In einer immer schnelleren Welt wird Langsamkeit zum Lifestyle. Langsamer reisen, kennenlernen, laufen. »Slow Travel«, »Slow Dating« und »Slow Jogging«, so empfehlen es Instagram-Kacheln und Sachbücher. Wer sich mehr Zeit für Laufstrecke und Liebe nimmt, probiert das womöglich auch beim Sonntagsfrühstück mit dem Saft aus.
Slow Juicer pressen den Saft langsamer als etwa Zentrifugalentsafter, bei denen Obst und Gemüse kräftig zerhäckselt und geschleudert werden. In Slow Juicern quetscht eine Metallschnecke oder Walze die Früchte stattdessen sanft durch ein Sieb. So sollen mehr Nährstoffe erhalten bleiben. Die Konsistenz beeinflusst die Technik ebenfalls: Aus den langsamen Entsaftern strömt cremiger Saft, der sich im Glas nicht so schnell in flüssige und feste Bestandteile trennt wie Säfte aus Zentrifugalentsaftern.
Entsafter im Vergleich
Neben manuellen Pressen gibt es verschiedene Möglichkeiten, Früchte in Saft zu verwandeln.
Allerdings sind Slow Juicer in der Regel auch teurer als andere Entsafter. Lohnt sich das? Gelingt der Saft mit 150 Euro teuren Geräten ebenso gut wie mit 600-Euro-Pressen? Unabhängig von der Frage, ob das nur besonders lecker oder auch besonders gesund ist, haben wir sechs beliebte Modelle getestet.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, mindestens fünfmal täglich Obst und Gemüse zu essen. Zählt ein Glas Saft am Morgen? »Wer partout keine Orange schälen möchte, der trinkt besser Orangensaft, als gar kein Obst zu essen«, sagt Elke Richling, Lebensmittelchemikerin an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Unverarbeitetes Obst und Gemüse zu essen, sei die gesündeste Wahl.
Die DGE empfiehlt, nur zweimal pro Woche Obst und Gemüse durch Saft zu ersetzen. Kauen trägt zur Sättigung bei, und im Saft ist die Energie, also der Zucker, konzentrierter: »Ein Glas gepresster Saft kommt nicht von nur einer einzelnen Orange, sondern besteht aus vielen Früchten – und enthält entsprechend auch die Energie aus vielen Früchten«, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Janna Enderle von der Uni Kiel. Generell rät sie dazu, Obst lieber zu kauen, statt zu trinken.
Wer trotzdem gerne Saft trinkt, kann darauf achten, ihn frisch zu trinken. So bleiben Inhaltsstoffe wie Vitamine intakt.
So haben wir getestet
Wir haben ausprobiert, wie sich die Geräte bedienen lassen, wie praktisch sie aufgebaut sind und was für einen Saft sie produzieren. Dafür haben wir in allen Slow Juicern in unserem Test drei Säfte aus zehn verschiedenen Obst- und Gemüsesorten gepresst. Zum Vergleich haben wir mit einer klassischen Zentrifugalpresse die gleichen Säfte hergestellt.
Die Slow Juicer in unserem Test haben sehr unterschiedliche Preise. Das günstigste Modell kostet 150 Euro, das teuerste Gerät 600 Euro. Wir haben deshalb auch darauf geachtet, ob sich der Kauf teurer Modelle lohnt.
Saft 1: Gelb (Orangen)
Der klassische Frühstückssaft.
Saft 2: Grün (Apfel, Gurke, Sellerie, Spinat, Limette)
Slow Juicer sollen sich besonders gut für faseriges Obst und Gemüse eignen. In der zweiten Runde haben wir deshalb verschiedene Obst- und Gemüse-Konsistenzen getestet.
Runde 3: Rot (Karotte, Ingwer, Rote Bete)
Der Härtetest: Mit Ingwer, Karotte und Rote Bete prüfen wir, wie viel Saft die Geräte aus hartem Gemüse herausbekommen. Findet man im Saft noch Ingwerstückchen?
Slow Juicer pressen cremigeren Saft und haben eine größere Ausbeute als Zentrifugalpressen. Leider kosten sie auch mehr. Schon bei günstigen Slow Juicern setzen sich weniger Fasern ab als bei Zentrifugalentsaftern, Flüssigkeit, Faserstoffe und Fruchtstücke bilden eine homogenere Mischung. Dieser Unterschied zwischen schnellen und langsamen Entsaftern ist im Test insbesondere bei grünen Säften deutlich geworden.
Der beste Saft tropfte im Test aus einem der teuersten Geräte: Der Kuvings Auto10S liefert samtigeren Saft als die Konkurrenz und hat den größten Einfüllbehälter, kostet aber ein Vielfaches der Konkurrenzmodelle. Der Panasonic MJ-L700 ist ein guter Allrounder für weniger Geld. Er benötigt wenig Platz und kann auch Sorbets zubereiten, hat aber Probleme mit hartem und faserigem Gemüse.
Diese Produkte habe ich getestet:
Nutrilovers Green Press Max, 237,15 Euro (nur bei nutrilovers.de erhältlich)
Ninja JC151EU NeverClog, ca. 137 Euro
Panasonic MJ-L700, ca. 219 Euro
Kuvings AUTO10S, ca. 529,00 Euro
Hurom H-330P Deep Ivory, ca. 629 Euro
Nutrilovers Green Press Max
Für einen Slow Juicer ist der Green Press Max überraschend schnell und leise. Kaum hat sich die Edelstahlschnecke surrend in Bewegung gesetzt, tröpfelt auch schon Saft in die Auffangkanne.
Der Nutrilovers-Entsafter ist horizontal konzipiert, das macht ihn, sobald er aufgebaut ist, zum sperrigsten Modell im Test. Die seitlich angebrachte Pressschnecke liegt sichtbar in einer transparenten Kunststoffröhre. Die Früchte lässt man von oben in den Einfüllschacht fallen. Dafür müssen sie klein geschnitten und bestenfalls geschält sein. Von der Obstschale bis in die Presse dauert es länger als bei teureren Modellen, dafür ist der Green Press Max mit einem Preis von 237,15 Euro aber auch relativ günstig.
Der Ertrag ist zwar insgesamt hoch, der Saft wird aber auch recht dünn. Im Test enthielt er, je nach Zutaten, vereinzelt kleine Stücke von Ingwer und Gurke. Nur der Orangensaft wurde cremig und samtig. Im Vergleich mit den anderen Modellen zieht dieses Modell aus Äpfeln und Karotten weniger Saft.
Alle Teile sind spülmaschinenfest. Der Hersteller empfiehlt jedoch, sie lieber schonend von Hand zu reinigen.
Läuft | Läuft nicht |
👍 Schnell und leise 👍 Hoher Saftertrag 👍 Spülmaschinenfest | 👎 Sperrig 👎 Bei hartem Gemüse bleiben Stückchen zurück 👎 Probleme mit Äpfeln und Karotten |
Der Green Press Max ist im Shop von Nutrilovers erhältlich .
Ninja JC151EU NeverClog
Dieses Gerät ist das günstigste in unserem Test und wie der Slow Juicer von Nutrilover eine horizontale Presse, wenn auch etwas kleiner und nicht ganz so wuchtig. Vorne werden Pressschnecke, Sieb und Ausguss aufgesteckt. Obst und Gemüse müssen bei diesem Modell ebenfalls klein geschnitten und geschält werden, um gute Ergebnisse zu erzielen. Da die Schnecke jedoch weniger Kraft zu haben scheint, mussten wir mit einem Stößel nachhelfen, um die Stücke nach unten zu drücken.
Der Geschmack ist wässriger und der Ertrag insgesamt geringer als bei den anderen Modellen im Test. Trotz allem ist der Saft aber fein und das Ergebnis für den Preis zufriedenstellend. Nur mit Ingwer und Sellerie hat der NeverClog zu kämpfen, und es bleiben winzige Stückchen im Saft zurück. Wer das nicht mag, sollte es mit dem jeweils anderen Sieb versuchen, denn es liegen zwei bei, eines für Früchte mit viel, eines für Früchte mit wenig Fruchtfleisch.
Der Trester, also die Rückstände des Obsts und des Gemüses, ist feucht. Es wäre also noch mehr Saft drin gewesen. Während des Pressens landeten in unserem Test einige Obstreste auf der Arbeitsfläche statt im Auffangbehälter.
Läuft | Läuft nicht |
👍 Günstig 👍 Klein 👍 Einfache zu bedienen 👍 Mehrere Aufsätze mitgeliefert 👍 Spülmaschinenfest | 👎 Geringer Saftertrag 👎 Trester und Saft gehen manchmal daneben 👎 Fasern und Stückchen bleiben im Gerät hängen |
Panasonic MJ-L700
Panasonic wirbt damit, dass mit dem MJ-L700 auch ganze Früchte gepresst werden können. Schneiden und Schälen soll hinfällig sein. Leider funktioniert das nur, wenn die Früchte in den schmalen Einfüllschacht passen. Ein Apfel, wie auf der Webseite des Unternehmens dargestellt, ist in der Regel schon zu groß.
Bedienung und Aufbau sind auch ohne Anleitung intuitiv und einfach, Design und Material wirken stabil und wertig. Das Gerät ist schlank und nimmt wenig Platz in Anspruch. Praktisch ist der mitgelieferte Sorbet-Aufsatz. Ein Nachteil: Viele Teile dürfen nicht in die Spülmaschine, die Reinigung ist etwas friemelig.
In der Kerndisziplin hat der Panasonic mit hartem und sehr faserigem Gemüse zu kämpfen. Insbesondere Ingwer und grünes Gemüse landeten im Test als Bröckchen im Saft. Dass dem Saft auf diese Weise Ballaststoffe hinzugefügt werden, kann man gutheißen, das Mundgefühl und den Geschmack stören die Reste aber etwas.
Die Saftausbeute ist bei diesem Gerät größer als beim Ninja-Modell, das zu einem ähnlichen Preis angeboten wird. Der Saft ist aber weniger homogen, die Bröckchen sind gröber. Insgesamt liefert der.Panasonic aber ein solides Gesamtergebnis.
Läuft | Läuft nicht |
👍 Einfach zu bedienen 👍 Schlank 👍 Gute Ausbeute 👍 Kein Schälen nötig | 👎 Schmaler Einfüllschacht 👎 Nicht alle Teile spülmaschinenfest 👎 Bei hartem Gemüse faseriger Saft 👎 Auslaufklappe nicht ganz dicht |
Kuvings Auto10S
Der Auto10S von der koreanischen Marke Kuvings ist simpel gestaltet, der Sockel besteht aus mattiertem Edelstahl. Auffällig sind die Größe des geriffelten Einfüllkörpers und der stolze Preis, der laut dem Preisvergleichsportal geizhals.de in den vergangenen Monaten zwischen 530 und 700 Euro lag.
Zu Beginn unseres Tests kamen Zweifel auf, ob dieser Preis gerechtfertigt ist. Der Aufbau ist schwieriger als erhofft. Bis Einfüllkörper, Sockel und Schnecke richtig zusammengesetzt sind und der Slow Juicer anspringt, dauert es eine Weile. Aber wir wollten es ja auch langsam angehen lassen. Sitzt alles richtig, setzt sich der 200-Watt-Motor endlich brummend in Bewegung. Der Geräuschpegel ist meist angenehm niedrig, nur bei hartem Gemüse, etwa Karotten und Ingwer, wird der Kuvings laut, kracht und quietscht.
Mit einem Volumen von drei Litern bietet der Zutatenbehälter reichlich Platz für Obst und Gemüse. Das ist prima für große Mengen, aber wenn man nur einen kleinen Saft pressen möchte, bleiben die wenigen Zutaten oft darin hängen und es dauert lange, bis auch die letzte Karotte ihre Kreise gezogen hat und im Gerät verschwindet.
Ohnehin lässt sich die Presse von Kuvings Zeit. Sie erzielt geschmacklich aber die besten Ergebnisse aller getesteten Geräte. Der Saft fühlt sich im Mund merklich samtig an und hat eine fast cremige Konsistenz.
Selbst im grünen Saft sind kaum Stückchen zu finden. Mit dem mitgelieferten Siebeinsatz kann man das Fruchtfleisch aber auch komplett aussieben. Mit einem als Zubehör lieferbaren Sorbeteinsatz lassen sich gefrorene Früchte zu Sorbet verarbeiten. Der Trester ist minimal feuchter als beim Modell von Hurom (siehe unten), aber im Vergleich zu den anderen Testgeräten eher trocken. Der Kuvings holt aus dem Obst und Gemüse also viel Saft heraus.
Läuft | Läuft nicht |
👍 Cremiger Saft 👍 Große Füllmenge 👍 Verarbeitet große Stücke | 👎 Teuer 👎 Nicht alles spülmaschinenfest 👎 Komplizierter Aufbau |
Hurom H-330P Deep Ivory
Auch der Hurom kommt aus Südkorea. Das Design ähnelt dem Modell von Kuvings und auch preislich ist der H-330P Deep Ivory in einer ähnlichen Region angesiedelt. Allerdings ist sein Einfüllbehälter kleiner und das gesamte Gerät schmaler und runder.
Der Zusammenbau ist simpel, gelang im Test schnell. Als einziger Entsafter im Test verfügt er über ein abnehmbares Stromkabel. Auch der Saft fließt schneller ins Glas als beim Kuvings, und das Gerät kommt auch mit kleinen Mengen besser klar als die koreanische Konkurrenz. Um im Bild zu bleiben: Auch eine einsame Karotte zieht der Hurom problemlos in seine Maschinerie hinein. Der Trester ist trockener als bei der Konkurrenz, die Saftausbeute also hoch.
Einziger Wermutstropfen: Bei Konsistenz und Geschmack der Säfte kann der Hurom nicht ganz mit dem Kollegen von Kuvings mithalten. Besonders von Ingwer und Gemüse blieben im Test kleine Stückchen im Saft zurück.
Läuft | Läuft nicht |
👍 Gute Saftausbeute 👍 Leichte Handhabung 👍 Große Einfüllöffnung 👍 Leicht zu reinigen 👍 Leise | 👎 Im Saft bleiben Stückchen zurück 👎 Probleme bei hartem Gemüse 👎 Teuer 👎 Nicht alles spülmaschinenfest |
Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests
Über welche Produkte wir im Tests-Ressort berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen von den Herstellern. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.