Rahel Süßkind / DER SPIEGEL
meinung •Neuer Newsletter »Semester Eins« So viel kostet ein Studium und so lässt es sich finanzieren
Bevor es hier um die schönen Seiten deines neuen Uni-Alltags geht – die O-Woche, neue Freunde und Freundinnen und die besten Kneipen in deiner Studienstadt –, müssen wir uns etwas Ernstem widmen: Geld.
Viele wichtige Fragen hast du wahrscheinlich schon geklärt: Welches Studienfach passt zu mir? In welche Stadt möchte ich ziehen? Wie finde ich eine WG, in der ich mich wohlfühle? Doch eine Frage lässt sich oft erst mit der Zeit beantworten: Was kostet mein Studileben eigentlich – und wie kann ich mir das alles leisten?
WG oder Wohnheim, Passau oder Bielefeld?
Wir haben die durchschnittlichen monatlichen Kosten für ein Studium in Deutschland berechnet. In unserer interaktiven Karte kannst du sehen, was in deiner Studienstadt ein Monat ungefähr kostet. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Wer in Passau studiert und in einer WG wohnt, braucht durchschnittlich 948 Euro im Monat. In Köln sind es schon 1134 Euro.
Der Semesterbeitrag selbst fällt vergleichsweise wenig ins Gewicht. Dazu kommen die Kosten für Wohnen, Essen, Freizeit und Versicherungen. Viele dieser Dinge sind in den vergangenen Jahren teurer geworden.
Die Daten zeigen auch, wie groß der Unterschied je nach Art der Unterkunft ist. Wer in einem Wohnheim untergekommen ist, lebt unter Umständen in München günstiger als in Darmstadt oder Bielefeld. Wer sich seine Lebenshaltungskosten in einer großen WG teilt, kann Geld sparen. Ein paar Stellschrauben gibt es also, um die Kosten etwas zu senken.
Selbst in teuren Städten und ihrer Umgebung lässt sich mit ungewöhnlichen Wohnmodellen Miete sparen. Studierende haben uns erzählt, wie sie viel günstiger wohnen als der Durchschnitt. Verena etwa wohnte mit zehn Mitbewohner:innen auf einem Bauernhof im Münchner Umland, für 370 Euro. Adrian zahlte gar nichts für sein Zimmer in einem Seniorenheim in Jena, weil er dort neben seinem Studium 21 Stunden pro Monat arbeitet.
So finanzierst du dich: Bafög, Stipendien, Nebenjobs
Ist die Frage nach dem Wohnen geklärt, warten vor Studienbeginn oft noch einige Anschaffungen auf dich. Je nach Studienfach brauchst du vielleicht einen leistungsstarken Laptop, teure Software oder Standardwerke. Dazu kommen oft Kosten für den Umzug und die Kaution. Unterstützt wirst du dabei unter Umständen mit der Studienstarthilfe, einer Einmalzahlung von pauschal 1000 Euro. Anspruch haben Studierende unter 25 Jahren, die Sozialleistungen beziehen und sich erstmals an einer Hochschule einschreiben. Was genau du beachten musst, kannst du in unserer Übersicht nachlesen.
Die größte staatliche Unterstützung kommt in Form des Bafög. Wer unter 25 Jahre alt und familienversichert ist, bekommt maximal 855 Euro pro Monat. Das deckt zwar nicht alle Kosten, aber die Beiträge stiegen in den vergangenen Jahren an, wenn auch langsam.
Und bis man Geld bekommt, ist Durchhaltevermögen gefragt. Mein erster Bafög-Antrag ließ mich ganz schön verzweifeln. Das unübersichtliche Formular, all die Dokumente, die ich dafür zusammentragen musste, auf Nachfragen folgte erst mal wochenlange Funkstille vom Bafög-Amt. Noch heute bekomme ich bei Formularen manchmal ein mulmiges Gefühl. Aber meine wichtigste Lektion ist: Bloß nicht verunsichern lassen! Im Nachhinein bereue ich, dass ich mich im Master ein Jahr ohne Bafög durchgeschlagen habe, um dem Antragschaos aus dem Weg zu gehen.
So geht es wohl nicht nur mir: Obwohl immer mehr Studierende Bafög bekommen könnten, zögern viele. Laut einer bundesweiten Umfrage des Max-Planck-Instituts und des Fraunhofer-Instituts unter mehr als 22.000 Studierenden beantragen bis zu 70 Prozent der Anspruchsberechtigten kein Bafög.
Der Hauptgrund: Viele unterschätzen ihre Chancen und glauben fälschlicherweise, dass sie gar kein Bafög bekommen würden. Andere denken, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Viele haben auch Angst, sich zu verschulden. Doch beim Bafög fallen keine Zinsen an, die Hälfte der Förderung gibt es geschenkt. Und alles über 10.000 Euro Schulden wird erlassen. Wenn du den ganzen Bachelor über den Höchstsatz bekommen würdest, müsstest du von den mehr als 30.000 Euro Bafög dadurch nur ein Drittel zurückbezahlen.
Wenn du den Antrag also noch nicht ausgefüllt hast, ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt.
Eine Alternative sind Studienkredite. Die nehmen jedoch immer weniger Studierende in Anspruch, weil die Zinsen so stark gestiegen sind.
Du kannst auch versuchen, dich durch ein Stipendium fördern zu lassen. Auf die Idee kam ich leider erst im Masterstudium – und nur dank eines Hinweises meiner Uni. Dabei gibt es so viele unterschiedliche Stipendien, für die man in den seltensten Fällen ein Einser-Abitur braucht. Eine Übersicht findest du hier.
Und dann bleibt natürlich noch ein Nebenjob. Welcher sich besonders lohnt und wie man die Arbeit am besten mit dem Studium verbindet, kannst du hier nachlesen. Klar, ein Nebenjob kostet Kraft und Zeit, die man eigentlich fürs Studium benötigt. Aber ehrlich gesagt: Beim Kellnern habe ich mehr gelernt als in manchen Vorlesungen – und mehr Spaß gehabt.
Selbst mit allen Tipps und Tricks bleibt das Studium für viele eine Zeit, in der das Geld ständig knapp ist. Das Gute: Wenn es dir auch so geht, bist du damit bestimmt nicht allein. Es hilft, sich mit Kommiliton:innen über die beste Kombi vom Mensa-Salatbuffet auszutauschen, Kleidertauschpartys zu schmeißen oder sich einfach nur gemeinsam über die lange Bafög-Bearbeitungszeit aufzuregen.
Viel Erfolg mit allen Anträgen wünscht
Tanya Falenczyk, Redakteurin SPIEGEL Start
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Gerade zum Studienstart ist es wichtig, zu wissen, wie viel du pro Monat eigentlich ausgibst. Ein Haushaltsbuch wäre die Lösung, klingt nur wahnsinnig trocken und nach zu viel Arbeit. Muss es aber gar nicht sein. Meine Kollegin Helene Flachsenberg erklärt, wie du in drei Schritten – und mit ein paar Kniffen – deine Finanzen überblickst.
Beim nächsten Mal
Ausnahmsweise hörst du schon in wenigen Tagen wieder von uns, wenn wir in der kommenden Folge darauf schauen, wie du das meiste aus der O-Woche holst – selbst aus abschreckenden Programmpunkten. Und dabei im besten Fall noch Freund:innen findest, die dich durchs ganze Studium begleiten.
Anschluss verpasst? Alle bisherigen Folgen von »Semester Eins« findest du hier.
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Nach dem Ende von »Semester Eins« erhältst du jeden Donnerstag unseren Startklar-Newsletter mit weiteren Texten rund ums Studium. Dort geht es etwa darum, wie man den Drittversuch einer Prüfung besteht, warum Studierende gerade so lange auf ihr Bafög warten oder wie man das Beste aus den scheinbar unendlichen Möglichkeiten der Zwanziger herausholt.
Wenn du Fragen zum Studium hast, die wir noch nicht beantwortet haben, schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .