 Jahre. Der Student kommt ursprünglich aus Taucha bei Leipzig und wohnt seit zwei Jahren in Dresden. Er studiert Medienforschung und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dresden.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Die TU Dresden hat mehrere Standorte: den Campus am Universitätsklinikum, den Campus Johannstadt und den Hauptcampus. Die Veranstaltungen der meisten Studiengänge finden aber am Hauptcampus statt. Außerdem gibt es Außenstellen in Tharandt, Chemnitz und Zittau. In Tharandt wird unter anderem der Studiengang Forstwissenschaft angeboten, und die TU hat dort ein eigenes Waldgebiet.
Eigenes Waldgebiet: Ein Standort der TU Dresden in der Kleinstadt Tharandt
Foto:Gabriele Hanke / IMAGO
Ich studiere am Hauptcampus in der Südvorstadt. Er schließt direkt an ein Wohngebiet an und ist somit in die Stadt integriert, die Grenzen sind fließend. Mit dem Bus braucht man vom Hörsaalzentrum gerade einmal fünf Minuten bis zum Hauptbahnhof. Der Campus ist ziemlich groß, vom einen zum anderen Ende laufe ich rund 30 Minuten. Deswegen nehme ich immer das Fahrrad oder den Bus.
Ein charmanter Mix: Der Campus der TU in Dresden
Foto:Robert Michael / picture alliance
Hier stehen klassische Lehrgebäude und Studierendenwohnheime – aber auch ein Forschungsreaktor und eine Hochspannungshalle. Der Campus ist über die Jahre hinweg sehr gewachsen, das sieht man auch an den unterschiedlichen architektonischen Stilen. Ich würde es als charmanten Mix aus Altbau, DDR-Architektur und Nachwendezeit beschreiben. Das Hörsaalzentrum ist ein moderner Glasbau, die Altbauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind inzwischen natürlich saniert. Hinter dem Hörsaalzentrum liegt eine große Wiese, auf der sich viele Studierende zum Picknicken oder Volleyballspielen treffen. Hier findet einmal im Jahr auch ein großes Campusfestival mit Livemusik statt – ein Highlight für viele Studierende.«
Landeshauptstadt von Sachsen
Nach Leipzig zweitgrößte Stadt des Bundeslandes
Rund 573.000 Einwohner:innen, davon etwa 38.800 Studierende
Wahrzeichen: Frauenkirche, Zwinger, Brühlsche Terrasse, Residenzschloss
Berühmtheiten: Erich Kästner, Caspar David Friedrich, Paula Modersohn-Becker, Jan Josef Liefers, Olaf Schubert
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Ich wohne in der Dresdner Neustadt. Sie liegt auf der nördlichen Seite der Elbe, gegenüber der historischen Altstadt. Die Neustadt ist das Szeneviertel mit alternativem Flair, hier ist immer was los. Der Stadtteil ist geprägt von Gründerzeitbauten, deren Fassaden oft bunt mit Streetart bemalt sind. Viele Studierende und junge Menschen leben in der Neustadt, es gibt eine große Auswahl an Bars, Cafés, Restaurants und Kunstausstellungen.
Mein WG-Zimmer ist 20 Quadratmeter groß, dafür zahle ich 350 Euro warm im Monat. Als Nachteil der Neustadt muss man festhalten: Der Weg zum Campus ist recht lang, gerade, wenn man weiter nördlich wohnt. Dann braucht man um die 30 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Viele Studierende wohnen deswegen im Stadtteil Löbtau im Südwesten, dort sind auch die Mieten günstiger. Löbtau ist etwas ruhiger und sehr grün, dort lässt es sich entspannt wohnen. Von da aus fahren viele Busse direkt zur Uni. Löbtau wird von einigen mittlerweile als die ›neue Neustadt‹ bezeichnet, weil es jede Menge Spätis, Cafés und Geschäfte gibt.«
Die Neustadt gilt als Szeneviertel, ist aber weiter weg vom Campus
Foto:Max Trotte
Dresden hat elf Hochschulen. Fünf davon sind staatlich: Technische Universität Dresden , Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden , Hochschule für Bildende Künste Dresden , Palucca Hochschule für Tanz Dresden und Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden . Die größte ist die TU Dresden, eine Volluniversität mit rund 120 Studiengängen in 14 Fakultäten.
Der Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer lag im Februar 2024 bei 350 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit WG-gesucht.de und GBI. Das Studentenwerk Dresden stellt Plätze in 27 Studierendenwohnheimen zur Verfügung .
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Nicht nur, weil ich in der Neustadt wohne, halte ich mich dort viel auf. Es ist einfach immer was los, was mir sehr gut gefällt. Dreh- und Angelpunkt ist der Albertplatz, hier fahren die meisten Straßenbahnen ab. In der Umgebung liegen viele Ausgeh- und Essensmöglichkeiten. Ich gehe gern zu ›Marmaris‹, einem Dönerladen in der Louisenstraße, der richtig lang geöffnet hat. Hier schmeckt es immer gut und der Imbiss ist in der ganzen Stadt bekannt.
Nachtleben in der Louisenstraße: Viele Ausgeh- und Essensmöglichkeiten
Foto:Thomas Roetting / DUMONT Bildarchiv / picture alliance
Die Alaunstraße verbindet den Albertplatz mit dem Alaunpark. Dort liegen viele Secondhandläden und kleine Buchhandlungen, die ich sehr empfehlen kann. Manche haben einen Fokus auf alte Bücher, manche auf Geschichte und Politik, was ich sehr spannend finde. Hier stöbere ich am Wochenende gern durch. Auf der Straße gibt es auch richtig viele Bars, durch die man sich probieren kann. Im Alaunpark treffe ich mich im Sommer oft mit meinen Freunden zum Sport machen oder Bier trinken.
Dresden gilt als die Hauptstadt der Studentenklubs, einige gibt es schon seit DDR-Zeiten. Sie liegen in den Studierendenwohnheimen und werden ehrenamtlich von Studierenden geführt. Manche sind eher kneipenähnlich, einige wie richtige Klubs mit Tanzfläche. Außerhalb des Campus gibt es etwa den ›Sektor‹, wo Technopartys stattfinden, oder der Klub ›Gisela‹, der donnerstags vergünstigten Eintritt für Studierende und Karaoke anbietet.
Was ich zu jeder Jahreszeit empfehlen kann: ›Kino im Kasten‹, ein von Studierenden geführtes Programmkino der TU, das sich in einem alten Hörsaal befindet. Hier kann man nicht nur Filme schauen, sondern auch im Kinobetrieb mitwirken: von Kinotechnik über Öffentlichkeitsarbeit bis zu Gastronomie. Im Sommer werden die Filme draußen auf der Hörsaalwiese gezeigt.«
»Elbflorenz« wird die sächsische Landeshauptstadt oft wegen ihrer Architektur genannt. Und tatsächlich sind die prägenden Bauten wie der Zwinger, die Frauenkirche und die Semperoper von der italienischen Stadt Florenz inspiriert. August der Starke, Kurfürst von Sachsen, beauftragte den Bau der heute historischen Stätten nach mehreren Italienreisen.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»In Dresden zu studieren, war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Ich bin sehr glücklich hier. Neben dem Studium bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit des Studierendenrats verantwortlich, was mir großen Spaß macht.
Viel Abwechslung: Dresden hat einiges zu bieten
Foto: Harald Nachtmann / Westend61 / Getty ImagesBesonders gut gefällt mir die Abwechslung, die Dresden zu bieten hat. Von Geschichte und historischen Bauwerken über die Barszene und Kulturangebote bis hin zur nahen Sächsischen Schweiz. Deswegen tendiere ich aktuell dazu, auch meinen Master hier zu machen. Auch nach meinem Abschluss könnte ich mir vorstellen, hierzubleiben. Aber das ist ja noch einige Jahre hin, und diese Entscheidung muss ich jetzt noch nicht fällen.«