Studieren in Freising: Campus, Wohnviertel, WG-Zimmer-Preise, Kneipen - DER SPIEGEL
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Unistädte im Porträt »Anschluss zu finden, war in Freising kein Problem«

Vor der Uni in die Isar springen, abends Kneipen und Biergärten besuchen: Freising punktet mit Gemütlichkeit und Nähe zur Natur, erzählt Student Tian Beutel. Und die Großstadt München ist trotzdem immer in Reichweite.
Aufgezeichnet von Antonia Faltermaier
Student Tian Beutel, Studienort Freising: »Nicht so anonym und schnelllebig ist wie München, aber trotzdem nicht öde«
Student Tian Beutel, Studienort Freising: »Nicht so anonym und schnelllebig ist wie München, aber trotzdem nicht öde«

Student Tian Beutel, Studienort Freising: »Nicht so anonym und schnelllebig ist wie München, aber trotzdem nicht öde«

[M] DER SPIEGEL; Fotos: Privat; FooTToo / iStockphoto / Getty Images

Wer durch Freising geht, merkt schnell: Die Stadt an der Isar schmückt sich nicht umsonst mit dem Titel »Rosen- und Gartenstadt«. Allein auf der sogenannten Roseninsel zwischen Bahnhof und Innenstadt wachsen mehr als 80 unterschiedliche Rosensorten.

Auch Tian Beutel schätzt das Grün der Stadt. Der 21-Jährige ist in München aufgewachsen, zog für sein Studium aber ins circa 30 Kilometer entfernte Freising. Dort studiert er seit 2023 Arboristik und Urbanes Waldmanagement an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT), die nach ihren beiden Standorten benannt ist: Weihenstephan, einem Stadtteil von Freising, und Triesdorf, einem Gemeindeteil des Marktes Weidenbach im Landkreis Ansbach.

Stadt, Land, Studium

Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.

Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?

Campusleben: Standort, Mensa und Café

»Das Erste, was beim Campus auffällt, ist, dass er ziemlich grün ist. Es gibt viele Bäume, Wiesen sowie Versuchs- und Sichtungsgärten, wo die Gartenbauer:innen Obst und Gemüse anpflanzen können. Generell hat man an der HSWT viel Praxis, das finde ich toll. Auf dem Weihenstephaner Berg wurde auch ein Arboretum angelegt, also eine Sammlung verschiedener Bäume. Von dort hat man eine gute Sicht bis nach München, über den nahe gelegenen Flughafen und auf die Alpen.

Auch eine der beiden Mensen liegt auf dem Berg. Die Auswahl ist sehr fein. Es gibt eine große Salatbar, viele günstige Beilagen und immer ein vegetarisches Gericht. Eine Sache, die manche lieben und manche hassen, ist das Ein-Euro-Gericht. Es ist meistens ein veganer Eintopf mit Reis und Hirse, schmeckt okay, ist aber auch ziemlich matschig. Dafür kostet es nur einen Euro. Im Café des Studierendenwerks gibt es leckere Burger. Es ist etwas teurer als die Mensa, man bleibt aber auch mit Pommes und einem Getränk locker unter zehn Euro.

Campus der HSWT: Schöne Aussicht

Campus der HSWT: Schöne Aussicht

Foto:

IVORY Productions

Das Campusleben ist sehr lebendig. Es gibt viele Feste, die von den Fakultäten organisiert werden. Auch die Partys der TUM School of Life Sciences, mit der wir uns einen Teil des Campus teilen, sind sehr beliebt. Einmal im Jahr findet außerdem das Kino am Rang statt. Dann kann man neun Tage auf der zentralen Wiese kostenlos Filme schauen. Veranstalter ist der gemeinnützige Verein ›Prima leben und stereo‹. Auch das Green Office veranstaltet regelmäßig kleinere Events wie Kleidertauschpartys oder Fahrradreparatur-Workshops. Ich engagiere mich außerdem im Queer Kollektiv. Wir treffen uns alle zwei Wochen, diskutieren über politische Themen und planen Veranstaltungen, um die Sichtbarkeit von queeren Studierenden zu erhöhen.«

Freising in Kürze
  • gelegen an der Isar, etwa 30 Kilometer von München entfernt

  • etwa 49.000 Einwohner:innen, circa 9500 Studierende

  • Sehenswürdigkeiten: Diözesanmuseum Freising, Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, Weihenstephaner Gärten

Wohnen: WG-Preise und Stadtteile

»Ich bin mit vier Freund:innen in eine WG in Neustift gezogen, ein weitläufiges Stadtviertel auf dem Lankesberg. Es ist ziemlich ruhig, mit Schulen, Spielplätzen und einem Wald zum Spazierengehen in der Nähe. Fährt man den Berg runter, ist man in drei Minuten in der Innenstadt. Auch zum Campus brauche ich mit dem Fahrrad nur zehn Minuten, obwohl er auf der anderen Seite der Stadt in Weihenstephan liegt. Auch dort wohnen viele Studierende, genauso wie in den Stadtteilen Vötting oder Lerchenfeld.

Innenstadt von Freising: Definitiv günstiger als München

Innenstadt von Freising: Definitiv günstiger als München

Foto:

Privat

Unsere Wohnung misst etwa 100 Quadratmeter. Die Zimmer sind zwischen 15 und 20 Quadratmeter groß und kosten zwischen 370 und 450 Euro warm. Das finde ich okay und es ist definitiv günstiger als München. Wir haben sogar einen kleinen Garten, in dem man gemütlich sitzen und Spieleabende veranstalten kann. Fast alle meiner Freund:innen wohnen in WGs oder in einem Wohnheim und sind damit sehr zufrieden.«

Studieren und Wohnen in Freising

Die beiden Hochschulen in Freising sind die TUM School of Life Science , die zur Technischen Universität München gehört, und die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf . Das Profil der HSWT ist auf grüne Ingenieurstudiengänge ausgelegt.

Ein WG-Zimmer kostete 2024 durchschnittlich rund 509 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit WG-gesucht.de und GBI. Das Studierendenwerk München Oberbayern  stellt Plätze in drei Wohnheimen zur Verfügung. Die monatliche Miete liegt im Schnitt bei 360,80 Euro.

Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub

»Ich mag an Freising, dass die Stadt nicht so anonym und schnelllebig ist wie München, aber trotzdem nicht öde. Jede:r kennt jede:n und wenn ich in die Stadt gehe, treffe ich immer Freund:innen. Das Herz der Innenstadt bildet die Obere Hauptstraße – eine autofreie Zone mit vielen Cafés und kleinen Geschäften. Ich gehe gern ins Café Übrig, das erste Foodsharing-Café Bayerns. Dort kochen Ehrenamtliche leckere Gerichte aus geretteten Lebensmitteln. Foodsharing ist in Freising generell ein Ding. Es gibt auch einen Verteiler am Campus, wo man Lebensmittel mitnehmen kann, und viele Betriebe machen mit.

Auf dem Nährberg liegt die älteste Brauerei Deutschlands, weshalb die Bierkultur in der gesamten Stadt sehr ausgeprägt ist. Es gibt viele Biergärten und Kneipen, in denen abends gern Karten gespielt wird. Zu den Standards gehören das Furtner, das Sammamera oder Etcetera. Klubs gibt es in Freising nicht wirklich, dafür kann man aber immer nach München fahren. Das dauert zwischen 45 und 20 Minuten, je nachdem, welchen Zug man erwischt. Ich bin fast jede Woche in München, um Freund:innen oder Events im Jugendzentrum zu besuchen.

Im Sommer radle ich gern zum Pullinger See. Das Wasser ist glasklar und es gibt große Liegeflächen. Auch die Isar ist ein fester Teil des Freisinger Lebens. Sie fließt direkt neben der Stadt vorbei. Freund:innen von mir lieben es, direkt vor der Uni um sieben Uhr morgens hineinzuspringen, das habe ich aber noch nicht gemacht. Etwa eine Stunde außerhalb von Freising liegt der Weltwald. Dort wachsen Bäume aus Asien, Amerika und Europa – für mich natürlich super spannend. Man kann gut zur Ruhe kommen und viel über Bäume lernen. Es ist aber auch ein Touristenmagnet und im Winter kann man Schlittschuhlaufen. Etwas außerhalb von Freising liegt auch der Schafhof, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst. Dort kann man nicht nur kostenlos Ausstellungen besuchen, sondern auch gut essen gehen und entspannen.«

(Mehr oder weniger) Wissenswertes über Freising

Alt, älter, Freising! Die Staatsbrauerei Weihenstephan gilt als die älteste Brauerei der Welt, die noch in Betrieb ist. Bereits im Jahr 1040 bekam der damalige Benediktiner-Abt der Stadt die Erlaubnis, in Freising Bier zu brauen und auszuschenken. Außerdem soll der Legende nach in Freising das älteste erhaltene Buch der deutschen Sprache verfasst worden sein. Der »Codex Abrogans« ist ein lateinisch-althochdeutsches Synonymwörterbuch, das heute in der Stiftsbibliothek von St. Gallen aufbewahrt wird.

Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?

»Da sowohl die Studiengänge als auch die Stadt recht klein sind, war es für mich kein Problem, Anschluss zu finden. Ob ich noch einen Master anhängen will, weiß ich noch nicht; falls ja, dann auf jeden Fall in Freising. Mir fehlt es hier an nichts und ich fühle mich sehr wohl. Und wenn ich anfange zu arbeiten, wäre es durch die Lage kein Problem, nach München zu pendeln.«

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, auf dem Domberg liege die älteste Brauerei Deutschlands. Tatsächlich liegt sie auf dem Nährberg. Außerdem wird das Festival Plus Open Air am Vöttinger Weiher in diesem Jahr nicht stattfinden. Wir haben die Stellen korrigiert.