Bertelsmann-Konzern: Ostrowski, der unbekannte Kronprinz - DER SPIEGEL
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Bertelsmann-Konzern Ostrowski, der unbekannte Kronprinz

Inzwischen gilt es als sicher: Wenn Bertelsmann-Chef Gunter Thielen zum Jahresende seinen Posten aufgibt, wird Hartmut Ostrowski sein Nachfolger. Den bald mächtigsten Medienmanager Europas zeichnen Unauffälligkeit und Diskretion aus.
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Berlin - Im kleinen Einmaleins der Karriereberater stehen die Eckdaten in seinem Lebenslauf nicht gerade als Garanten für einen steilen Aufstieg. Hartmut Ostrowski ist in der westfälischen Provinz geboren - genau genommen in Bielefeld - hat dort die Schule besucht und ist auch fürs Studium nicht weggezogen. Mit 24 Jahren, direkt nach dem Abschluss in Betriebswirtschaft, heuerte er beim Bertelsmann-Konzern in Gütersloh an, das war 1982. Bis auf ein dreijähriges Intermezzo bei einem Finanzdienstleister in Frankfurt am Main ist er Bertelsmann seitdem treu geblieben.

Keine schillernde Vita - und doch hat der 48-Jährige Erfolg damit, sogar sehr großen Erfolg. Denn was offiziell noch nicht bestätigt wird, hat sich im hausinternen Flurfunk schon längst zur als sicher geltenden Nachricht verdichtet: Der Chef der Druck- und Mediendienstleistungssparte Arvato wird Nachfolger von Vorstandschef Gunter Thielen, dessen Vertrag im Sommer 2007 ausläuft.

Heute entscheidet der Bertelsmann-Aufsichtsrat über die Nachfolge an der Spitze des Medienkonzerns. Das vorletzte Wort hatte der Personalausschuss des Kontrollgremiums, der gestern zusammengetroffen ist. Ihm gehören unter anderem die Sprecherin der Eigentümerfamilie, Liz Mohn, sowie Aufsichtsratschef Dieter Vogel an. Es gilt als nahezu sicher, dass er sich für Ostrowski ausgesprochen hat.

Diskretion gilt viel bei Bertelsmann

Über den neuen Konzernchef wird seit längerem spekuliert. Ostrowski wurde in Medienberichten immer wieder als Favorit für den Chefsessel genannt. Doch von den Verantwortlichen war dazu wenig zu hören. Es gehört zu den anerkannten Tugenden im Hause, sich möglichst wenig zu exponieren.

So hatte sich auch Bertelsmann-Chef Gunter Thielen stets bedeckt gehalten, wenn es um seinen Nachfolger ging. Thielen hatte nur preisgegeben, dass der neue Bertelsmann-Chef aus dem bestehenden Vorstandsteam kommen werde.

Vorübergehend hatten Beobachter auch Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun als Kandidaten für den Chefposten von Bertelsmann gehandelt. Ebenso waren Rolf Schmidt-Holz, Chef der Musiksparte BMG, und RTL-Boss Gerhard Zeiler sowie Finanzvorstand Thomas Rabe im Gespräch. Eine Bestätigung oder ein Dementi folgte den Spekulationen nie.

Zuletzt blieb lediglich Ewald Walgenbach, der Sanierer der wichtigen Sparte Direktgroup als Alternative zu Ostrowski übrig. Seit Monaten streut der 47-Jährige Details über seine Heldentaten bei Bertelsmann in der Presse. Das chronisch schwache deutsche Clubgeschäft, Club Bertelsmann genannt, werde endlich schwarze Zahlen schreiben.

Ausgesprochenes Managertalent

Zugleich hatte Walgenbach allerdings zu deutlich seine Unabhängigkeit durchblicken lassen. So hatte er vor einigen Jahren mit einem Wechsel zum Logistikkonzern Haniel geliebäugelt. In den letzten Monaten war er es, der seine Managementleistungen gegenüber den Medien deutlich hervorgehoben hatte. Solch Aufgepluster in der Öffentlichkeit schätzt Bertelsmann-Patriarchin Mohn nicht. Walgenbach werden deshalb - wenn überhaupt - nur noch Außenseiterchancen eingeräumt.

Beständigkeit und Diskretion allein jedoch würden einen selbst bei Bertelsmann nicht ohne weiteres an die Konzernspitze führen. Neben ausgesprochenem Managertalent - bereits ein Jahr nach seinem Dienstantritt als Assistent der Geschäftsführung war der damals 25-Jährige bereits Hauptabteilungsleiter - war auch ein wenig Glück im Spiel, dass Ostrowski ausgerechnet in der Druckereisparte landete, die traditionell als Talentschmiede des Konzerns gilt. Mark Wössner hat sich bei Mohndruck hochgearbeitet, Thomas Middelhoff ebenso, und schließlich Gunter Thielen, der bis heute als Ostrowskis wichtigster Mentor gilt.

Ihm folgte er auch auf den Chefposten beim größten Umsatzbringer Arvato. Druckereien, Call-Center und Logistik sind unter diesem Dach zusammengefasst und mischen in allen Bereichen international ganz vorne mit. Arvato liefert 80 Prozent aller Handys aus. Arvato betreut die Bahncard und das Vielfliegerprogramm der Lufthansa, und erledigt Dienstleistungen für Banken und Versicherungen. Selbst die Gebrauchsanleitungen für Volkswagen kommen von Arvato.

Neuorientierung nötig

Wenn Ostrowski zu Beginn des nächsten Jahres die Führung übernimmt, wird sich zunächst aller Voraussicht nach wenig ändern. Der ein wenig dröge wirkende Westfale ist dem Prinzip der Dezentralität ebenso verbunden, wie die Familie Mohn.

Ostrowski wird sich dennoch etwas einfallen lassen müssen. Denn bis auf Arvato und den Fernsehsender RTL hat Bertelsmann nicht mehr viel zu bieten, um in der ersten Liga der Medienkonzerne mitzuspielen. In den USA ist der Konzern inzwischen abgeschlagen. Lediglich im Musik- und Buchgeschäft können die Gütersloher den US-Konzernen noch Paroli bieten. Auch in den Wachstumsmärkten Indien und China tut sich der Konzern schwer.

Mit einer Entscheidung in seiner Eigenschaft als Chef von Arvato hat Ostrowski bereits angedeutet, wo er künftige Wachstumsfelder sieht: Mit der Schaffung der Internet-Download-Plattform Gnab "Wir glauben, dass wir damit im nächsten Jahr einen dreistelligen Millionen-Euro-Umsatz erzielen können", sagte Ostrowski im Frühjahr dem "Handelsblatt".

Das Internet-Geschäft hatte allerdings auch Thielen-Vorgänger Thomas Middelhoff einst ausbauen wollen - und war damit am Widerstand der Familie Mohn gescheitert.