Africa Rising: Mode, Design und Lifestyle aus Afrika - DER SPIEGEL
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Africa Rising: Die Kreativität eines Kontinents

Foto: Héctor Mediavilla/ Gestalten Verlag

Design aus Afrika Die Dandys von Brazzaville

Afrikas Kreative haben mehr zu bieten als bunte Folklore und Holzschmuck. Der Bildband "Africa Rising" stellt angesagte Designer, Fotografen und Architekten vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was afrikanisches Design von europäischen Gestaltungsprinzipien unterscheidet? Die auffälligste Besonderheit ist wohl der Umgang mit Müll, der hier weniger Abfall, sondern viel mehr wiederverwertbare Ressource ist. Außerdem können Mode- und Produktdesigner auf alte Handarbeitstechniken und eine Muster- und Symbolvielfalt zurückgreifen, die sie mit geradlinigen, modernen Elementen zu etwas Neuem verbinden. Die Verwendung lokal produzierter Materialien liegt dabei im Trend.

"Handwerkskunst kann der Treiber für soziale und wirtschaftliche Entwicklungen sein", heißt es in dem kürzlich erschienenen Sammelband "Africa Rising". In dem bunt gestalteten Werk geht es nicht nur um die Kreativen Afrikas, sondern um das ökonomische Wachstum eines Kontinents, der sich durch eine Vielzahl von Sprachen, Kulturen, Religionen und Topografien auszeichnet.

Immer wieder betonen die Autoren der englischsprachigen Texte, dass man die 54 Nationen Afrikas nicht über einen Kamm scheren kann, und doch werden einige Gemeinsamkeiten herausgestellt, die auch das Design beeinflussen. Der Humor beispielsweise und die Farbenfreude. Außerdem kooperieren außergewöhnlich viele Künstler, sie teilen Ideen und Entwürfe, arbeiten zusammen statt gegeneinander.

Nach einer Einführung in die Thematik und einem Überblick über Netzwerke und Strukturen, Organisationen und Kreativfestivals werden auf 316 Seiten in Afrika beheimatete oder verwurzelte Designer vorgestellt. Die Kapitel teilen sich in die Bereiche Design ("Bold New Voices"), Architektur ("Sensitive Structures"), Erlebnisse ("Tasteful Encounters"), Kunst ("Beyond Identity") und Textildesign ("Global Threads").

Jeder der Abschnitte beginnt mit einer Einführung in die jeweilige Branche. Darauf folgen detaillierte Porträts, die einzelne Designer und ihre Arbeit auf zwei bis vier Doppelseiten vorstellen. Darunter ist zum Beispiel der Architekt Kunlé Adeyemi, der innovative Lösungen für Probleme wie das starke Bevölkerungswachstum sucht und ganze Dörfer auf dem Wasser erbaut.

Möbel aus Metallschrott

Das aus Burkina Faso stammende Designstudio Hamed Ouattara produziert Kommoden und Schränke aus alten Ölfässern und anderem Metallschrott. Die ursprünglichen Logos sind gleichzeitig das neue Markenzeichen der Möbelstücke.

Das Kapitel "Tasteful Encounters" stellt neben einigen Hotels das Restaurant Babylonstoren vor, das 60 Kilometer von Kapstadt entfernt liegt und nach dem Motto "Farm to Fork" fast alle Zutaten für seine Speisen vor Ort anpflanzt.

Von der kenianischen Künstlerin Wangechi Mutu stammen bunte Collagen, die aus Händen, Schlangen, Blumen, Schmuck und Alltagsgegenständen Frauen formen. Vergleichsweise minimalistisch wirken die Kreationen des Modedesigners Lukhanyo Mdingi, der mit seiner marineblauen, androgynen Männermodekollektion "Harmonic Identities" Kultur und Geschlechterfragen thematisiert.

Immer wieder geht es in dem von Design Indaba  und dem Gestalten-Verlag herausgegebenen Buch um Identität. Um die individuelle, die nationale, aber auch die des gesamten Kontinents und seiner Künstler, die auf der Suche nach ihrem eigenen Stil, der Vereinbarkeit von Tradition und Moderne und ganz eigenen Ausdrucksmöglichkeiten sind.

Im afrikanischen Bildungssystem ist Design noch sehr neu, die Entwicklung von Handarbeit hin zu professioneller, industrieller Produktion verläuft noch langsam. Dennoch liegt Veränderung in der Luft, eine Aufbruchstimmung im Kreativsektor. Dieses Buch ist der Beweis.

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Gestalten:
Africa Rising

Fashion, Design and Lifestyle from Africa.

Die Gestalten Verlag; 336 Seiten; 39,9 Euro.

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