Handel mit Saudi-Arabien und Co. Die Krise am Golf birgt auch eine Chance
Produktionsanlage für grünen Wasserstoff in Saudi Arabien
Foto: Dereck Smith / Air ProductsAngesichts des Zollkonflikts mit den USA suchen Deutschland und Europa neue Handelspartner – und sollten sich dabei stärker den Golfstaaten zuwenden, raten Ökonomen. Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) richten ihre Handelsbeziehungen diverser aus, weg vom reinen Export von Erdöl und Flüssigerdgas (LNG), berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Doch die EU fällt in der Region zurück.
Kamen im Jahr 2004 noch 26 Prozent aller Importe der Golfstaaten aus der EU, waren es 2024 nur 18 Prozent. Stattdessen hat China seinen Handel mit der Region stark ausgebaut; die Volksrepublik verkauft mittlerweile mehr Elektrotechnik und Autos an den Golf als die EU, auch dank staatlicher Subventionen.
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Die Empfehlung kommt nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran zu einem denkwürdigen Zeitpunkt. Teheran bombardierte als Reaktion auch Ziele in Katar, Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und den VAE. Mit der Straße von Hormus ist der einzige Seeweg vom Persischen Golf zum Rest der Welt de facto blockiert.
Verhandlungen seit 36 Jahren
Infolge des Kriegs dürften erhebliche Investitionen in die Reparatur der Energieinfrastruktur nötig sein, sagt Studienautor Simon Gerards Iglesias. Davon könnten gerade deutsche Maschinen- und Anlagenbauer profitieren. »Zollerleichterungen würden hier helfen«, so der Ökonom. Auch die Rüstungsausgaben der Golfstaaten dürften steigen.
Das IW rät der EU daher, nach 36 Jahren der Verhandlungen endlich ein Handelsabkommen mit den Golfstaaten abzuschließen, das substanziell über Zollfragen hinausgeht. Die Forscher verweisen auf die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) – also Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz –, die bereits seit 2014 ein Abkommen mit den Golfstaaten hat. Seitdem seien die Exporte der EFTA-Länder in die Region um 34 Prozent gewachsen, während die deutlich größere EU an Boden verloren hat. Seit gut einem Jahr verhandelt die EU-Kommission zumindest mit den VAE über ein Handelsabkommen; Gespräche mit dem gesamten Golfkooperationsrat, inklusive Saudi-Arabien, stocken seit 2008.
Deutschland exportierte zuletzt vor allem Autos, Medikamente und Maschinen in die Golfstaaten. Ausfuhren solcher Branchen hätten im Fall der EFTA-Länder von dem Handelsabkommen profitiert, argumentiert das IW. Zudem entstehen am Golf derzeit groß angelegte Projekte, auch im Bereich erneuerbarer Energien. Dies eröffne deutschen Unternehmen »erhebliche Geschäftschancen« in Branchen wie dem Maschinenbau und der Energietechnologie, sagt Gerards Iglesias.
Ein Risiko eines Handelsabkommens liegt darin, dass mehr Chemikalien- und Düngemittelimporte vom Golf hiesige Hersteller unter Druck setzen könnten. Zugleich könnte Deutschland künftig klimaschonend produzierten Stahl oder Wasserstoff für energieintensive Industriezweige aus Oman oder Saudi-Arabien importieren – zu niedrigeren Preisen, »als dies bei einer rein nationalen Produktion möglich wäre«, so Gerards Iglesias.