Unistädte im Porträt »Wer Kleinstadtflair sucht, ist in Kaiserslautern genau richtig«
Studentin Vogel, Studienstadt Kaiserslautern: »Man kennt sich – und selbst wenn nicht, wird freundlich gegrüßt«
[M] DER SPIEGEL; Fotos: Sebastian Weber / RPTU; Michael Weber / imageBROKER / picture allianceIn Kaiserslautern kann man an einer der jüngsten Unis des Landes studieren. Erst vor zwei Jahren fusionierten die Technische Universität Kaiserslautern und der Campus Landau der Universität Koblenz-Landau zur Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Oder kurz: zur RPTU.
Kira Vogel studiert dort im fünften Semester Biophysik im Bachelor. Aufgewachsen in »so einem kleinen Dorf ums Eck« hatte die 21-Jährige Kaiserslautern schon immer als Studienstadt auf dem Schirm. Ihren Umzug hat sie noch keine Sekunde bereut.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Begonnen habe ich mein Studium noch an der TU Kaiserslautern, die vor mehr als 40 Jahren als erste technisch-naturwissenschaftliche Universität in Rheinland-Pfalz gegründet worden ist. Nach meinem ersten Semester stand dann die Fusion zur RPTU an. Das hatte auf uns Studierende allerdings keine großen Auswirkungen. Der Name hat sich zwar geändert, die Gebäude, Studiengänge und Dozent:innen sind aber gleich geblieben.
Campus der RPTU: Direkt am Pfälzerwald
Foto: Thomas Löber / RPTUDie RPTU ist eine sehr familiäre Uni. Die Türen zu den Büros der Professor:innen stehen wortwörtlich immer offen, sodass man bei Fragen einfach kurz vorbeischauen kann. Um uns Erstsemester auch außerhalb der Vorlesungen zu vernetzen, hat meine Fachschaft für uns unter anderem ein Wochenende in einem kleinen Haus in der Nähe von Ramstein organisiert. Wir haben Nachtwanderungen gemacht, Spiele gespielt und verschiedene Vorträge über unseren Studiengang gehört. Für mich war diese Fahrt der perfekte Start. Mittlerweile bin ich selbst als Betreuerin dabei und engagiere mich im Fachschaftsrat.
Der Campus liegt etwas außerhalb der Stadt, direkt am Pfälzerwald. Im Sommer werden jeden Tag circa 20 Hängematten zwischen den Bäumen gespannt, sodass man auch in der Mittagspause kurz in der Natur abschalten kann. Ansonsten gehe ich mittags immer in die Mensa. Dort essen nicht nur Student:innen, sondern auch Professor:innen sowie Fachleute von nahe gelegenen Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut. Diese Nähe ist natürlich praktisch für Studierende, die gerade ihre Abschlussarbeit schreiben oder einen Job als studentische Hilfskraft suchen. Trotzdem findet man in der Mensa immer einen Platz und die Auswahl ist riesig. Mein All-Time-Favorit ist Schnitzel mit Pommes, Salat und einer Suppe für 3,80 Euro. Falls man zwischen zwei späten Vorlesungen Hunger bekommt, hat von Montag bis Donnerstag die Abendmensa bis 19 Uhr geöffnet. Da gibt es dann Kleinigkeiten wie belegte Brote, Suppen oder Kaiserschmarrn.
Der Humbergturm: Eines der Wahrzeichen der Stadt
Foto: Thomas Löber / RPTUSollte es noch später werden, kann man am Donnerstag direkt in den Nachbrenner gehen. Das ist unsere Uni-Kneipe, die von der Fachschaft Elektrotechnik geleitet wird. Da kann man entspannt kickern, den Tag ausklingen lassen und Bier für einen Euro trinken.«
fünftgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz
rund 101.000 Einwohner:innen, davon etwa 13.000 Studierende
Sehenswürdigkeiten: Humbergturm, Burg Hohenecken, Japanischer Garten Kaiserslautern
Berühmtheiten: Mark Forster, Stefanie Giesinger
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Die Wohnsituation in Kaiserslautern würde ich als relativ entspannt bezeichnen. Die meisten meiner Freund:innen leben in einem der Studentenwohnheime, die sich über die ganze Stadt verteilen und in denen man auch kurzfristig einen Platz bekommen kann. Für ihre 17 bis 20 Quadratmeter großen Zimmer zahlen sie ungefähr 380 Euro warm. Eins der Wohnheime liegt sogar direkt auf dem Unicampus. Für mich persönlich wäre es aber nichts, nur 50 Meter vom Hörsaal entfernt zu wohnen. Ich mag meine aktuelle Lage sehr gern. In der Nähe des Hauptbahnhofes teile ich mir eine Wohnung mit meinem Freund. Von dort brauche ich ungefähr zehn Minuten mit dem Bus zum Campus, mit dem Fahrrad fahre ich etwa 15 Minuten.
Ein typisches Studentenviertel gibt es in Kaiserslautern nicht. Die meisten wohnen so wie ich zwischen Stadtmitte, Hauptbahnhof und Uni. Perspektivisch könnte ich mir allerdings auch vorstellen, auf den Lämmchesberg auf der anderen Seite des Bahnhofes zu ziehen. Dort ist es grüner, es fahren weniger Autos. Es ist quasi wie ein kleines Dorf in der Stadt – allerdings sind die Mieten etwas höher.«
Die beiden Campus der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU ) liegen in Kaiserslautern und Landau. Insgesamt werden über 160 Studiengänge angeboten, der Fokus liegt auf technischen und angewandten Wissenschaften. Zum Wintersemester 2023/24 waren rund 17.000 Studierende eingeschrieben, davon rund 10.000 in Kaiserslautern. Der Semesterbeitrag liegt bei 316,40 Euro und beinhaltet auch die Kosten des Deutschlandtickets.
Neben der RPTU gibt es noch die Hochschule Kaiserslautern mit den Fachbereichen »Angewandte Ingenieurwissenschaften« und »Bauen und Gestalten«.
Der Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer lag im Februar 2024 bei 367 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit WG-gesucht.de und GBI. In Kaiserslautern gibt es sieben Wohnanlagen und Stadthäuser, die über das Studierendenwerk Kaiserslautern vermietet werden.
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Das Leben in Kaiserslautern ist so wie an der Uni: sehr familiär. Man kennt sich – und selbst wenn nicht, wird freundlich gegrüßt. Passend dazu gibt es viele gemütliche Cafés mit leckeren Frühstücks- und Brunchangeboten wie das Café Selen (ehemals Café Susann) oder das Café Royal. Das ist quasi Zwei-in-eins. Unten eine Kaffeerösterei mit leckeren Kuchen, oben eine Kneipe mit Billardtischen. Es ist zwar nicht das Bier für einen Euro wie im Nachbrenner, aber die Preise sind immer noch studentenfreundlich.
Ich genieße es, an meinen freien Tagen durch die Altstadt zu schlendern, in der Buchhandlung Blaue Blume in der Richard-Wagner-Straße zu stöbern oder ins Unionskino zu gehen. Da laufen nicht nur ausgefallene Filme; das letzte Mal, als ich da war, stand auf einmal der Regisseur auf der Bühne, um mit uns über seinen Film zu diskutieren. Weil Kaiserslautern so naturnah ist, fahre ich auch gern raus. In nur 10 Minuten ist man mit dem Fahrrad im Lautertal, wo man gut wandern kann und auch der Pfälzerwald liegt direkt vor der Tür. Eins meiner jährlichen Highlights ist ›Swinging Lautern‹. Dann werden für drei Tage in der ganzen Altstadt mehrere Bühnen aufgebaut, sodass man umsonst gleich mehrere Konzerte an einem Wochenende erleben kann.
Altstadt von Kaiserslautern: Hier lässt es sich schlendern
Foto: Gerald Abele / imageBROKER / picture allianceNeben den vielen Kneipen in der Altstadt gibt es noch die Nachtschicht. Ein großer Klub, der sogar über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Mehr Spaß machen mir allerdings die Feten an der Uni. Sie werden ungefähr im Zwei-Monats-Rhythmus von einzelnen Fachschaften organisiert und finden im Foyer auf dem Campus statt. Ich liebe es zu sehen, wie kurz nach der letzten Vorlesung bis zu 2000 Leute gemeinsam feiern und Spaß haben. Für Erstis ist der Eintritt zur ersten Fete im neuen Semester außerdem kostenlos.«
Der Japanische Garten in Kaiserslautern erstreckt sich über ein Gelände von 13.500 Quadratmetern und gehört damit zu den größten japanischen Gärten Europas. Studierende der RPTU haben ab 14 Uhr freien Eintritt.
Ein kleines Teufelchen namens »Betzi« ist das Maskottchen des 1. FC Kaiserslautern. Und seit Oktober 2024 auch Verkehrslotse: Auf Wunsch von Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) wurde in der Nähe des Polizeipräsidiums ein »Betzi«-Ampelmännchen installiert.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Wer nach Kleinstadtflair sucht, ist in Kaiserslautern genau richtig. Auch ich mag den Vibe der Stadt und da es an der RPTU einen Masterstudiengang gibt, der mich ziemlich interessiert, könnte ich mir gut vorstellen, die nächsten Jahre noch hier zu verbringen. Aber mal sehen, was die Zeit bringt.«