Unistädte im Porträt »Zur Fastnacht in Mainz feiert jeder mit – egal, woher man kommt«
Studentin Eline Laure van Gool, Unistadt Mainz: »Überall begegnet man jungen Leuten«
[M] DER SPIEGEL; Foto: Privat; Meinzahn / Getty ImagesVon ihrer Gründung durch die Römer bis zur Erfindung des Buchdrucks blickt die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück, die bis heute spürbar ist – sei es in Form von antiken Bauwerken, Museen oder der auf das Jahr 1477 zurückgehenden Universität. An der Johannes Gutenberg-Universität studiert heute Eline Laure van Gool, 22, Jura. 2021 zog sie aus Wiesbaden auf die andere Seite des Rheins.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Die Johannes Gutenberg-Universität zählt zu den größten Hochschulen Deutschlands. Überall begegnet man jungen Leuten, und das schafft ein frisches, lebendiges Gefühl in der Stadt. Der Campus liegt in der Mainzer Oberstadt, direkt am Botanischen Garten und ist wie ein eigenes Stadtviertel. Die meisten Fachbereiche sind hier zentral beisammen und man kann alles fußläufig gut erreichen – nur der Fachbereich 06 hat seinen Standort außerhalb, in Germersheim, gut eine Stunde Autofahrt südlich von Mainz. Außerdem gibt es noch einen zusätzlichen externen Medizincampus in Trier, etwa zwei Stunden entfernt.
Hauptportal der Universität: Ein Campus wie ein eigenes Stadtviertel
Foto: Stefan F. Sämmer / IMAGOAm zentralen Campus in Mainz gibt es mehrere Mensen, ich esse meistens in der ReWi-Mensa, direkt bei meinem Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Besonders feiere ich die vielfältige Salatbar, aber auch bei Pommes sage ich selten nein. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Bambusmensa mit vegetarischem Angebot. Ein Gericht kostet im Durchschnitt um die drei, vier Euro.
So gut wie jeder hier kennt die Muschel auf dem Campus – ein schalenförmiges Hörsaalgebäude mit weißem Dach. Auch ich habe dort regelmäßig Juravorlesungen. Gleich hinter der Muschel befindet sich ein neuer Beachvolleyballplatz, der erst vor Kurzem eröffnet worden ist.
Zweimal im Jahr findet auf dem Campus die Semester-Öffnungs-Fete, kurz SÖF, statt. Bei Musik, Drinks und Bühnenprogramm in der Muschel lernt man bei der SÖF schnell neue Leute kennen.«
Größte Stadt und Hauptstadt von Rheinland-Pfalz
Rund 227.000 Einwohner:innen, rund 35.000 Studierende
Sehenswürdigkeiten: Dom St. Martin, Gutenberg-Museum, Zitadelle, Staatstheater
Berühmtheiten: Johannes Gutenberg, Mainzelmännchen
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Viele Studierende leben in der Oberstadt, dort liegt auch der Campus. Durch die gefragte Lage sind die Mieten allerdings etwas höher. Auch beliebt sind ganz klassisch die Altstadt oder die hippe Neustadt, beide direkt am Rhein gelegen. Die meisten meiner Freunde zahlen für ihr WG-Zimmer um die 500 Euro monatlich. An den Campus grenzt noch der Stadtteil Bretzenheim – hier lebe ich in einem Studierendenwohnheim. Mein Einzelapartment mit 26 Quadratmetern kostet 448 Euro im Monat. Es hat ein eigenes Bad und eine Küche. Außerdem gibt es auch Gemeinschaftsräume, in denen man etwa Tischkicker spielen kann. Zur Uni fahre ich nur zwei Stationen mit der Straßenbahn, die Fahrt dauert rund sechs Minuten.«
An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz werden etwa 260 Studiengänge angeboten. Der Semesterbeitrag liegt im Wintersemester 2025/26 bei 343,80 Euro und enthält das Deutschlandticket. Die Hochschule für Musik und die Kunsthochschule sind formal in die Johannes Gutenberg-Universität integriert. Außerdem vor Ort: die Hochschule Mainz und die Katholische Hochschule .
In Mainz liegt der Medianpreis für ein WG-Zimmer im Sommersemester 2025 bei 530 Euro. Das bedeutet: Die Hälfte der Zimmer ist günstiger, die andere Hälfte teurer. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts gemeinsam mit dem Portal WG-gesucht.
Das Studierendenwerk Mainz bietet 4.023 Plätze in Wohnheimen an. Diese sind auf neun Wohnheime in Mainz verteilt, ein weiteres befindet sich in Bingen. Die monatliche Miete für WG-Zimmer, Apartments oder eine Paarwohnung liegt zwischen 353 und 744 Euro. Familienwohnungen beginnen bei 784 Euro.
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Von Tischtennis über Fußball bis Bogenschießen bietet die Uni ein umfangreiches Hochschulsportprogramm an, dabei gibt es neben kostenpflichtigen auch viele kostenlose Angebote. Ich mache zum Beispiel gern bei Leichtathletik mit – gekostet hat mich das bislang keinen Cent.
Auch kulinarisch hat Mainz Studierenden einiges zu bieten: Im Wilma Wunder am Mainzer Dom kann man etwa lecker frühstücken gehen. Am liebsten bestelle ich dort das Sommermärchen, eine Frühstücksplatte mit Avocadotoast. Nachmittags trinke ich gern mit Freunden gemütlich einen Kaffee im Café Blumen nahe dem Rhein oder wir treffen uns zwei Kilometer weiter in der Goldmarie am Zollhafen auf eine Lavendelschorle.
Im Sommer holen wir uns gern ein Eis in der Neustadt bei N’Eis, einer hippen, regionalen Manufaktur. Sogar auf dem Campus gibt es Eisautomaten mit Sorten des lokalen Herstellers – perfekt für eine kleine Erfrischung zwischen den Vorlesungen.
Nachts lässt es sich gut feiern im schon schön, dort legen oft Newcomer-DJs auf. Im KUZ kann man gut zu 2000er-Hits tanzen. Auch der Waschmaschinensalon mit entsprechend stilechter Optik ist unter Studierenden eine beliebte Bar.
Jeden Sommer verwandelt die Johannisnacht das Rheinufer in eine Festmeile zur Erinnerung an Johannes Gutenberg, den Erfinder des Buchdrucks: Livemusik, Karussells, Künstlermarkt, Theater – vier Tage lang ist dann ordentlich was los in der Stadt.
Mainzer Johannisnacht: Rummel am Rhein
Foto:Stephan Hahne / Beautiful Sports / IMAGO
Was man neben der Johannisnacht niemals verpassen darf, ist natürlich die Fastnacht im Frühjahr. Neben Hochburgen wie Köln und Düsseldorf ist auch hier ein Hotspot. Zur Fastnacht in Mainz feiert jeder mit – egal, woher man kommt! Selbst als Zugezogener gelten hierbei keine Ausreden. Einfach verkleiden und mitfeiern!«
In der Mainzer Innenstadt haben manche Straßenschilder eine blaue Unterfarbe, manche eine rote. Der Hintergrund: Bis ins 19. Jahrhundert war die Hausnummerierung in der Stadt ein heilloses Durcheinander – bis ein Arzt in einer Stadtratsitzung eine Idee einbrachte. Straßen, die vom Rhein aus senkrecht in die Stadt führten, sollten am Ufer mit der Eins beginnen und rot markiert sein. Straßen, die parallel zum Rhein verlaufen, sollten im Süden mit der Eins beginnen und blau markiert sein. Gerade und ungerade Zahlen sollten außerdem wie schon in anderen Städten getrennt nach Straßenseite sein. 1853 wurde der Vorschlag umgesetzt – und ist bis heute im Stadtbild farbenprächtig sichtbar.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
Bald steht schon mein erstes Staatsexamen vor der Tür, dann heißt es erst einmal lernen, lernen, lernen. Wie es danach genau weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Im klassischen Staatsdienst sehe ich mich eher nicht. Aber eine Karriere im Bereich Medienrecht könnte ich mir gut vorstellen – ob in der Region oder anderswo, wird sich zeigen.«