Unistädte im Porträt »Im Sommer findet man ganz Konstanz am Wasser«
Studentin Marie-Louis Kindsvater, Unistadt Konstanz: »Studieren in einer Stadt, in der andere Urlaub machen«
[M] DER SPIEGEL; Fotos: Lissy Fee Zurheide
Der Bodensee, der Rhein und die Schweiz in Laufweite: Konstanz bietet Studierenden eine imposante Kulisse. Auch Marie-Louis Kindsvater schätzt ihren Studienort sehr. Die 23-Jährige lebt seit 2021 in Konstanz und studiert im siebten Semester Psychologie an der Universität Konstanz.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Unser Campus liegt oberhalb der Innenstadt auf dem Konstanzer Gießberg, den wir naheliegenderweise nur Uniberg nennen. Er ist von einem Wald umgeben, und in nur zehn Minuten ist man am Bodensee, der für das gesamte Leben in Konstanz eine zentrale Rolle spielt. Dort liegt auch das Sportgelände, es gibt einen kleinen Unistrand, und über den Hochschulsport kann man Segelkurse belegen oder sich Stand-up-Paddle-Boards ausleihen.
Im Verhältnis zur Stadt finde ich unseren Campus schon recht groß. Die Unigebäude sind von A bis Z benannt und stammen zum Großteil aus den Siebzigerjahren. Sie sind ziemlich bunt und wirken an manchen Stellen etwas zusammengewürfelt, aber auf keinen Fall langweilig. Es gibt einen Biergarten, einen kleinen Unizoo mit Axolotls, und einmal im Jahr bauen die Chemiker:innen einen singenden Weihnachtsbaum vor ihrem Fachschaftsraum auf.
Universität Konstanz: Bunter Campus
Foto:Dagmar Schwelle / MTK
Obwohl ich zu Beginn meines Studiums niemanden an der Uni kannte, habe ich mich nie alleingelassen gefühlt. Um grundlegende Fragen zu klären und die Erstsemester untereinander zu vernetzen, organisieren die meisten Fachschaften Fahrten auf nahe gelegene Hütten. Dabei habe ich direkt meine Freundesgruppe kennengelernt. Um keine Veranstaltung zu verpassen, würde ich allen empfehlen, so schnell wie möglich in die WhatsApp-Gruppe der jeweiligen Fachschaft einzutreten.
Neben der Universität gibt es noch die Hochschule Konstanz mit einem Premiumplatz direkt am Wasser. Räumlich sind wir relativ streng getrennt, dafür gibt es bei den Hochschulgruppen viele Überschneidungen. Es ist zum Beispiel überhaupt kein Problem, beim Hochschultheater mitzumachen, wenn du an der Uni eingeschrieben bist. Dasselbe gilt für alle anderen Gruppen.«
Größte Stadt am Bodensee
Rund 87.000 Einwohner:innen, etwa 15.000 Studierende
Liegt direkt an der Grenze zur Schweiz
Sehenswürdigkeiten: Bodensee, Meersburg, Insel Mainau, Imperia
Berühmtheiten: Ferdinand Graf von Zeppelin, Oliver Wnuk
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Ich wohne in einem Stadtteil, den ich nicht unbedingt als Student:innenviertel bezeichnen würde. Wollmatingen liegt etwas außerhalb der Innenstadt und ist familienfreundlich. Trotzdem sollte man die Gegend nicht unterschätzen. Es ist ruhig, sehr gut angebunden, und ich bin schnell im Grünen. Zur Uni brauche ich mit dem Bus etwa 20 Minuten.
In meiner WG leben insgesamt sieben Menschen. Das klingt intensiv, ich würde es aber gegen nichts in der Welt tauschen. Meine Mitbewohner:innen sind meine kleine Familie in Konstanz. Mein Zimmer ist 14 Quadratmeter groß und hat ein eigenes Badezimmer. Dafür zahle ich 450 Euro warm, was ziemlich durchschnittlich ist.
Wohnen in Konstanz: Besonders beliebt ist das »Paradies«
Foto:bodenseebilder.de / IMAGO
Besonders beliebt unter Studierenden sind Zimmer im Paradies. So heißt das Viertel zwischen Altstadt und Rheinufer. Die Wohnheime liegen vor allem in Petershausen oder Allmannsdorf, aber auch in den umliegenden Dörfern und über der Grenze wohnen Student:innen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es schwierig sein kann, direkt ein unbefristetes WG-Zimmer in Konstanz zu finden. Auch ich habe während meines ersten Semesters zur Zwischenmiete gewohnt und mich vor Ort aktiv auf die Suche gemacht. Ich kenne auch viele Leute, die zuerst in die umliegenden Dörfer gezogen sind und von da aus angefangen haben, direkt in der Stadt zu suchen.«
Die Universität Konstanz hat mehr als 11.000 Studierende. Der Semesterbeitrag für das Sommersemester 2025 beträgt 189 Euro. Darin ist auch das Semesterticket enthalten. Die Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) ist mit circa 4500 Studierenden und 40 Studiengängen etwa halb so groß.
Ein WG-Zimmer kostete im Jahr 2024 durchschnittlich rund 523 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit WG-gesucht.de und GBI. Hier gibt es eine Übersicht über Wohnheimplätze.
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Bei gutem Wetter findet man 90 Prozent der Konstanzer:innen irgendwo am Wasser. Am liebsten schlendere ich mit Freund:innen am See entlang, oder wir machen ein Picknick am Schänzle, einer kleinen Wiese direkt am Fluss. Quasi ums Eck befindet sich die vom Studierendenwerk betriebene Strandbar. Dort wurde direkt am Wasser Sand aufgeschüttet, überall stehen Liegen, und es gibt Aperol.
Freizeitvergnügen in Konstanz: Am liebsten am Wasser
Foto:Leo Leister / MTK
Meine Freund:innen und ich witzeln oft darüber, dass wir in einer Stadt studieren, in der andere Urlaub machen. Aber es stimmt einfach. Konstanz ist für mich, abends lange am See zu sitzen, aufs Wasser zu schauen und Karten zu spielen. Weil es keine riesige Stadt ist, trifft man eigentlich immer jemanden, den man kennt, und findet schnell Anschluss. Für manche mag das ein Minuspunkt sein, ich finde es ganz angenehm.
Zu meinen Feierfavoriten gehören die Kantine, das Contrast oder der Kula, die sich alle auf der Oberlohnstraße befinden. Generell läuft in Konstanz viel Techno, es gibt aber auch ziemlich gute 90er- und 2000er-Partys. Toll finde ich, dass die Konstanzer Klubs eng mit Awarenessteams wie der Initiative Nachtlicht zusammenarbeiten. Sie helfen, wenn jemand Hilfe braucht oder sich unwohl fühlt.
Ein Highlight im Sommer ist definitiv das zweitägige Campusfestival. Früher hat es direkt auf dem Gelände der Uni stattgefunden, mittlerweile ist es so groß geworden, dass es ins Bodenseestadion verlegt wurde. Dafür reisen Leute aus ganz Deutschland an, und auf den Bühnen stehen Künstler:innen wie K.I.Z, Kraftklub oder Paula Hartmann. Für dieses Jahr habe ich mir außerdem fest vorgenommen, endlich den grenzüberschreitenden 24-Stunden-Flohmarkt zu besuchen. Er findet einmal im Jahr in Kooperation mit der schweizerischen Nachbarstadt Kreuzlingen statt und erstreckt sich über 14 Kilometer am See entlang.
Einige sagen: Je schöner der Konstanzer Sommer ist, desto mehr hassen die Menschen den Herbst und Winter. Dann ist es schon sehr neblig. Das hat aber auch etwas Mystisches.«
Um mehr Spaß in den Alltag zu bringen, wurde in Konstanz die »weltweit erste Humorbank« aufgestellt. An ihrer Rückenlehne und Sitzfläche sind kleine Schilder angebracht, auf denen kurze Anweisungen stehen. Zum Beispiel: »Lächeln Sie die nächsten drei Menschen auf der Straße an« oder »Erzählen Sie einen Witz«. Die Idee stammt von Absolvent:innen der Tamala Clown Akademie in Konstanz, einer der ältesten Clownschulen Europas.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Als ich vor drei Jahren nach Konstanz gezogen bin, habe ich mir gesagt: Wenn du eines Tages den Blick auf den See nicht mehr genießt, ist es an der Zeit, wegzuziehen. An diesem Punkt bin ich zwar noch lange nicht angekommen, aktuell spiele ich aber trotzdem mit dem Gedanken, für meinen Master eine andere Stadt auszuprobieren. Sollte das passieren, werde ich Konstanz aber so oft wie möglich einen Besuch abstatten.«
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, die Strandbar werde von der Hochschule betrieben. Tatsächlich ist es das Studierendenwerk. Wir haben die Stelle korrigiert.