Druck aus den USA Europa gibt Dieselvorräte frei
Preise an einer Tankstelle
Foto: Rene Traut / IMAGODie G7-Länder haben sich darauf geeinigt, bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven freizugeben. Damit sollen die Energiemärkte entlastet werden, wie der französische Präsident Emmanuel Macron mitteilte. Zuvor hatte er in einer Videokonferenz mit G7-Vertretern zu Maßnahmen gegen die Energiekrise beraten, auch Bundeskanzler Friedrich Merz nahm daran teil.
Die koordinierte Freigabe über die Internationale Energieagentur (IEA) soll unverzüglich anlaufen und über einen Zeitraum von vier Monaten erfolgen, wie die G7 in einer gemeinsamen Erklärung mitteilen. Zudem ist eine vorgezogene, erhebliche Freigabe von Diesel innerhalb der ersten 20 Tage durch die G7-Mitglieder und ihre Partner geplant.
US-Präsident Donald Trump hatte die europäischen Partner zur Freigabe ihrer Reserven gedrängt , um die Verbraucherpreise zu senken. Trump sagte nun, Europa habe sich dazu bereiterklärt. Die Europäer hätten beschlossen, »einen Großteil ihrer umfangreichen Dieselvorräte« freizugeben. Der Prozess werde unverzüglich beginnen.
Die G7 teilten weiter mit, man werde in den kommenden Tagen im Rahmen der Internationalen Energieagentur zusammenkommen, um die Möglichkeit zusätzlicher Dieselfreigaben zu erörtern. Die Stellungnahme spricht von einer »beispiellosen Volatilität auf den Ölmärkten«.
Die grundsätzliche Entscheidung über eine Freigabe von Reserven liegt bei der IEA mit ihren 32 Mitgliedsländern. Die IEA hatte zuletzt im März als Reaktion auf den Irankrieg eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel Rohöl strategischer Ölreserven freigegeben. Wegen der weltweit steigenden Preise, vor allem für Diesel, kam die Frage erneut auf. US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Donnerstag auf der Plattform X geschrieben, Europa solle »zusätzliche Liefermengen unverzüglich bereitstellen«.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Michael Kellner kritisierte die Freigabe der Reserven. »Der Wahlkampf von Trump ist kein Notfall. Diese Freigabe ist eine politische Dummheit. Die EU macht sich klein und schwach«, sagte Kellner dem SPIEGEL.
G7 wollen Maßnahmen gegen Energiekrise weiter abstimmen
Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte außerdem, die G7-Staaten hätten vereinbart, ihre Maßnahmen weiter abzustimmen, um die Öllieferungen durch die Straße von Hormus zu sichern. Zu den G7 gehören neben Frankreich die USA, Deutschland, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan. In ihrer Erklärung bekräftigten die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten ihre Verpflichtung, auf Exportbeschränkungen für Energie und Energieträger untereinander zu verzichten. Sie riefen zudem alle Produzenten auf, keine Verbote zu verhängen, die die Spannungen auf den Märkten verschärfen könnten.
Dies gilt als Signal an die USA, die zuvor mit einem einseitigen Exportverbot für Diesel gedroht hatten. Die G7 forderten die IEA auf, die sofortige und vollständige Umsetzung der im März vereinbarten Verpflichtungen zu überwachen. Zudem wollen die G7-Staaten die Wartungspläne ihrer Raffinerien untereinander abstimmen. Die Staats- und Regierungschefs verurteilten in der Erklärung erneut die Angriffe Irans auf seine Nachbarstaaten und bekräftigten, an den Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine festzuhalten.