Lego-Todesstern im Test Das ist kein Mond, das ist eine Raumstation (zu einem Mondpreis)
»Lego® Star WarsTM TodessternTM – Ultimative Sammler Serie 75419«, so steht es in der Pressemitteilung von Lego. Betrachtet man das Namensungetüm etwas länger, stecken darin schon Erklärungen für nahezu alles rund um den ersten Lego-Bausatz, der 1000 Euro kostet: die Erwartungen, die Enttäuschungen und die Dimension.
Wir haben die 9023 Teile zusammengesteckt. Nach etwa 35 Stunden Bauarbeit im Büro steht man etwas ratlos vor einem mehr als acht Kilo schweren Plastikkoloss, 70 Zentimeter hoch, 79 Zentimeter breit und 27 Zentimeter tief. Man rätselt: Wem würde man das eigentlich empfehlen?
Nähert man sich der Frage, ist eindeutig: Dem Hersteller kann man grundsätzlich empfehlen, ein derart teures und komplexes Klemmbausteinmodell auf den Markt zu bringen. Vor 20 Jahren stand das Unternehmen noch kurz vor der Pleite. Nun verdienen sie im dänischen Billund wieder viel Geld mit Kunststoff-Klemmbausteinen. Einer der Gründe des Erfolgs: Auch Erwachsene klemmen gern Steine zusammen. Die sogenannten »Kidults« sind ein Wirtschaftsfaktor geworden. Im Lego-Universum nennt man sie »Afols«: adult fans of Lego.
Um mit dem Todesstern das erste Lego-Set zu verkaufen, das an der 1000-Euro-Schallmauer kratzt, klotzt das Unternehmen richtig ran: Es ist das vielleicht kultigste Bauwerk der Merchandise-Marke »Star Wars« in bisher nie dagewesener Größe. Klingt logisch.
Mehr Flow als Frust
Unabhängig von den Kosten: Dass ein solches Mammutprojekt mit mehr als 9000 Teilen eine ganz eigene Faszination bietet, lässt sich nicht leugnen. Vielleicht weil Preis und Größe so absurd sind, dass es schon wieder lustig ist. Während der in sechs Anleitungsbüchern erklärten 2142 Arbeitsschritte spürt man mehr Flow als Frust. Die Steine sind so auf 81 Tüten verteilt, dass man meist nicht lange nach dem richtigen Teil suchen muss. Zudem ist die Anleitung auch für Anfänger so leicht nachvollziehbar aufgebaut, dass man sich beim stundenlangen Klemmbausteinstecken von Hörbüchern unterhalten lassen kann.
Müllpresse des Todessterns im Lego-Format
Foto: Markus Linden / DER SPIEGELBeim Aufbau gibt es immer wieder Abwechslung. Nach dem Fundament darf man die legendäre Müllpresse bauen, deren Wände sich sogar bewegen lassen. Das Lego-Modell ist ein liebevoll gestaltetes Nostalgie-Diorama, man baut von einem Filmmoment zum nächsten.
Lego-Humor: Ein Stormtrooper im Whirlpool – mit Quietscheentchen
Foto: Markus Linden / DER SPIEGELDazu wird man in Tüte 66 von Imperator Palpatine überrascht und im Dachgeschoss des Todessterns sitzt ein Stormtrooper in der Badewanne – Sauberkeit muss sein. Die vielen Figuren sind ein Fest für Fans.
Erstmals als Lego-Figur erhältlich: Galen Erso, der Architekt des Todessterns, im Spin-Off »Rogue One« verkörpert vom Schauspieler Mads Mikkelsen. Eine fachkundigere Liste weiterer Easter Eggs findet man beim Blog »Brick Fanatics« . Doch auch als Star-Wars-Laie erkennt man beim Lego-Todesstern die Liebe zum Detail.
Da sitzt ein Imperator vor der Raufasertapete
Die Rückseite des neuen Todessterns: Kaum vorzeigbar
Foto: Markus Linden / DER SPIEGELDas Bauen macht also Spaß. Wer gern Lego-Steine zusammensteckt, wird auch an diesem Set Freude haben. Nur steht man am Ende ziemlich ratlos vor der riesigen Kunststoff-Kampfstation. Was soll man damit nun anstellen? Das Wohnzimmer zur Ausstellungsfläche machen und das Modell regelmäßig mit feinem Pinsel abstauben?
Über die Formfrage wurde im Vorfeld schon herrlich gestritten. Manche hätten sich eine Kugel gewünscht oder zumindest eine Halbkugel. Stattdessen erinnert der Plaste-Todesstern einige eher an eine Pizza. Jede zusätzliche Rundung hätte zu viele zusätzliche Teile bedeutet, rechtfertigt Designer César Soares das relativ flache Modell in einem Interview .
Steht man vor der fertigen Weltraum-Kampfstation kann man die Kritik mancher Fans nachvollziehen. Die Rückseite des Modells ist kaum vorzeigbar. Flach ist sie aber auch nicht, lässt sich daher nicht bündig an eine Wand stellen. Doch selbst wenn die Schattenseite des Todessterns flach wäre: Der Imperator würde womöglich vor einer Raufasertapete thronen, denn hinter seinem Sitzplatz gibt es keine Lego-Wand. Ob Fans, die einen so hohen Preis bezahlen sollen, das würdevoll finden? Wie es schöner geht, sieht man an der Wand aus schwarzen Steinen, die den Hangar des Modells abschließen.
Thronsaal des Imperators: Wo ist die Wand?
Foto: Markus Linden / DER SPIEGELEin Spielzeug für Kinder ist die Raumstation aber auch nicht. Zwar kann der Aufzug über alle fünf Ebenen fahren, Türen lassen sich öffnen, sogar eine Brücke kann man aus- und einfahren. Nur ist es im Todesstern trotz der Größe immer etwas zu eng, um die Minifigürchen durch den Todesstern wackeln zu lassen. Wer dabei nicht aufpasst, reißt leicht die Meditationskammer von Darth Vader aus den Angeln.
Fazit
Die Frage, ob ein Klemmbaustein-Bausatz 1000 Euro wert ist, ist müßig. Es gibt Menschen, die für Dinge, die ihnen lieb sind, absurde Preise bezahlen. Etwa für Oasis-Tickets oder Karten für die Spiele der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Jahr. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Legos Todesstern unter Star-Wars-Fans ein Flop wird. Denn lieblos ist das Modell nicht. Dass bei einem solchen Preis jedes Detail von Fans diskutiert wird, ist verständlich. Zudem ist es möglich, dass das Set an Wert gewinnt, wie schon andere Lego-Modelle in der Vergangenheit .
Wer kein Star-Wars-Ultra ist, sondern nur Lego-Zerstreuung sucht, dem stoßen die Feinheiten sicher nicht auf. Man kann aber auch deutlich günstiger sein Klemmbaustein-Glück finden. Auf Kleinanzeigenportalen, in Facebook-Gruppen und manchen Spielwarengeschäften hat sich ein reger Gebrauchtmarkt entwickelt. Der Witz der hohen Klötzchenzahl wird wohl auch schneller schal, als man zunächst denkt.