Pizzaöfen: Modelle von Tefal, Witt und Gozney im Test - DER SPIEGEL
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Pizzaöfen im Test Die Welt ist eine Scheibe – aus Teig

Auf der Terrasse und im Garten wird immer häufiger der Pizzaofen statt des Grills angeworfen. Wir haben Modelle in der Preisklasse bis rund 500 Euro getestet. Andiamo!
Selbstgebackene Pizza: Wird sie so gut wie im Restaurant?
Selbstgebackene Pizza: Wird sie so gut wie im Restaurant?

Selbstgebackene Pizza: Wird sie so gut wie im Restaurant?

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Meine kulinarische Welt ist eine Scheibe. Müsste ich mich entscheiden, was ich bis zum Ende meines Lebens essen dürfte, wäre meine Antwort Pizza. Das mag etwas eintönig klingen. Aber es gibt so viele Variationen, sei es beim Teig oder sei es beim Belag. Es gibt nicht die eine Pizza, so wie es auch nicht den einen Salat oder das eine Bier gibt.

In Italien habe ich mir erklären lassen, woran man eine gute Pizzeria erkennt. Beim ersten Besuch bestellt man eine Margherita, die nur aus Teig, Tomatensauce, Mozzarella und frischem Basilikum besteht. Da merkt man schnell, wie gut die Zutaten sind. Ist diese schlichte Pizza nicht gut, muss man den Rest gar nicht erst probieren. Schmeckt sie, legt der Koch selbst bei vermeintlich einfachen Gerichten Wert auf Qualität und Zubereitung.

Die wichtigste Zutat ist für mich die Soße, die ich manchmal stundenlang einkoche, bevor sie auf den Teig kommt. So wie vor ein paar Jahren, als ich auf Sardinien für ein paar Italiener Pizzen gebacken habe. »Pizza da un tedesco?«, fragten sie. »Ja, Pizza von einem Deutschen«, sagte ich. Ich hatte in meinem Camper einen Pizzaofen dabei. Während die Soße aus frischen passierten Tomaten, Rotwein, Kräutern und Gewürzen köchelte, habe ich Büffelmozzarella, Gemüse und andere Beläge vorbereitet. Um es kurz zu machen: La pizza del tedesco war offenbar ziemlich lecker, die Gäste wollten Nachschlag – und das Rezept für die Soße.

Vorbereitung für die Pizza-Party »del tedesco«: Der Pizzaofen war im Gepäck

Vorbereitung für die Pizza-Party »del tedesco«: Der Pizzaofen war im Gepäck

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Ein selbstgemachter Teig benötigt nur wenige Zutaten: gutes Mehl, Hefe, Öl, Salz und Wasser. Alles von Hand vermengen, etwas kneten und ein paar Stunden aufgehen lassen – oder den ganzen Tag. So viel Zeit habe ich nicht immer. Unterwegs ist es manchmal praktischer, im Supermarkt fertigen Pizzateig zu kaufen. Ein Tipp: In manchen Pizzerien kann man fertige Teiglinge kaufen. Fragen Sie einfach danach.

Gute Soße, ein vernünftiger Teig und leckere Beläge sind da, fehlt nur noch der Ofen. Ich habe drei gasbetriebene Pizzaöfen im Preisbereich bis rund 500 Euro getestet. Allen Dreien gemeinsam: Wer einmal seine Pizza damit zubereitet hat, wird süchtig danach. Und sollte man mal keine Pizza wollen, was für mich unverständlich wäre, kann man so einen Ofen auch für andere Gerichte nutzen. Ich verzichte auf der Terrasse und beim Camping jedenfalls inzwischen auf einen Grill, während der Pizzaofen gefühlt nie abkühlt.

So habe ich getestet

  • Aufbau und Verarbeitung: Wie leistungsstark ist der Brenner, wie stabil ist der Ofen und wie schnell ist er startklar?

  • Funktionen und Bedienung: Wie ist der Aufbau, was zeichnet den Ofen aus und wie kompliziert ist die Nutzung?

  • Extras und Ergebnis: Welches Zubehör ist dabei, welches muss man kaufen und wie gut wird die Pizza?

Fazit

Der Tread von Gozney überzeugt mit kompakten Abmessungen und exzellenter Verarbeitung. Die Tragegriffe und das Thermometer sind praktisch, die Hitzeentwicklung gut. Der vergleichsweise hohe Preis ist gerechtfertigt, hilfreiches Zubehör gibt es allerdings nur gegen Aufpreis. Preis-Leistungs-Sieger ist der Pizza Pronto von Tefal. Er ist günstiger als die Kontrahenten, seine Verarbeitung gut, der Drehteller im Garraum praktisch und ein Pizzaschieber ist auch dabei.

Diese Pizzaöfen habe ich getestet:

Tefal Pizza Pronto, UVP: 330 Euro

Witt Piccolo Rotante, UVP: 539 Euro

Gozney Tread, UVP: 500 Euro


Tefal Pizza Pronto

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Der etwa 14 Kilogramm schwere Gasofen von Tefal benötigt viel Stellfläche, aber nicht viel Stehhöhe. Er ist 60 Zentimeter tief und 40 Zentimeter breit, aber mit ausgeklappten Füßen nur 27 Zentimeter hoch. Die Verarbeitung ist gut, die Regler und Gasanschlüsse sind robust, die Füße stabil. Leider gibt es keine Tragegriffe, die den Transport vereinfachen würden. Eine Tragetasche wird nur als Extra angeboten, ein Pizzaschieber mit verstellbarem Griff ist aber im Paket enthalten.

Vor der ersten Nutzung müssen zwei jeweils etwa einen Zentimeter dicke Pizzasteine in den Pronto gelegt werden. Einer davon wird, fast wie eine Schallplatte, drehbar auf eine Halterung gesteckt und kann über einen Regler an der Außenseite bewegt werden. Der zweite Stein deckt unbeweglich den vorderen Bereich des Ofens ab. Das umständliche Zünden des Gasbrenners – Aufdrehen des Gasreglers, fünf Sekunden warten, weiterdrehen in die Zündposition – hat während der Tests nicht immer sofort geklappt. Nach ein paar Versuchen hat man den etwas umständlichen Startvorgang aber verinnerlicht.

Mit dem vier Kilowatt starken Brenner dauert es etwa eine Viertelstunde, bis der Pronto auf 400 Grad aufgeheizt ist. Da kein Thermometer eingebaut ist, muss man schätzen, wann er diese Temperatur erreicht hat. Mit einem Infrarot-Thermometer ließe sich genauer feststellen, wie heiß die Pizzasteine sind. Doch dafür müsste man etwa 50 bis 100 Euro zusätzlich investieren.

Regler am Tefal Pizza Pronto: Gut zünden will geübt sein

Regler am Tefal Pizza Pronto: Gut zünden will geübt sein

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Der drehbare Stein ist groß genug für Pizzen mit bis zu 30 Zentimetern Durchmesser. Ich habe meine meist kleiner geformt, damit der Rand etwas weiter vom Brenner entfernt ist. Bei vielen Pizzaöfen muss man die Pizza etwa nach der halben Backzeit mit dem Schieber aus dem Ofen holen, um 180 Grad drehen und wieder zurückschieben. Vergisst man das, verbrennt die eine Seite, während die andere nicht durchgebacken wird. Beim Pizza Pronto kann man stattdessen den runden Pizzastein von außen drehen. Praktisch!

Bei voller Hitze dauert ein Backvorgang etwa 90 Sekunden. Bevor man die nächste Pizza einschiebt, sollte man den Pizzastein erneut kurz aufheizen.

Dank des Drehtellers ist das Backergebnis sehr gleichmäßig. Es braucht allerdings Übung, bis man die richtige Drehgeschwindigkeit gefunden hat. Durch das Vorheizen wird der Boden knusprig, da aber auch die Oberhitze sehr stark ist, sollte die Pizza nicht zu hoch belegt sein.

Aber es muss nicht immer Pizza sein: Im Tefal-Ofen lassen sich in feuerfesten Schalen und bei niedrigeren Temperaturen auch andere Gerichte zubereiten, eine Tefal-App bietet dafür Rezepte an.

Nach der letzten Pizza dauert es eine Weile, bis der Ofen abgekühlt ist. Bevor das geschehen ist, sollte man ihn nicht zusammenpacken und wegstellen. Da der Pizzastein beim Backen verschmutzt, sollte man ihn mit wenig Wasser und einer Bürste reinigen. Vor der nächsten Nutzung sollte er aber unbedingt komplett durchgetrocknet sein.

Heiße Drehung: Der drehbare Teller ermöglicht ein gleichmäßiges Backergebnis

Heiße Drehung: Der drehbare Teller ermöglicht ein gleichmäßiges Backergebnis

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Fazit

Der Pizza Pronto von Tefal ist gut verarbeitet und einfach zu bedienen. Sein Garraum ist groß genug für Pizzen mit einem Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern. Das Highlight ist der Drehteller, der ohne Kraftaufwand von außen bedient werden kann. Die Zündung des Brenners ist etwas umständlich. Im Paket ist zwar ein Pizzaschieber enthalten, aber kein Thermometer. Eine Tasche gibt es nur als Zubehör.

👍 Drehbarer Pizzastein

👍 Hohe Backtemperatur

👍 Pizzaschieber wird mitgeliefert

👎 Kein eingebautes Thermometer

👎 Tasche nur als Extra

👎 Umständlicher Zündvorgang


Witt Piccolo Rotante

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Der Piccolo Rotante ist der kleinste und leichteste Pizzaofen im Sortiment des dänischen Herstellers Witt. Im Vergleich zu Tefals Pronto ist er dennoch riesig, wiegt 19 Kilogramm, ist 65 Zentimeter tief, 54 Zentimeter breit und mit aufgestellten Füßen 44 Zentimeter hoch. Der wuchtige Korpus hat keine Griffe, was den Transport erschwert. Dafür sorgt das hohe Gewicht für Standfestigkeit. Die Verarbeitung ist gut, die klappbaren Beine sind stabil.

Die Anordnung der Pizzasteine ist ähnlich wie beim Tefal: In der Mitte sitzt ein drehbarer Teller, davor ein schmales Endstück als Abschluss. Allerdings wird der Teller hier von einem Motor angetrieben, der von Batterien mit Strom versorgt wird. Eine weitere Batterie versorgt den elektrischen Zünder. Über einen Drehschalter an der Seite regelt man Gasfluss und Zündung. Den Drehmotor muss man per Taste starten und stoppen, eine Automatik gibt es nicht.

Der Brenner befindet sich im hinteren Garraum und erhitzt den Ofen binnen 15 Minuten auf etwa 400 Grad. Leider hat auch der Piccolo Rotante kein eingebautes Thermometer. Bereits beim Anheizen habe ich den Motor des Drehtellers laufen lassen, da der Stein die Hitze so gleichmäßiger speichert.

Bedienelemente des Piccolo Rotante: Ein Regler reicht

Bedienelemente des Piccolo Rotante: Ein Regler reicht

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Auf den Drehteller passen Pizzen mit einem Durchmesser von bis zu 33 Zentimetern. Aber auch hier habe ich kleinere Pizzen geformt, um etwas Sicherheitsabstand zum Brenner zu einzuhalten. Einen Pizzaschieber bekommt man bei Witt nur gegen einen Aufpreis von 60 bis 70 Euro. Für den Test hat der Hersteller einen Schieber mitgeschickt.

Der Motor dreht den Steinteller ruhig und leise. Ein Satz Batterien reicht für mehrere Pizzaabende. Allerdings gibt es keine Anzeige für den Ladezustand. Mir ist es mitten in einer Backsession passiert, dass die Akkus leer waren. Der Teller lässt sich dann nicht manuell drehen, man sollte also Ersatzbatterien parat haben.

Auch hier dauert es etwa 90 Sekunden, bis eine Pizza fertig gebacken ist. Aber das ist nur ein Durchschnittswert, der nicht für jeden Teig und jeden Belag gilt. Ein Timer ist also sinnlos. Trotz Drehautomatik sollte man die Pizza während des Backens im Blick behalten. Färbt sich der Rand langsam dunkel, sollte man sie herausholen.

Der große Garraum gefällt mir gut – nicht nur für größere Pizzen. Er bietet genug Platz, um etwa in einer feuerfesten Schale Gemüse zuzubereiten oder ein Brot zu backen. In solchen Fällen macht sich das fehlende Thermometer besonders bemerkbar, da man keine Wunschtemperatur festlegen kann.

Fazit

Highlights des Piccolo Rotante sind der motorisierte Drehteller und der große Garraum. Weil er groß und schwer ist, sollte man ihm einen festen Stellplatz zuweisen. Schade, dass man Pizzaschieber, Tasche und Thermometer als teure Extras kaufen muss.

👍 Motorisierter Drehteller

👍 Großer Garraum

👍 Hochwertige Verarbeitung

👎 Kein eingebautes Thermometer

👎 Gewicht und Platzbedarf sind hoch

👎 Tasche und Pizzaschieber nur gegen Aufpreis


Gozney Tread

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Der SPIEGEL-Kochexperte Peter Wagner hatte im vergangenen Jahr den Gozney Arc getestet. Im Gegensatz zu diesem Modell soll der neue und deutlich leichtere Tread mobil nutzbar sein. Mit 13,5 Kilogramm ist er ungefähr so schwer wie eine Kiste Mineralwasser. Die Abmessungen sind mit 55 × 50 × 32 Zentimeter kompakt.

Die breite Öffnung des Tread erlaubt es dennoch, Pizzen mit bis zu 30 Zentimetern Durchmesser zu backen. An der Oberseite sind zwei Tragegriffe angebracht, die auch als Halterung für Zubehör dienen. Füße hat der robuste Ofen nicht. Stattdessen bietet der Hersteller Stative an, auf die man ihn schrauben kann.

Ein echter Vorteil: In der Seitenwand des Tread ist ein Thermometer eingebaut. Für die Zündung muss man eine AAA-Batterie in das Gerät einsetzen. Der einfache Gasregler ist, wie der Brenner, seitlich eingebaut statt hinten, die maximal erreichbare Temperatur beträgt 500 Grad. Der einteilige Pizzastein nimmt den gesamten Boden ein, ihn herauszunehmen, etwa zum Reinigen, ist ziemlich umständlich.

Gozney Tread: Im Test der einzige mit Thermometer

Gozney Tread: Im Test der einzige mit Thermometer

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Auch hier ist das Aufheizen nach rund einer Viertelstunde erledigt. Zeit, den Teigfladen in den Garraum zu schieben. Die Hitzeentwicklung ist so hoch, dass der Belag zu schnell gar wird. Der Steinboden benötigt etwas länger, bis die Hitze stimmt. Bei meinen ersten Versuchen war der Rand der Pizza zwar schön knusprig, der Boden aber noch weich. Erst nach mehreren Versuchen hatte ich den Dreh raus. Der Trick ist es, die Temperatur etwas zu reduzieren, dafür länger vorzuheizen und die Pizza einen Tick länger im Ofen zu lassen. Nach einer Weile hatte ich die für mich optimale Einstellung und Backdauer gefunden.

Wichtig: Im Gegensatz zu den beiden anderen Modellen hat der Gozney keinen drehbaren Pizzastein. Nach der halben Backzeit muss die Pizza herausgenommen und gedreht werden. Den dafür notwendigen Pizzaschieber muss man separat kaufen.

Apropos Zubehör: Gozney bietet für den Tread neben Stativen auch diverse Pizzaschieber und eine Transporttasche an. Es gibt auch eine Ablage für den Deckel sowie eine weitere, die vor dem Garraum eingesteckt wird. Diese ist praktisch, um Gemüse indirekt zu wärmen oder das Wenden der Pizza zu vereinfachen.

Zubehör von Gozney: Praktisch, aber nicht billig

Zubehör von Gozney: Praktisch, aber nicht billig

Foto: Gerd Blank / DER SPIEGEL

Dank der breiten und hohen Öffnung lassen sich auch große Schalen nutzen, um etwa Lasagne oder Kuchen zu backen. Schade, dass man den Garraum nicht verschließen kann. Beim Backen bleiben das Äußere des Ofens sowie die Griffe aber kühl genug, sodass man den Tread schnell aus dem Weg räumen kann.

Fazit

Der seitliche Brenner im großen Garraum des Tread ist leistungsstark. Der Ofen selbst ist leicht, kompakt und dank der Griffe gut zu transportieren. Als einziger im Test verfügt er über ein eingebautes Thermometer.

👍 Gut tragbar

👍 Hohe Betriebstemperatur

👍 Eingebautes Thermometer

👎 Keine Füße

👎 Pizzastein nur schwer entnehmbar

👎 Wichtiges Zubehör nur gegen Aufpreis

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests