Unistädte im Porträt »Osnabrück macht einfach glücklich«
Studentin Nicola Harzen, Studienort Osnabrück: »Die Stadt strahlt für mich etwas Ruhiges und Friedvolles aus«
[M] DER SPIEGEL; Fotos: Nicola Harzen; Schoening / Bildagentur-online / picture alliance
Mehrere Jahre lang wurde in Osnabrück und Münster verhandelt, bis am 24. Oktober 1648 der Westfälische Friede verkündet wurde. Es war das Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Grund, weshalb Osnabrück bis heute als »Friedensstadt« bekannt ist.
Ein großes Erbe, das man bis heute in der Stadt spürt, findet Studentin Nicola Harzen. Die 24-Jährige studiert seit vier Jahren den Master Interkulturelle Psychologie an der Universität Osnabrück. Den Studienplatz nahm sie an, ohne die Stadt zu kennen. Erste Eindrücke sammelte sie via Google. Heute sagt sie: »Osnabrück macht einfach glücklich.«
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Weil es in der Psychologie ziemlich schwierig ist, einen Masterplatz zu bekommen, habe ich mich 2021 bei mehr als 30 Unis in ganz Deutschland und Österreich beworben. Den Platz in Osnabrück bekam ich nur eine Woche vor Semesterstart im Nachrückverfahren. Darüber bin ich noch immer superglücklich.
Parkanlage um das Osnabrücker Schloss: Treffpunkt im Sommer
Foto:Nicola Harzen
Die Uni hat zwei Standorte. Der Campus Schlossgarten liegt sehr zentral, etwas südlich der Innenstadt, und ordnet sich rund um das Osnabrücker Schloss. Dazu gehört eine große Parkanlage, die im Sommer zu einem der Haupttreffpunkte für Studierende wird. Sie spielen Wikingerschach, picknicken oder sonnen sich. Direkt am Schlossgarten befindet sich auch die Mensa mit Café und großem Wintergarten. Dort bin ich besonders gern morgens, um mit einem Kaffee und Blick über den Park zu schreiben oder Kommiliton:innen zu treffen. Der Kuchen ist auch sehr lecker. Am Campus Schlossgarten wurde vor drei Jahren außerdem ein neues Studierendenzentrum eröffnet, in dem man umsonst Räume zum Lernen oder für Gruppenarbeiten mieten kann.
Etwa zehn Busminuten vom Schloss entfernt liegt der Campus Westerberg mit eigener Mensa. Er ist deutlich größer, und der Vibe ist sehr viel industrieller. Auch das Institut für Psychologie hat dort seit einigen Jahren ein komplett neues Gebäude, in dem die meisten meiner Seminare stattgefunden haben. Leider gibt es am Westerberg außer der Mensa meiner Meinung nach nicht wirklich viele Plätze, um zusammenzukommen und sich auszutauschen.
Die Uni Osnabrück habe ich als sehr einladend erlebt. Es gibt Referate für ausländische Studierende, Frauen und queere Menschen, und auch die Uni selbst veranstaltet viele Veranstaltungen zu diversen Themen. Das große Angebot ist toll und wird gern genutzt.«
Viertgrößte Stadt Niedersachsens
Rund 167.000 Einwohner:innen, circa 26.000 Studierende
Sehenswürdigkeiten: Historisches Rathaus, Museumsquartier, Schloss Osnabrück, Dom St. Peter
Berühmtheiten: Olaf Scholz, Christian Wulff, Boris Pistorius, Felix Nussbaum
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»Obwohl mein Umzug ziemlich spontan stattfinden musste, hatte ich Riesenglück bei der Wohnungssuche. Schon nach wenigen Tagen habe ich meine Traum-WG gefunden, in der ich seitdem lebe. Die Lage mitten in der Innenstadt ist einfach perfekt, und mit meiner Mitbewohnerin verstehe ich mich super. Die Wohnung hat insgesamt 84 Quadratmeter, für mein 24 Quadratmeter großes Zimmer zahle ich 570 Euro. Für die Lage ist das mittlerweile normal, in den an die Innenstadt angrenzenden Wohnvierteln wie Wüste oder Schölerberg gibt es aber noch günstigere WGs oder Wohnheimplätze. Umziehen kommt für mich trotzdem nicht infrage.
Altstadt von Osnabrück: Historische Gebäude
Foto:Nicola Harzen
In Osnabrück spielt sich fast alles in der Innenstadt ab, und meine Wohnung liegt direkt zwischen der malerischen Altstadt und der modernen Innenstadt. Ich bin also etwas verwöhnt. Aber in Osnabrück ist generell alles in einer halben Stunde zu erreichen.«
Neben der Universität Osnabrück mit circa 14.000 Studierenden und mehr als 170 Studiengängen gibt es noch die Hochschule Osnabrück mit fünf Fakultäten.
Ein WG-Zimmer kostete im Februar 2024 durchschnittlich rund 400 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit WG-gesucht.de und GBI. Hier gibt es eine Übersicht aller Wohnanlagen des Studierendenwerks Osnabrück.
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Müsste ich das Leben in Osnabrück mit nur einem Wort beschreiben, wäre das: Lebensqualität. Die Stadt strahlt für mich etwas Ruhiges und Friedvolles aus, die Menschen sind hilfsbereit und man merkt, dass sie gern dort leben. Es gibt viele Kulturmöglichkeiten, immer ist etwas los, aber eben nicht zu viel.
Der Fluss Hase: Ort für einen Spaziergang
Foto:Nicola Harzen
An freien Tagen liebe ich es, mir einen Kaffee bei Barösta zu holen und durch die Altstadt zu schlendern. Am Rathaus und am Dom vorbei, am kleinen Fluss Hase entlang Richtung Bürgerpark. Im Sommer schnappe ich mir meine Mitbewohnerin, um zum Rubbenbruchsee zu fahren. Das sind meine Orte der Ruhe. Mit meinen Freund:innen treffe ich mich besonders gern in der Cafébar Henne. Tagsüber gibt es Kaffee und Kuchen, abends werden leckere Lillets gemixt. Lustig finde ich auch die Bar Countdown in der Altstadt. An allen Tischen stehen Telefone, sodass man mit anderen Leuten in der Bar telefonieren kann.
Alle Studierenden der Universität und Hochschule Osnabrück bekommen durch das Kulturticket freien Eintritt ins Museum und Theater. Auch die Ausleihgebühr in der Stadtbibliothek entfällt. Ich nutze das Ticket regelmäßig. Empfehlen kann ich zum Beispiel das Felix-Nussbaum-Museum, in dem es eine eindrückliche Dauerausstellung über den Holocaust gibt.
St. Marien während der Maiwoche: Zehn Tage Feierlichkeiten
Foto:Nicola Harzen
Einmal im Jahr findet in der Innenstadt außerdem die Maiwoche statt. Zehn Tage lang spielen auf mehreren Bühnen verschiedene Künstler:innen, es gibt ein Kettenkarussell, ein Riesenrad und Essensbuden.«
Um den »Tag des Friedens« zu zelebrieren, reiten jedes Jahr am 25. Oktober Hunderte Viertklässler auf selbst gebastelten Steckenpferden durch Osnabrück zum Rathaus, wo ihnen der Oberbürgermeister eine süße Brezel überreicht. Damit soll der Ritt der Friedensboten symbolisiert werden, die 1648 den Westfälischen Frieden im ganzen Land verkündeten.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Aktuell mache ich ein Praktikum in Düsseldorf, in wenigen Wochen bin ich aber zurück in Osnabrück. Darauf freue ich mich. Um mein Studium zu beenden, fehlt mir nur noch meine Masterarbeit. Sollte sich danach die Möglichkeit ergeben, in Osnabrück zu bleiben, würde ich es auf keinen Fall ausschließen. Die Stadt erfüllt sehr viele Punkte, die ich mir für mein zukünftiges Zuhause wünsche. Das Einzige, was besser funktionieren könnte, ist der RE2 von Düsseldorf nach Osnabrück. Der ist nämlich wirklich oft verspätet.«