Unistädte im Porträt »In Regensburg ist sogar am Montagabend immer was los«
Studentin Reicheneder, Unistadt Regensburg: »Alles liegt so nah beieinander«
[M] DER SPIEGEL; Fotos: Privat; Harald Nachtmann / Getty Images
Eine der ältesten Steinbrücken Europas. Eine Altstadt mit dem Titel Weltkulturerbe. Und: die (angeblich) älteste Bratwurststube der Welt. Bei einem Spaziergang durch die Gassen von Regensburg dringt die Geschichte aus beinahe jeder Mauerfuge.
Frischen Wind bringen hingegen die rund 30.000 Studierenden, die die bayerische Großstadt zu ihrer Heimat (auf Zeit) auserkoren haben. So wie Sophia Reicheneder. Ursprünglich aus Passau, studiert die 22-Jährige seit mittlerweile sieben Semestern Germanistik und Anglistik an der Universität Regensburg. Nach mehr als drei Jahren kennt sie sich in der Stadt an der Donau bestens aus – weiß allerdings auch, was ihr fehlt.
Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.
Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?
Campusleben: Standort, Mensa und Café
»Das Onlinemagazin ›Vice‹ hat die Uni Regensburg vor einigen Jahren zu einer der hässlichsten Universitäten des Landes gekürt. Aber ganz ehrlich: so hässlich finde ich unseren Campus gar nicht. Er liegt oberhalb der Innenstadt auf dem Galgenberg, weshalb die meisten Studierenden morgens mit dem Bus ankommen. Weil sich auf dem Campus alle Fakultäten versammeln, ist er ziemlich weitläufig und stellenweise auch etwas verwirrend. Trotzdem finde ich es praktisch, dass man nicht so viel durch die Stadt gurken muss. Direkt neben dem Audimax gibt es sogar einen kleinen Buchladen, in dem man alles rund um den Unialltag kaufen kann. Auch einen Supermarkt und einen Friseur findet man auf dem Campus.
Campus der Uni Regensburg: Gar nicht so hässlich
Foto:Universität Regensburg
Ein Highlight für mich sind definitiv die vielen kleinen Cafeten, in denen es leckere Getränke und kleinere Gerichte gibt. Weil die Uni relativ viele Möglichkeiten bietet, sich mal eben schnell mit Freundinnen auf einen Ratsch zu treffen, verbringe ich auch abseits meiner Seminare gern Zeit auf dem Campus. Zum Essen gehe ich meistens in die Mensa, die auch während der Semesterferien geöffnet hat. Dort gibt es jeden Tag vier Hauptgerichte: zwei vegetarische, eins mit Fleisch und ein wechselndes Tagesgericht. Mit bis zu fünf Euro – je nach Portionsgröße – sind die Fleischgerichte am teuersten. Dazu gibt es verschiedene Suppen und Beilagen, die alle zwischen ein und zwei Euro kosten. Ich nehme auch immer einen Salat dazu, weil die Auswahl so groß ist.
In der Mensa: Jeden Tag vier Hauptgerichte zur Auswahl
Foto:Privat
Genauso vielfältig sind auch die Möglichkeiten, sich an der Uni zu engagieren. Ich gehöre zum Beispiel zur Chefredaktion der Unizeitung ›Lautschrift‹. Es gibt aber auch ein Uniradio, mehrere Theatergruppen, die regelmäßig auftreten, und natürlich den allgemeinen Studierendenausschuss.«
Rund 177.000 Einwohner:innen, circa 32.000 davon sind Studierende
Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberpfalz und viertgrößte Stadt in Bayern
Sehenswürdigkeiten: Steinerne Brücke, Dom St. Peter, Walhalla, Donauinsel
Wohnen: WG-Preise und Stadtteile
»In Regensburg eine passende Wohnung zu finden, war zu Beginn eine ziemliche Herausforderung für mich. Eine Zeit lang bin ich deshalb sogar zwischen Passau und Regensburg gependelt. Das ging aber eigentlich nur, weil ich kurz nach Corona noch ziemlich viele Onlineveranstaltungen hatte.
Mittlerweile wohne ich in einer schönen Dreier-WG in der Innenstadt direkt am Eisernen Steg und der Donau. Dort zahle ich 510 Euro für mein 18 Quadratmeter großes Zimmer, renovierter Altbau mit hohen Decken. Aus meinem Freundeskreis weiß ich, dass das relativ viel ist. Die meisten, die ich kenne, zahlen zwischen 380 und 450 Euro.
Für die Innenstadt würde ich mich trotzdem immer wieder entscheiden. Ich bin in zehn Minuten mit dem Bus in der Uni, und wenn ich abends müde werde, muss ich nur umfallen, und schon liege ich in meinem Bett. Außerdem wohnen hier auch viele meiner Freund:innen, sodass man sich immer schnell auf einen Kaffee treffen kann.
Steinerne Brücke: Verbindung zu Stadtamhof
Foto:Westend61 / Getty Images
Geht man über die Steinerne Brücke, kommt man nach Stadtamhof. Ein Viertel, in dem auch viele Student:innen wohnen und wo man im Sommer toll baden kann. Andere wohnen im Kasernenviertel oder in einem der Studentenwohnheime, die sich über die ganze Stadt verteilen.«
Die Universität Regensburg bietet an zwölf Fakultäten rund 150 Studiengänge aus den Bereichen Medizin, Jura, Theologie, Sozial-, Informations- und Geisteswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Biologie, Chemie und Pharmazie, Physik, Mathematik und Informatik an. Insgesamt rund 20.000 Studierende sind dort immatrikuliert. Der Semesterbeitrag liegt derzeit bei 198 Euro . Darin ist das Semesterticket enthalten.
Daneben gibt es in Regensburg noch die Ostbayerische Technische Hochschule sowie die Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik .
Ein WG-Zimmer in Regensburg kostete im Februar 2024 durchschnittlich 450 Euro. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de und dem Projektentwickler GBI. Eine Übersicht zu den Studierendenwohnheimen gibt es hier .
Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub
»Regensburg gilt als eine der Städte mit der höchsten Kneipendichte. Klar, dass die alljährlichen Kneipentouren zu den Höhepunkten der Erstiwoche gehören. Dann laufen Hunderte von Student:innen durch die Stadt und spielen in der Innenstadt Bierpong. Da merkt man einfach, dass Regensburg eine echte Student:innenstadt ist. Gerade in der Innenstadt reiht sich eine Bar an die andere. Da ist sogar am Montagabend immer was los.
Altstadt von Regensburg: Immer was los
Foto: Bilddokumentation Stadt RegensburgIch gehe sehr gern ins Centro am Bismarckplatz oder in die U-Bar in der Spiegelgasse. Dort gibt es drei Longdrinks für nur zehn Euro. Das ist gut für den Geldbeutel, aber auch gefährlich. Zum Feiern gibt es direkt am Petersweg gleich mehrere Klubs, die alle nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind. Deswegen nennen wir diesen Bereich intern das Bermudadreieck. In der Schottenstraße gibt es außerdem das Jala, in dem ab und zu Regensburger DJ-Kollektive bei Techno-Events auflegen.
Was ich an Regensburg am meisten mag, ist, dass alles so nah beieinanderliegt. Direkt bei mir ums Eck ist das Café Mitanand. Da gibt es tolle Zimtschnecken und zum Frühstück Egg Drop Sandwiches, veganes Rührei oder Shakshuka. Danach kann man ganz entspannt an der Donau entlangschlendern. Wahrscheinlich kommt man dann auch am Wurstkuchl, das als älteste Bratwurststube der Welt gilt, vorbei. Der Laden liegt direkt am Wasser und verkauft seit über 500 Jahren hausgemachte Bratwürste und Sauerkraut.
Als Date-Idee empfehle ich die Sternwarte am Ägidienplatz. Dort kann man bei trockenem Wetter kostenlos die Sterne beobachten oder einen der Monatsvorträge besuchen. Schade finde ich allerdings, dass es in Regensburg zwar mehrere historische Museen gibt, aber kaum moderne Kunstausstellungen, die auch junge Menschen ansprechen.«
Seit mehr als 1000 Jahren gibt es die Regensburger Domspatzen. Einst als reiner Männerchor gegründet, werden seit 2022 auch Mädchen aufgenommen.
Seit 2006 tragen die Altstadt von Regensburg sowie das Viertel Stadtamhof den Titel Unesco-Weltkulturerbe.
Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?
»Für mich ist relativ fix, dass ich nicht in Regensburg bleiben werde. Mein Plan ist es, im nächsten Wintersemester meine Bachelorarbeit zu schreiben und danach in eine größere Stadt zu ziehen. Regensburg war nach dem Abitur eine tolle Erfahrung für einen kleinen Neustart, aber jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt. Ganz oben auf der Liste stehen aktuell Wien oder München.«